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Das Monster
Schlaglichter auf die Geschichte der Fußball-WM (Teil 4)
→ Alles schon mal gehabt? Eine WM in den USA? Der Fußball auf dem Altar des Kommerzes? Ein Rückblick.
Von einer »WM der VIPs« sollte Frankreichs Torwart Fabien Barthez beim Heimturnier 1998 sprechen. »Wie ein Begräbnis«, ergänzte Didier Deschamps, damaliger Kapitän der »Equipe«. Denn die »meisten der Fans, die uns lieben, konnten es sich nicht leisten, eine Eintrittskarte zu kaufen«. Jene, »die in ihren Anzügen und Krawatten im Stadion auftauchen, um Trübsal zu blasen«, hätten »dort nichts verloren«. Die Ticketpolitik taugte in vielerlei Hinsicht zum Skandal. Eine Tochterfirma des FIFA-Marketingpartners ISL geriet ins Visier der Ermittlungsbehörden. Und warum hatte sich Superstar Ronaldo kurz vor dem Finale im Krankenhaus für spielunfähig erklärt, gegen Frankreich (0:3) dann aber doch 90 Minuten lang über den Rasen geschleppt? Regierte der Sportartikelhersteller Nike in die Aufstellung hinein? Hinweise darauf hatten sich schon verdichtet, bevor der brasilianische Nationalkongress einen Untersuchungsausschuss anstrengte.
1998 hatte die Kommerzialisierung des Weltfußballs längst Fahrt aufgenommen. »Als ich Präsident wurde«, so João Havelange, FIFA-Chef von 1974 bis ’98, seien »kaum 20 Dollar in der Kasse gewesen. Wenn ich das Feld räume, werden es gut vier Milliarden sein.« Er baute die Beziehungen zu Adidas aus, und »Mr. Dassler« habe ihm »die Tür zu Coca-Cola geöffnet«. Die neoliberale Wende der 1970er Jahre bildete sich, leicht verzögert, im Weltfußball ab. Die Vermarktung von TV-Rechten nahm ungeahnte Dimensionen an, bei der WM ’86 war der Konzern Televisa das Faustpfand für die Vergabe nach Mexiko. »Meine Kehle ist wie ausgedörrt«, kommentierte DFB-Keeper Harald »Toni« Schumacher die Anstoßzeiten zur Mittagsstunde, zur besten mitteleuropäischen Sendezeit. »Schon gut, esst euren teuren Kaviar und trinkt den besten Schampus, aber wir wollen versuchen, den Leuten eine gute Show zu bieten, ohne uns dabei umzubringen«, so Maradona in Richtung klimatisierter FIFA-Lounges.
Mit dem Durchbruch des Westens öffneten sich auch für die FIFA die Schleusen: »Italia ’90« stand für Fußball als Konsumgut einer globalen Unterhaltungsindustrie. Nach dem 1:0-Finalsieg über Argentinien durfte eine politisch noch siegestrunkene BRD ihre Mannen am Brandenburger Tor als Weltmeister feiern.
Mit der FIFA-Präsidentschaft von Josef Blatter (1998–2016) drehte sich das Rad nur noch schneller, Korruptionsskandale eingepreist. Eines Tages habe Havelange ihm gesagt: »Sepp, du hast ein Monster geschaffen«, das »fast nicht mehr kontrollierbar« sei. Als Gianni Infantino 2016 übernahm, da zeigte sich: Ein finanzmarktgetriebener Kapitalismus spiegelte sich nun auch im Weltfußball. Angebrochen war die Ära eines neofeudal geführten Verbands, gleichsam im langen Schatten des Patriarchen Sir Stanley Rous, FIFA-Präsident von 1961 bis 1974.
Ein Meilenstein der Kommerzialisierung war »USA ’94«: die WM als »hochgeschminktes, aalglattes Show-Event«, so der Chronist Florian Kinast. Topsponsoren wie Coca-Cola, Mastercard oder McDonald’s hinterlegten zweistellige Millionenbeträge. Immerhin: Hispanics wurden nicht von ICE-Einheiten, sondern von Marketingagenturen als Zielgruppe entdeckt. Als sich Brasilien im Finale schmucklos gegen Italien durchsetzte (0:0 n. V., 3:2 i. E.), hatte sich die WM längst ausgezahlt.
Ins Bild passte: Gleich nach der Partie Argentinien–Nigeria (2:1) wurde Maradona medienwirksam zur Dopingprobe geführt. Kurz darauf wurden in der indischen Region Westbengalen, so die Zeitschrift Sport in Society, »Figuren von FIFA-Offiziellen verbrannt, viele öffentliche Busse mit Slogans wie ›Lang lebe Maradona‹ oder ›Maradona, wir sind bei dir‹ bemalt«. In Bangladesch »fand eine fast 20.000köpfige Demonstration statt, auf der skandiert wurde: ›Dhaka wird brennen, wenn Maradona nicht spielen darf.‹« Auch am Río de la Plata ging man mehrheitlich davon aus, Maradona sei gezielt aus dem Spiel genommen worden. Um zu verhindern, so die argentinische Zeitung Nuestra Propuesta, dass er bei einem Triumph »den WM-Pokal … Fidel Castro widmen« würde, den er zuletzt 1993 besucht hatte. Die These ist kaum zu beweisen, ein Schlüssel könnte bei Maradonas kurzfristig engagiertem Ernährungsberater Daniel Cerrini liegen: ein Hochstapler, der laut dem Leiter der Nationalen Sportklinik Argentiniens bereits in einen positiven Dopingtest im Bodybuildingbereich verwickelt war. Im Jahr 2000 wird Maradona auf einer FIFA-Gala die Trophäe zum »Fußballer des Jahrhunderts« vor der Weltpresse dem »argentinischen und kubanischen Volk« sowie »Fidel Castro und Che Guevara« widmen.
Und was wurde aus Alexi Lalas, der 1994 für die »Soccer Boys« auflief? Langer Schopf, markanter Kinnbart, als Freigeist gefeiert. Bei der WM ’26 läuft der einstige Rockstar des US-Fußballs als adretter Experte bei Fox Sports heiß. Und feierte auf X, was Trump »zur Bewältigung der illegalen Einwanderung getan« habe. Die einst hippieske Techbranche lässt grüßen.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.
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