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Worauf waren die Menschen so wütend?
Kenia: Mit dem für US-Amerikaner gebauten Ebolazentrum hat die Regierung die Bevölkerung übergangen, sagt John Murigi Maigua
Anfang Juni gab es im kenianischen Nanyuki heftige Proteste gegen ein geplantes und mittlerweile auf Eis gelegtes Ebolaquarantänezentrum für US-Amerikaner. Worauf waren die Menschen so wütend?
Das Zentrum ist gedacht gewesen für US-Bürger, die wegen eines Aufenthaltes in den Risikogebieten im Kongo oder Uganda möglicherweise dem Ebolavirus ausgesetzt waren. Sie sollten hier bei uns auf dem Gelände der Luftwaffenbasis untergebracht werden. Wir haben sofort Alarm geschlagen und wollten mit den Protesten klarstellen, dass wir so eine Einrichtung nicht in unserer Region haben wollen. Bei Ebola handelt es sich um eine äußerst gefährliche und tödliche Krankheit. Vor der Bekanntgabe des Bauvorhabens gab es keinerlei Beteiligung der örtlichen Gemeinschaft an der Entscheidung und daher haben wir uns dagegen gewehrt.
Kenias Präsident William Ruto hat die Einrichtung als humanitäres Projekt verteidigt. Es wäre ihm zufolge »unmenschlich«, wenn Kenia den USA nicht gestatten würde, auf seinem Territorium ein solches Zentrum zu errichten. Was denken Sie, wenn Sie so etwas hören?
Wenn wir das Projekt von einem humanitären Standpunkt aus betrachten sollen, dann stellen wir die Frage: Was ist mit den Menschen, die hier leben? Ist ihr Leben weniger wert? Die meisten Menschen hier kennen weder die Krankheit noch ihre Symptome ausreichend, um sie zu identifizieren. Diese Krankheit ist unheimlich tödlich, wenn sie sich einmal in einer Gemeinschaft verbreitet. Es geht hier gar nicht um die große Politik, sondern um eine Gemeinschaft, die auf die Straße geht, um für ihre grundlegenden Rechte und ihre Gesundheit zu kämpfen. Die Menschen versuchen, sich ihre Macht zurückzunehmen.
Viele Protestierende kritisierten das Projekt auch als Ausdruck eines wachsenden US-amerikanischen Einflusses in Kenia. Wie betrachten Sie die Präsenz der USA und ihrer Armee im Land?
Wenn Sie mich fragen, handelt es sich bei dem, was sich hier abspielt, um eine neue Form der Kolonisierung. Kenia entwickelt sich zurück in eine Kolonie, denn wir haben einen äußerst schwachen Präsidenten. Anstatt seinem Volk und dem ganzen Land zu helfen, denkt er nur an eine einzige Person – an sich selbst. Nicht nur die US-Präsenz, sondern auch die zahlreichen britischen Basen und zuletzt Dinge wie der Bau der Quarantäneeinrichtung sind der klare Beweis dafür, dass Kenia noch immer nicht vollständig unabhängig ist.
Die Repression gegen die Proteste fiel harsch aus. Es wurde von Toten und Verletzten berichtet. Wie bewerten Sie das Vorgehen der Behörden?
Die Regierung versucht, die Menschen einzuschüchtern. Wenn du Angst in die Herzen der Menschen säen kannst, werden sie zu Sklaven. Die Polizei geht mit Tränengas und scharfer Munition gegen die Proteste vor, damit die normalen Bürger sich nicht mehr trauen, auf die Straße zu gehen. Allein während der jüngsten Proteste wurden an einem Tag zwei junge Männer durch Polizeikugeln ermordet. Ein Schüler von nur 17 Jahren erlitt an einem weiteren Tag einen Kopfschuss direkt in die Stirn. Ich wurde verhaftet, geschlagen und mein Telefon wurde beschlagnahmt. Viele Menschen sind weiterhin im Krankenhaus oder erholen sich, so wie ich, zu Hause.
Kenia hat schon einmal mehrere Jahrzehnte Diktatur erlebt. Gibt es im Hinblick auf den Kurs der Regierung und das Vorgehen gegen die Opposition Bedenken, das Land könnte sich zurück in diese dunkle Zeit entwickeln. Teilen Sie solche Befürchtungen?
Die Tendenz geht zumindest klar in diese Richtung. Das Verhalten des Präsidenten gleicht einer Ein-Mann-Show. Der Vorteil, den wir heute haben, ist, dass wir über eine Generation sehr gebildeter junger Menschen verfügen. Unsere Eltern hatten Angst und waren an die Verhältnisse gewöhnt, weil es gängige Praxis war, dass die Polizei die Gemeinschaften einschüchtert. Aber heute können wir sagen: Komme, was wolle, wir werden ein Zurück in diese Zeit nicht zulassen.
Was erwarten Sie für die Zukunft? Werden die Proteste weitergehen?
Die haben gerade erst begonnen. Vor wenigen Tagen wurde nun auch die neue Haushaltsvorlage in das Parlament eingebracht. Die Steuern sollen weiter erhöht werden – trotz der finanziellen Instabilität. Das wird weitere Proteste auslösen. Die Regierung wird auf die eine oder andere Art vom Militär Gebrauch machen. Doch die Menschen haben genug von dieser Regierung. Wir werden alles tun, um sie zu Fall zu bringen. Die Verfassung sieht vor, dass die Macht in diesem Land vom Volke ausgehen soll. Die Menschen werden sich in diesem Jahr die Macht zurückholen.
John Murigi Maigua ist Menschenrechtsaktivist und Umweltschützer in Nanyuki, der Hauptstadt der Region Laikipia. Er beteiligte sich an den Protesten gegen die Errichtung eines Ebolaquarantänezentrums für US-Amerikaner auf einer Luftwaffenbasis der kenianischen Streitkräfte
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