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Drama, Baby
Wenn so eine Schande aussieht, die Schande von Kansas, dann bitte. Österreich hat es geschafft, am Ende mit einem Lucky Punch, als es schon nach dem Aus aussah. In einem Spiel, das phasenweise was von Gijón hatte, aber auch Dramatik und unfassbar schöne Tore aufbot wie zuletzt das WM-Finale 2022, trennte sich das östliche Alpenland von Algerien mit 3:3.
Gesehen haben das Spiel in Wien mehr Leute als gedacht. Die einen haben durchgemacht in der heißesten Nacht, die Wien je erlebt hat – Stephansdom, Hitzedom, you name it –, die anderen haben sich den Wecker gestellt, um ab vier Uhr dabei zu sein. Es hat sich gelohnt. Absprachen und Ballgeschiebe gab es keine, höchstens eine Passivität, die dem Team von Ralf Rangnick beinahe Kopf und Kragen gekostet hätte. Dabei waren die Schwarz-Roten lange in der Führhand: Marko »Prolo« Arnautović schlitzohrte den Ball zum 1:0 an Torwart Oussama Benbout vorbei (28. Minute), Rafik Belghali, der nichts mit dem ähnlich lautenden Feuer zu tun hat, besorgte verdient den Ausgleich noch vor der Pause.
Nach der Pause war es Marcel Sabitzer, der einen Querpass von Konrad Laimer in den rechten Winkel nagelte (2:1), was Riyad Mahrez – Kicker-Note 1,0 – nicht auf sich sitzen lassen wollte: der erneute Ausgleich fast im Gegenzug. Und als alle dachten, so, wir schlafen uns jetzt dem Sechzehntelfinale entgegen, hier passiert nichts mehr, beendete Mahrez eine kleine Staffette mit einem Schlenzer ins Eck zum 3:2 für Algerien, dritte Minute der Nachspielzeit.
Dritte Minute von vieren, die angegeben waren. Es sah nach einem tragischen Aus aus, die Storys waren bereits geschrieben: Wie man so nachlässig werden konnte! Warum man nicht vorher versucht hat, den Deckel draufzuschrauben! War das die Rache für Gijón? Algerien ist eben nicht Deutschland, das sich mit Schiebung besser auskennt! Usw. usf.
Da machte Rangnick das, was ein Trainer schon 1954 gemacht hätte, nämlich einen Sturmtank aufs Feld werfen. Über Sabitzer kam der Ball noch mal nach links, weite Flanke vom Tor weg, Michael Gregoritsch im Stile von Horst Hrubesch dito 1982 mit einer Kopfballvorlage, und »Tausend-Saša« Kalajdžić donnert den Ball mit dem Kopf zum 3:3 in die Maschen. Ein Wahnsinn.
Die Reporter von Servus TV flippten völlig aus: Die WM kann endlich Drama! Und Österreich ist mal wieder dabei. Leidtragende waren diesmal nicht die Algerier, denen reichte ein Unentschieden, sondern ausgerechnet der Iran: Der war die berühmten königsblauen vier Minuten lang weiter und dann doch draußen. Austria jetzt gegen Spanien, o Felix Austria!
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