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Nkrumah sagt nein
Schlaglichter auf die Geschichte der Fußball-WM (Teil 2)
→ Alles schon mal gehabt? Die Fußball-WM im Zeichen globaler Konfrontationen? Nord–Süd, Ost–West? Ein Rückblick.
WM-Qualifikationen, die die globale Ordnung spiegeln, gab es vor allem in den 1950ern bis ’70ern. Jene für »Schweden ’58« stand im Zeichen von Spielabsagen. Die größten Kapriolen schlug die Afrika/Asien-Quali, die Israel ohne Spiel gewann und deren einer WM-Platz schließlich, ja: an Wales ging. Schuld war der Suezkrieg. Ende Oktober 1956 hatten Israel, Großbritannien und Frankreich Ägypten angegriffen. Indonesien bestand im Halbfinale gegen Israel auf einem neutralen Ort, die Partie platzte. Die Türkei war im Viertelfinale gar nicht erst angetreten – wie auch der Sudan im Finale. Doch ganz ohne Qualispiel kein WM-Ticket, so die FIFA statutengerecht. Israel musste gegen Wales ran – und zog den Kürzeren (0:2, 0:2).
Derweil weigerte sich Taiwan, gegen Indonesien anzutreten: In der Frage von Kolonialismus und Antikolonialismus stand man auf anderen Seiten. Und im August 1957 gewann, richtig: Curaçao gegen Guatemala am grünen Tisch. »Der von den USA gestützte Chef der Militärregierung, Carlos Castillo Armas, war ermordet worden, und die Fußballer erhielten keine Ausreisegenehmigung«, so eine WM-Chronik. Castillo Armas, ausgebildet in Kansas (USA), hatte nach dem Putsch von 1954 bis zu 5.000 Oppositionelle hinrichten lassen, brach Agrarreform und Alphabetisierungskampagnen ab.
Bei der WM stürmte Frankreich mit 13 Treffern des aus Französisch-Marokko stammenden Just »Justo« Fontaine unter die letzten vier. Und das ohne den Virtuosen Rachid Mekhloufi, der kurz vor der WM in antikolonialem Auftrag getürmt war, um während des Algerienkriegs die FLN-nahe Unabhängigkeitself zu unterstützen. Im Halbfinale war für die Équipe Tricolore Endstation, es ging ein anderer Stern auf: der des 17jährigen Afro-Brasilianers Edson Arantes do Nascimento, kurz: Pelé, der im Halbfinale und Finale (jeweils 5:2) insgesamt fünf Treffer markierte. 1962 in Chile und 1970 in Mexiko, im Sombrero auf Schultern getragen, folgten der zweite und dritte Streich von »O Rei«, dem »König« des Fußballs.
»England ’66« war mehr als der historische 4:2-Sieg (n. V.) des Gastgebers über die DFB-Auswahl im Finale. Der afrikanische Kontinent begehrte auf, kämpfte um seine Unabhängigkeit. Man bestand auf einem festen WM-Platz, der bis dahin in Playoffs gegen Asien ausgespielt worden war. Die FIFA blieb stur, ihr Präsident Sir Stanley Rous stand ganz in der Tradition des britischen Kolonialismus. So kam es in der Quali zum panafrikanischen Boykott, der auf Kwame Nkrumah, Autor des Werks »Neo-Colonialism, the Last Stage of Imperialism« (1965) und erster Präsident Ghanas, zurückging.
In der Asien/Ozeanien-Gruppe hatte man Südafrika mit untergebracht, das apartheidsbedingt dann doch suspendiert wurde. Nach dem Rückzug von Südkorea waren’s nur noch zwei: Australien blieb gegen Nordkorea chancenlos (1:6, 1:3). Bei der WM selbst schickten die Mannen von Trainer Myung Rhee Hyun das große Italien mit 1:0 nach Hause – in Middlesbrough standen die englischen Fans hinter ihnen. Im Viertelfinale gegen Portugal (3:5) bahnte sich nach einer 3:0-Führung die nächste Sensation an. Doch dann machte Eusébio mit vier Treffern ernst. Er stammte aus Portugiesisch-Ostafrika, immerhin stellte Afrika den Torschützenkönig.
Sodann »Mexiko 1970«: Im Halbfinale das »Jahrhundertspiel« Italien–BRD (4:3 n. V.); im Finale, geleitet von Schiedsrichter Rudi Glöckner (DDR), ein Brasilien, das eine »neue Dimension des Fußballs« (The Times) eröffnete. Doch zuvor einmal mehr die Quali: Das mit Südafrika verbündete Rhodesien war nach Asien verbannt; Brasilien, seit 1964 Militärdiktatur, spielte unter einem mutmaßlich kommunistischen Trainer; El Salvador und Honduras lieferten sich, beide von den USA militärisch ausgerüstet, einen »Fußballkrieg«, für den der Fußball nichts konnte.
Die Quali für die WM ’74 schoss schließlich den Vogel ab: In einem interkontinentalen Playoff hatten sich die Sowjetunion und Chile im »W.-I.-Lenin-Zentralstadion« mit 0:0 getrennt, im November 1973 stand das Rückspiel an. Der Gastgeber bestand als Spielort auf jenem Nationalstadion, das seit dem Militärputsch von September als Internierungslager gedient hatte. Die UdSSR weigerte sich, dort anzutreten. Doch eine Delegation unter Leitung des Schweizer FIFA-Generalsekretärs Helmut Käser, empfangen von einem Oberst des chilenischen Geheimdienstes, begutachtete das Stadion. Der Weltverband gab grünes Licht. Und so machten elf Chilenen ohne Gegner schnell das 1:0. Und bei der WM? Unter dem Motto »Chile Sí, Junta No« gab es Solidaritätsaktionen im Berliner Olympiastadion, drei Flitzer schafften es mit Banner auf den Rasen. Ein Vorgeschmack auf die »Fußball ja, Folter nein«-Kampagne zur kommenden WM in Argentinien.
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