Der Nachwuchs formiert sich
Von Max Grigutsch
Die Generation Deutschland baut ihre neuen-alten Strukturen fleißig weiter auf. Am Sonnabend hat die AfD-Jugendorganisation gleich zwei Ableger gegründet: in Sachsen und in Bremen. Damit sind inzwischen zehn Landesverbände formell konstituiert.
In Chemnitz wurde die Neugründung von Protest begleitet. Nach Zählungen der Polizei waren knapp 250 Menschen dem Aufruf des Bündnisses »Chemnitz nazifrei« gefolgt. Auf der Gründungsversammlung wurde unterdessen Lennard Scharpe zum sächsischen AfD-Jugendchef gewählt. Seine Kandidatur war bereits seit Dezember bekannt, seine Wahl galt als gesetzt. Der 24jährige Mediengestalter mit gestriegeltem Scheitel sitzt für die AfD im Bautzener Stadtrat und scheint sich für eine Politkarriere in Stellung zu bringen. Der Partei ist Scharpe nach eigenen Angaben 2020 beigetreten und hat seitdem verschiedene lokale Ämter innegehabt, so im Kreisvorstand Chemnitz oder im Regionalgruppenvorstand.
Wie die meisten Führungskader des neuen Nachwuchsverbandes war Scharpe bereits in der Vorgängerorganisation Junge Alternative aktiv, zuerst als Beisitzer, dann als Schatzmeister, schließlich als Landesvorsitzender, wie er auf dem Gründungskongress der Generation Deutschland am 29. November in Gießen ausgeführt hatte. Dort war der Anzugträger ohne Gegenkandidaten mit 92,5 Prozent der Stimmen zum Finanzbeauftragten gewählt worden. Bei seiner Bewerbungsrede warb er für den Aufbau einer »handlungsfähigen« Organisation, die in finanziellen Fragen auf »konstruktive Zusammenarbeit« mit der Mutterpartei setze. Auch für Spender und Förderer wolle er den Verband attraktiv machen, denn »eins ist ja klar: Deutschland braucht eine starke, heimatverbundene AfD-Jugendorganisation«.
»Wir sind Teil von etwas Größerem, sowohl historisch, aber natürlich auch politisch. Wir sind Teil einer wachsenden, patriotischen Bewegung, die in immer mehr Bereichen unsere Gesellschaft verändert«, trug Scharpe weiter vor. Er verwies auf die Aufgabe der Jugend, die vielen »Ideen« aus dem »Vorfeld« zusammenzutragen, um sie in »staatliches Handeln« zu übertragen. Welche Handlungsanweisungen ihm vorschweben, lässt sich herleiten. »Zu diesem Vorfeld gehört neben vielen anderen Akteuren die Identitäre Bewegung«, zitierte tagesschau.de Scharpe Ende November. Große Teile der AfD-Jugend verstehen die Organisation als Bindeglied zwischen der AfD und der außerparlamentarischen Rechten. Medienrecherchen zufolge ist Scharpe selbst in burschenschaftlichen Strukturen und Kampagnen der neuen Rechten aktiv.
Und wie die Vernetzung mit den rechten bis faschistischen Gestalten des »Vorfelds« aussehen könnte, zeigte sich beispielhaft an einer Zusammenkunft am 24. Januar im sachsen-anhaltinischen Schnellroda, über die Taz am Montag berichtete und bei der Journalisten des Medienkollektivs »Recherche Nord« angegriffen worden sein sollen. Bei der sogenannten Winterakademie des neurechten Antaios-Verlags von Götz Kubitschek sind demnach zahlreiche Vertreter der Generation Deutschland mit Personen aufeinandergetroffen, die verschiedenen Gruppierungen rund um die »Identitäre Bewegung« angehören. Neben Mitgliedern der rechten Frauenorganisation Lukreta und der schweizerischen »Jungen Tat« war auch der Faschist Martin Sellner vor Ort. Der Anführer der Identitären Bewegung Österreich war zuletzt zu mehreren Veranstaltungen mit der AfD eingeladen worden, etwa zu einer Podiumsdiskussion über sein »Remigrationskonzept« in Brandenburg oder zu einem Treffen mit der AfD-Fraktion im Thüringer Landtag. Dieser Internationalismus von rechts dürfte ganz im Sinne von Lennard Scharpe sein. Auf dem Kongress in Gießen hatte er das Ziel eines »geeinten Europas der Vaterländer« als eines seiner Herzensthemen benannt.
Auch in Bremen treibt die Generation Deutschland ihre Aufstellung voran. Die Gründungsversammlung wählte den bislang eher unbekannten Marcel Fetke zu ihrem Vorsitzenden. Als Stellvertreter des 21jährigen wurde Marvin Mergard gewählt, der außerdem im AfD-Landesvorstand ist. Mit der Gründung sei ein »weiterer Schritt im bundesweiten Aufbau der Organisation« getan worden, hieß es am Sonntag auf der Instagram-Seite der Bremer Generation Deutschland.
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