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Pop

Pop aus Lummerland

Klimpert schön: Aldous Hardings Album »Train on the Island«

Foto: Emma Wallbanks/4AD
Flucht nicht: Aldous Harding

Schade, man hätte sie gerne mal fluchen gehört. Aber diesen Job haben andere auf der letzten Platte der Sleaford Mods übernommen, allen voran natürlich Meister-Moaner Jason Williamson persönlich. Aldous Harding ist trotzdem eine Überraschung auf dem Album der Engländer, auf dem sie den Refrainhintergrund von »Elitist G.  O.  A.T.« singt.

Auf ihrem eigenen Werk »Train on the Island« wird natürlich nicht geflucht. Obwohl, möglich wäre auch das. In ihren Texten spart Harding, als Hannah Sian Topp beim Amt im heimischen Neuseeland gemeldet (wobei sich schon ihre Mutter Harding nannte, Lorina Harding, Folksängerin), durchaus nicht mit Abgründen, auch ihre irrlichternde Stimme zeugt davon. Mal tief, mal hoch, mal schmeichelnd, mal klagend. Sicher hat man so etwas Ähnliches schon mal gehört, schließlich ist 2026, und Popmusik zieht ihren x-ten Kreis um die Sonne, die Referenzen, die so genannt werden, sind Cat Power und sogar Kate Bush. Eingeweihten wie mir, haha, fallen auch Beispiele wie Julia Holter, Marissa Nadler oder, früher noch, Emily Haines ein: weibliche Seltsammusik, mit leichtem Gothic-Anteil, der sich bei Harding von Album zu Album immer weiter in Pop auflöst.

Besenschlagzeug, schräges Klimperklavier, komplexe Rhythmik, positiv konservative Instrumentierung. Hie und da wird es elektronisch, meist jedoch nicht. Sogar eine Harfe erklingt! Wie in »What Am I Gonna Do?«. John Parish, man kennt ihn von PJ Harvey, sitzt an den Reglern und gibt dem Ganzen Wohlklang, Ausgewogenheit. Vorherhörbar sind die Stücke trotz des poppigeren Appeals auf dem mittlerweile fünften Album immer noch nicht; und Hardings Stimme, die auch schon bei 36 Jahren steht, weist immer wieder neue Wendungen auf. Allzu persönlich darf es wohl nicht werden; bevor zu große Nähe entsteht, wird irgend etwas Verspultes wenn nicht gespielt, dann getextet. Das macht das Album natürlich interessant, man kann es durchlaufen lassen, man kann sich damit länger beschäftigen; langweilig wird es so schnell nicht.

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»Train on the Island« lässt einen auch an Lummerland denken, Schlummerland, eine in sich versunkene Insel, und an der Küste entlang um die ganze Insel herum fährt eine Bummelbahn, vielleicht ist auch Neuseeland gemeint, Hardings Heimat, die man sich so ähnlich vorstellt, keine Ahnung, ich war noch nie da. Höhepunkte gibt es zahlreiche auf dem Album, meine Favoriten sind der Opener »I Ate the Most«, eine Kindheitserinnerung, die nicht sofort eine Traumabewältigung sein muss; »Venus in the Zinnia« mit Gast H. Hawkline und das gleich im Anschluss anhebende »If Lady Does It«, aber das ist fast Geschmackssache; die ruhigeren Stücke, die mit klassischeren Folk-Elementen spielen wie »Coats«, das etwas Sixtieshaftes atmet und nicht weit von Bob Dylan oder Donovan entfernt ist, werden anderen mehr gefallen. Und bevor es zu cosy wird, wird eine Gruselorgel eingeschaltet.

Das Album ist schon ein wenig around, Aldous Harding gerade auf Tour. Ob sie auch in verschwitzten Hallen – es ist Hochsommer – die Kraft, die es braucht, entfalten wird, muss man sehen.

→ Aldous Harding: »Train on the Island« (4AD)

→ Konzerttermine: 23.6., Wien, Arena; 6.7., München, Muffathalle; 12.7., Köln, Tanzbrunnen

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Erschienen in der Ausgabe vom 23.06.2026, Seite 10, Feuilleton

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