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Kino

So viele Probleme

Nein, Schule ist kein Spaß: Jonatan Etzlers Film »Bad Apples«

Foto: Landmark Media/IMAGO
Kein leichter Fall: Systemsprenger (Eddie Waller) und Lehrerin Maria (Saoirse Ronan)

Junge, Junge. Danny (Eddie Waller) ist ein zehnjähriger, für sein Alter überaus abgebrühter Schüler. Ständig stiftet er Unruhe – zum Leidwesen der von ihm eingeschüchterten Klassenkameraden, zum Leidwesen seiner Lehrerin (Saoirse Ronan). Als er immer aggressiver wird, reißt ihr der Geduldsfaden und sie ergreift drastische Maßnahmen, um den faulen Apfel der Klasse auszusortieren.

Jonatan Etzlers rabenschwarze Komödie heißt nicht grundlos »Bad Apples« – die Erzieherin ist auch nicht ohne. Die irisch-US-amerikanische Schauspielerin Saoirse Ronan kann mit gerade einmal 32 Jahren auf eine beachtliche Karriere zurückblicken, die ihr bislang vier Oscar-Nominierungen und einen Golden Globe für »Lady Bird« eingebracht hat. Preisverdächtig auch ihr Spiel in »Bad Apples« als engagierte junge Lehrkraft Maria. Die Show stiehlt ihr freilich Danny, er steckt in Schwierigkeiten und zieht andere mit hinein. Er denkt nicht bloß »Zum Teufel mit der Penne«, er handelt entsprechend. Hansi Kraus als Pepe Notnagel im gleichnamigen zweiten Teil der unverwüstlichen Lustspielreihe »Die Lümmel von der ersten Bank« ist gegen den Problemfall aus »Bad Apples« ein echter Waisenknabe.

Das wird gleich zum Auftakt deutlich, als Lehrerin Maria mit ihrer vierten Klasse eine Saftfabrik besucht. Während ein Mitarbeiter die Vorgänge erläutert, wirft Danny einen Schuh aufs Förderband mit den Äpfeln und demoliert so die Maschine. Ein Systemsprenger. Okay, »Satansbraten« trifft es besser. Der alleinerziehende Vater Josh (Robert Emms) ist völlig überfordert. Maria auch, etwa als Danny die »Streberin« Pauline (Nia Brown) übers Treppengeländer stößt.

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Maria fühlt sich schuldig, weil sie einen Moment nicht aufgepasst hat. Alle wissen Bescheid, niemand hilft. Direktorin und Vertrauenslehrer zucken mit den Schultern, meinen, als Lehrerin müsse sie auch mit schwierigen Kindern zurechtkommen. Als sie Danny dabei erwischt, wie er parkende Autos demoliert, nimmt die Geschichte eine drastische Wendung – Danny sitzt kurz darauf angekettet in Marias Keller.

Das wirkt so übertrieben wie konsequent – ein Kind, das alle hassen, eine Lehrerin, die Verbesserungen herbeiführen möchte, aber alles immer schlimmer macht. Die Konstruktion erinnert stellenweise an Jan Komasas Mysterythriller »Good Boy«. Auch hier spielt der Keller eine prominente Rolle.

Der schwedische Regisseur Jonatan Etzler (»Get Ready With Me«, 2019, »One More Time«, 2023) hat Rasmus Lindgrens Roman »De Oönskade« (2020) nach einem Drehbuch von Jess O’Kane ohne erhobenen Zeigefinger verfilmt. »Bad Apples« mag zwar eine Abrechnung mit einem veralteten Bildungssystem sein, in erster Linie geht es aber um individuelle Probleme von großen und kleinen Menschen in einer immer unübersichtlicheren Welt, wo der Leistungsdruck bereits in der Schule anfängt. Die Sozialkritik trägt das Gewand einer Suspensekomödie, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

→ »Bad Apples«, Regie: Jonatan Etzler, Großbritannien 2025, 101 Min., bereits angelaufen

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Erschienen in der Ausgabe vom 16.09.2026, Seite 10, Feuilleton

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