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Aus: Marx in Afrika, Beilage der jW vom 18.02.2026
Marx in Afrika

Der schwarze Lenin

Ghanas erster Staatschef Kwame Nkrumah kämpfte unermüdlich für den afrikanischen Sozialismus und die Einheit des Kontinents
Von Joaquín Mbomío Bacheng
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Kwame Nkrumah ist einer der am meisten zitierten politischen Vordenker nicht nur in Afrika, sondern weltweit. Er wurde 1909 geboren und starb 1972. Als Kind des 20. Jahrhunderts erlebte er die großen Umwälzungen seiner Zeit hautnah mit, insbesondere die durch Karl Marx angestoßenen Revolutionen und den Marxismus. Dieser war ein Erdbeben in der Weltgeschichte, das alles auf seinem Weg erschütterte und das Denken veränderte. Der historische Materialismus machte den Menschen zum alleinigen Herrn seines Schicksals. Der Marxismus war ein mächtiger Hebel. Als vorzüglichstes Instrument einer Globalisierung, die von Nord nach Süd und von Ost nach West allen Menschen zugute kommt, vereinte der Marxismus die Menschen, verbrüderte ferne Völker und verbreitete eine universelle Botschaft der Freiheit. Überall hat der Marxismus die Menschen aus ihrer Schicksalshaftigkeit und Knechtschaft befreit. Diese revolutionäre Bewegung gab Hoffnung, das Versprechen einer neuen Welt, die es noch zu errichten und aufzubauen gilt.

Kwame Nkrumah wurde in diese neue Welt hineingeboren, marxistisch, revolutionär und befreiend. Er schloss sich mit Talent und Phantasie dieser Bewegung an. Manche nennen ihn den »schwarzen Lenin«, da er wie der russische Revolutionär in einem Land der Leibeigenen und Bauern, das wenig oder gar nicht industrialisiert war, die Massen für den Wandel mobilisieren konnte. Die gleiche Leistung, wenn man die Verhältnisse berücksichtigt, vollbrachte der Ghanaer, indem er das angestammte traditionelle Afrika unter der Kolonialherrschaft zu einem revolutionären Kontinent machte, der seine Befreiung und Teilnahme am großen menschlichen Abenteuer des 20. Jahrhunderts forderte: dem Marxismus.

Sozialismus und Antikolonialismus

Genau wie Lenin in Russland gelang es Nkrumah mit Inspiration und einer neuen Vision, das marxistische Credo zu nutzen, um ein Klassenbewusstsein zu schaffen – nicht nur ein Bewusstsein des Volkes, das eine bereits existierende traditionelle Realität war, sondern das Bewusstsein einer Nation, eine Neuheit in Afrika. Denn die Nation erfordert ein solideres Fundament: den Staat. Als Gründer des unabhängigen Ghana rief der Visionär Nkrumah unermüdlich zur Bildung einer afrikanischen Einheit auf: der »Vereinigten Staaten von Afrika«. Er war auch der erste, der die vielfältigen Manöver der Kolonialisten anprangerte, die den afrikanischen Kontinent daran hinderten, sich zu emanzipieren. So ist Nkrumah auch der Vater der Theorie des Neokolonialismus, die heute in Afrika aktueller denn je ist. Als Vater des Panafrikanismus und des afrikanischen Sozialismus schuf Nkrumah eine Denkrichtung, die in ganz Afrika Nachahmer mit prominenten Namen fand, die wie sein eigener bis heute nachklingen: Patrice Lumumba in Kongo-Kinshasa, Amílcar Cabral in Guinea-Bissau, Samora Machel in Mosambik, Jomo Kenyatta in Kenia, Julius Nyerere in Tansania, Kenneth Kaunda in Sambia, Robert Mugabe in Simbabwe, Agostinho Neto in Angola, Thomas Sankara in Burkina Faso und viele andere afrikanische Führer, die sich von seinem antikolonialistischen, revolutionären und panafrikanischen Denken inspirieren ließen. In Afrika ist Kwame Nkrumah noch immer im Gedächtnis aller Afrikaner präsent, seine Botschaft ist nach wie vor aktuell und verbreitet sich auf allen Wegen und in allen Dörfern des schwarzen Kontinents, selbst den entlegensten.

Kwame Nkrumah wurde am 21. September 1909 im Dorf Nkroful im Südwesten der britischen Kolonie Gold Coast geboren, die 1957 nach der Unabhängigkeit in Ghana umbenannt wurde. Er entstammte einfachen Verhältnissen und einer traditionellen Familie und wurde an einer katholischen Schule unterrichtet. 1935 ging er mit Hilfe eines Bekannten in die USA und begann ein Studium an der Lincoln University, der ältesten Hochschule für Schwarze in den USA. Dort erwarb er einen Master in Wirtschaft und Theologie und später einen weiteren Abschluss in Philosophie und Pädagogik. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach London und absolvierte eine zweijährige Ausbildung an der London School of Economics and Political Science.

Blockfreie Bewegung

1945 nahm Nkrumah am Fünften Panafrikanischen Kongress in Manchester unter der Leitung von W. E. B. Du Bois teil. 1947 kehrte er in sein Heimatland Gold Coast zurück und gründete 1949 seine Partei, die Convention People’s Party (CPP). Im Jahr 1950 wird er im Rahmen der reaktionären Unterdrückung seitens der britischen Kolonialmacht angesichts der sozialen und politischen Forderungen, die im Land erhoben werden, inhaftiert. Die Wahlen von 1951 bringen den Sieg der CPP von Nkrumah. Er wird freigelassen und zur Teilnahme an der Regierung aufgefordert, die das Land unter dem neuen Namen Ghana in die Unabhängigkeit führen wird. Er kommt nach einem demokratischen Wahlprozess an die Macht, der dem neu entstandenen afrikanischen Land die Souveränität verleiht. Dies war die Krönung von Kwame Nkrumah als unangefochtener Führer und Theoretiker des neuen Afrikas. In dieser Eigenschaft wurde er von den Briten und US-Amerikanern bekämpft, bis er 1966 während einer Reise nach China durch einen Staatsstreich gestürzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der panafrikanische Führer gerade dabei, einen dritten Weg für die Länder der sogenannten dritten Welt zu entwickeln. In Afrika führt Nkrumah die Politik der Blockfreiheit ein. Er befürwortet die Neutralität der afrikanischen Länder im Ost-West-Konflikt zwischen den beiden Blöcken. Zusammen mit dem Marschall Josip Tito aus Jugoslawien und anderen Führern der dritten Welt stand er hinter der Bewegung der blockfreien Staaten.

Kwame Nkrumah, der seit 1966 im Exil in Conakry in Guinea lebte, starb am 27. April 1972 in einem Krankenhaus in Bukarest an Krebs. Sein Werk, der Panafrikanismus und der afrikanische Sozialismus, wird heute von fast allen jungen schwarzen Führern des Kontinents weitergeführt. Die Rebellen der Sahelzone, Assimi Goïta aus Mali, Ibrahim Traoré aus Burkina Faso und Abdourahamane Tchiani aus Niger, diese drei Präsidenten schwören auf Nkrumah. Der Marxismus bleibt in Afrika dank des vorausschauenden und missionarischen Wirkens von Kwame Nkrumah weiterhin aktuell.

Joaquín Mbomío ­Bacheng ist Schrift­steller und Journalist aus Äquatorialguinea

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