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Quälix Austria

Chancenlos

Foto: Ulmer/Teamfoto/IMAGO
»Ihr habt mir viel zu oft / Auf die Schulter geklopft« – Tocotronic

Paradoxes Fußballgucken: Das Deutschlandspiel gegen die Elfenbeinküste, die politisch korrekt nicht mehr so heißen darf, gucke ich in der Stube eines niederösterreichischen Bauernhofs im ORF. Peter Stöger, FC-Fans und Anhänger des BVB haben unterschiedlich gute Erinnerungen, ist als Experte im Studio, dazu sitzen drei Damen am Pult. Die beiden Livekommentatoren gefallen sich in mittelguten Witzen. Die Dramatik des Spiels ist merklich gebremst: »die Deutschen« werden belehrt und bestaunt, aber immer sachgerecht.

Das Österreichspiel gegen Argentinien sehe ich im Wiener Wohnzimmer mit offener Balkontür in der ARD. Bastian Schweinsteiger und Esther Sedlaczek beflirten sich heftig vor laufender Kamera, man fragt sich, ob alles nur professionell gestellt ist. Die Rot-weiß-roten werden aufgemuntert, leicht belehrt und beschulterklopft, dass es weh tut. Die Dramatik des Spiels ist merklich gebremst. Witzigerweise kommt das Kabelsignal bei mir etwas eher an als das des ORF bei den Nachbarn, so schallen die Schreie für mich etwas zeitversetzt durch den Hof. Seltsamerweise sind auch Jubelschreie bei Messis Toren zu hören. Sind etwa Argentinien-Fans anwesend?

Österreich unter Ralf Rangnick, den ich für nicht schlecht, aber insgesamt überschätzt halte, so eine Art Tuchel-Vorläufer ohne das Manische, lässt spielen wie der SC Freiburg, wenn es gegen den FC Bayern geht (oje, selbst ich komme nur noch selten ohne Bayern-Vergleiche aus): taktisch gut eingestellt, bis ins letzte Glied diszipliniert, aber im Grunde bieder und daher chancenlos. Leo Messi braucht zwei, drei Momente, um das Spiel für die Albiceleste zu entscheiden. Österreich hat de facto keine einzige gute Torchance. Der SC Freiburg ist eine enorme Verbesserung gegenüber der Eintracht aus Braunschweig, mit der man Österreichs Nationalmannschaft vor Rangnick vergleichen konnte. Aber eigentlich würde man lieber den VfB Stuttgart sehen.

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Ein Wort noch zu Messi – es ist bisher eine WM der Unterschiedsspieler. Es scheint, als hätte man im argentinischen Trainingslager so einiges ausgeklügelt, um den »Goat« immer dann in Position bringen zu können, wenn es darauf ankommt. Man fragt sich, was Portugal mit CR7 macht? C. Ronaldo wirkt auch wegen der Spielweise seiner Mannschaft wie der ältere Wirt in der Thekenmannschaft, den man halt auch aufstellen muss. Vielleicht staubt er ja mal einen ab.

Österreich hat ein ähnliches Problem, der Ausfall von Christoph Baumgartner macht sich bemerkbar. Marko Arnautović ist auch eher der alternde Sturmtank; Michael Gregoritsch, der diesmal beginnen durfte, hing nicht ganz so in der Luft wie vorher Saša Kalajdžić, ist aber eben ein Freiburger Fleißspieler: Nichts, was einer ordentlichen Abwehr Angst machen könnte. Mal sehen, wie es im letzten Spiel gegen Algerien läuft. Obwohl, das ist ja schon um vier Uhr.

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Erschienen in der Ausgabe vom 24.06.2026, Seite 16, Sport

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