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Rüstung und Verelendung
Kabinett beschließt Haushalt 2027
Es ist nur konsequent. Am 1. Juli trat die neue Grundsicherung in Kraft – eine Art Rückkehr zum Hartz-IV-Regime. Einen Tag später gab der Koalitionsausschuss bekannt, wie der Generalangriff auf die Lohnabhängigen vor sich gehen soll: in Raten, aber brutal. An Rentenkürzung und Gesundheitsreform wird noch gefeilt. Nun, ein paar Tage später, beschließt das Bundeskabinett den Haushalt für 2027 und mit ihm eine neuerliche drastische Erhöhung der Rüstungsausgaben. Für das kommende Jahr veranschlagt Finanzminister Lars Klingbeil Ausgaben von 555,5 Milliarden Euro – dieses Jahr waren es 31 Milliarden weniger. Allein für den sogenannten Verteidigungsetat sind 109,7 Milliarden Euro vorgesehen – ein Drittel mehr als dieses Jahr.
Es lohnt sich, bei dieser Beobachtung zu verweilen: Es wird – weil angeblich kein Geld da ist – gekürzt, was das Zeug hält, und trotzdem steigen die Ausgaben. Jeder und jede kann sehen: Es wird der Bevölkerung Geld weggenommen, damit die Aufrüstung finanziert werden kann. Die Bundeszuschüsse an die Rentenversicherung wie auch an die gesetzliche Krankenversicherung sollen zurückgefahren werden. Tabak, Alkohol und Zucker sollen höher besteuert werden. All das wird die Armen in besonderem Maße treffen. Nun ist noch eine Plasteabgabe im Gespräch. Gekürzt werden soll auch beim Klima- und Transformationsfonds, auf den Gewerkschaften und einige Unternehmen Hoffnungen gesetzt hatten, um die viel beschworene Transformation ohne allzu großen Flurschaden zu bewältigen. Daraus wird nichts. Das Geld wird an anderer Stelle »gebraucht«.
Trotzdem muss Klingbeil 6,8 Milliarden aus einer Rücklage nehmen, und es wird immer noch nicht reichen. Die Bundesregierung plant mit einer Neuverschuldung von 200 Milliarden Euro allein im nächsten Jahr. In den kommenden Jahren soll sie weiter ansteigen. Die Finanzlücke wird dadurch nicht kleiner, sondern größer, weshalb der SPD-Finanzminister die Öffentlichkeit schon einmal auf weitere »Konsolidierungen« einschwört. Da die Schuldenbremse für Rüstungsausgaben außer Kraft gesetzt ist, können in diesem Bereich zwar immer neue Schulden gemacht werden, die wollen aber auch wieder getilgt sein. Für das Jahr 2030 sind derzeit 40 Prozent aller Bundesausgaben für Verteidigung oder Zinstilgung eingeplant, rechnete der DGB am Montag vor. Die Rüstungsverelendungsspirale wurde längst in Gang gesetzt. Sie wird unverdrossen immer wieder mit Bedrohungslügen gefüttert: »Man kann sich gegenüber Putin nicht mit der schwarzen Null verteidigen«, hatte Finanzminister Lars Klingbeil im ARD-»Sommerinterview« die explodierenden Rüstungsausgaben verteidigt.
Auch der Gewerkschaftsbund kritisiert diesmal, dass »Bedarfe an jeder Stelle kleingerechnet und Zukunftsinvestitionen unter Finanzierungsvorbehalt gestellt sind, während über die Höhe der Verteidigungsausgaben nicht diskutiert wird«. Das sei nicht »vermittelbar«. Doch den entscheidenden Kanonen-statt-Butter-Zusammenhang will der DGB nach wie vor, so scheint es, nicht erkennen. Vielleicht bei der nächsten Kürzungsrunde?
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Onlineabonnent*in Reinhard L. 8. Juli 2026 um 22:37 UhrDer Beitrag hält dem DGB viel zu viel zugute. Es ist nicht so, dass unsere Staatsgewerkschaft den Zusammenhang von Drohnen und Butter nicht erkannt hätte – sie erhofft sich von einer erfolgreichen Drohnenproduktion Jobstabilität für ihre Kernklientel, die »arbeiteraristokratischen« Metallfacharbeiter, die im Automobilsektor nicht mehr gebraucht werden und derweilen zur AfD abwandern. Der Rest, die einfach nur Bedürftigen, die mangels politischer Druckmittel auch keinerlei verbandspolitische Relevanz haben, interessieren auch den DGB nicht mehr. Wer hat uns verraten … der Spruch ist alt, abgenutzt, aber deshalb nicht falsch.
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Rudi Eifert aus Langenhagen 6. Juli 2026 um 20:50 UhrEs wird gekürzt auf Teufel komm raus, belastet werden jene, die in den untersten Schichten der Gesellschaft angesiedelt sind. Gestreichelt wird indes fleißig nach oben. Warum erkennt unser Volk nicht, was in unserem Land, das zwischenzeitlich nahezu eine Bananenrepublik geworden ist, zu seinen Ungunsten geschieht? Jeder, der nur halbwegs politisch interessiert ist, muss doch erkennen, dass sich Dinge in dieser Republik bewegen, die nur die in der (gerechten) Verteilung der Kosten [Originalton Merz] außen vor lässt, die noch nie in eine Solidargemeinschaft eingezahlt haben – ganz im Gegenteil, sogar von ihr profitiert haben. Schaut man sich gezielt Berichte an, die sich mit den vermurksten Reformen im Gesundheits- und vor allem Pflegebereich auseinandersetzen, ist ein gemeinsamer Trend erkennbar: Stets wird gebetsmühlenhaft auf eine angespannte Haushaltslage hingewiesen. Liest man hingegen Berichte, die die Aufrüstung der Bundeswehr und die Verteidigung, aber auch die Subventionitis der E-Mobilität thematisieren, sucht man vergeblich nach dem Hinweis: »angespannte Haushaltslage«. Haben wir den Schuss noch nicht gehört? Welches Fazit zieht man aus dieser Art der Berichterstattung: Die Öffentlichkeit wird verar… Die Haushaltslage scheint ja demnach alles andere als katastrophal zu sein. Eher geht es doch um die gerechte Verteilung der vorhandenen Mittel im Bundeshaushalt. Und da liegt vieles im Argen. Wenn Politiker von einem Sondervermögen für die Bundeswehr herumschwafeln, wird dem Volk doch vorenthalten, worum es dabei eigentlich geht. Es werden stillschweigend Milliardenkredite aufgenommen, die künftige Generationen auf Heller und Pfennig zurückzuzahlen haben und damit in eine bereits vorgezeichnete Altersarmut rutschen werden. Was kümmert das Herrn Klingbeil und schon mal gar nicht Herrn Merz. Womöglich werden diese beiden Herren, wie auch viele andere Politiker, die für diese Entscheidungen verantwortlich zeichnen, längst in unserer friedlichen Erde ruhen.
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Joachim Seider aus Berlin 7. Juli 2026 um 10:55 UhrKredite sind Kredite. Und deren Rückzahlung ist nicht den künftigen Generationen allein überlassen. Die Rückzahlungsverpflichtung beginnt ab dem Datum der Inanspruchnahme, die Zinszahlung übrigens auch. »Geborgtes Geld ist teuer«, weiß der Volksmund. Genau deshalb wird ja heute schon gespart, dass die Schwarte kracht. Denn Gläubiger sind noch tausendmal ungeduldiger als das Volk, das sich da gerade ausrauben lässt.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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