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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: ZUMA Press/imago/Montage jW

Militär in den Schulen

→ Zu jW vom 9.6.: »Krieg macht Schule«

»Kriegstüchtig werden« ist der Wahlspruch oder das Vorhaben des Bundesministers für Verteidigung. Da aber inzwischen mehrere erfolgreiche Schulstreiks gegen die Wehrpflicht gezeigt haben, dass Jugendliche sich zu diesem Thema auch bei den Klassikern Marx, Lenin sowie Bert Brecht informieren, müssen seitens der Regierung wohl stärkere Geschütze aufgefahren werden. So wurde still und leise, noch von wenigen Bürgern beachtet, eine Kooperationsvereinbarung zwischen Bundeswehr und dem Land Berlin unterzeichnet, nach der junge Bundeswehr-Offiziere an Schulen eingesetzt werden sollen, angeblich nicht mit dem Ziel, für Kriegstüchtigkeit zu werben, sondern zur »Vermittlung und Erörterung von sicherheitspolitischen Informationen«.

Gleichzeitig erschienen in den Medien Bilder von Bundeswehr-Soldaten in Kampfuniform, die in Litauen (!) »Kriegseinsatz« üben. Wer da keine Verbindung zwischen dem Auftrag der Bundeswehr an Schulen und der Kriegstüchtigkeit in der Realität sieht, kann eines Tages vielleicht eine böse Überraschung erleben. Dass besonders Informationen zum sogenannten Dienst mit der Waffe Schüler aus weniger wohlhabenden Familien ansprechen sollen, ist kein Geheimnis. Alles vollzieht sich angeblich im Rahmen von Bildung. Doch um die ist es gerade in den heutigen bundesdeutschen Lehranstalten nicht gut bestellt: Lehrermangel, viele Schulabbrecher, heruntergekommene Schulgebäude usw.

Und was passiert im Unterricht? Ein Vater aus Hessen beklagte sich, dass sein achtjähriger Sohn im Unterricht mit Kriegsgeschehen konfrontiert wurde, auch mit Bildern, die unverständlich und traumatisierend wirkten. In der Oberstufe der Gymnasien vermisst man Antikriegsfilme wie »Der Untertan« von Heinrich Mann, den berühmten Defa-Film »Ich war neunzehn« von Konrad Wolf. Auch der Film über Rosa Luxemburg von Margarethe von Trotta hat, wenn ich ihn im Ethikunterricht zeigte, großes Interesse und viele Diskussionen hervorgerufen. Unsere Schüler brauchen kein Militär, um sich friedenspolitisch zu bilden!

Eva Ruppert, Bad Homburg

»Es fehlt an fast allem«

→ Zu jW vom 16.6.: »Die Herkunft zählt«

Bildung sichert den Aufstieg im Beruf, den Arbeitsplatz und ein gutes Leben. Dieses Versprechen kann unser Bildungssystem längst nicht mehr einlösen. Der Bildungsbericht 2026 liefert keine neuen Erkenntnisse, von der Kita bis zur Uni bzw. Berufsausbildung, es fehlt an fast allem, z. B. an der digitalen, pädagogischen und sozialen Kompetenz. Eine Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen beginnt bereits mit der Geburt und dem Elternhaus, nicht mit Privatschulen und Nachhilfeunterricht. Geld ist genug da – fünf Prozent des BIP für Militärausgaben –, das sind Milliarden Euro, die dem Bildungssystem verwehrt werden. (…)

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Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

WM-Ablenkung

→ Zu jW vom 13.6.: »Aus Leserbriefen an die Redaktion«

Ich stimme der jW-Leserin Margitta Mattner und ihrem Brief, der in der Ausgabe vom 13./14. Juni abgedruckt worden ist, wieder einmal zu. Auch ich frage mich, wieviel Kriegstreiberei, Arbeits- und Obdachlosigkeit, Armut etc. wir uns noch gefallen lassen wollen. Aber jetzt ist ja endlich wieder Fußball-WM. Da sind für viele Menschen in dieser größtenteils entpolitisierten BRD-Gesellschaft sämtliche Probleme vorerst einmal vergessen, und die Regierung kann ihr »Reformpaket« seelenruhig nach und nach umsetzen.

Joachim Becker, per E-Mail

Unrechtsstaat BRD

→ Zu jW vom 9.6.: »Zitat des Tages«

Bei der Vorstellung ihres Berichts warnte die brandenburgische Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke vor dem Erstarken nostalgischer Gefühle, mit denen das Leben in der DDR immer positiver gesehen und bewertet wird, je weiter die Zeit voranschreitet. Diese Gefühle nehmen aber gar nicht zu, sondern die wachsende Erkenntnis, dass die DDR der bessere deutsche Staat war. Als neue Bundesbürger haben sie lange Zeit gehabt, zu vergleichen und immer besser zu erkennen, was sie mit der DDR verloren haben.

Bundesdeutsche Politik und ihre Medien vermitteln dem Volk seit jeher, in der denkbar besten Demokratie zu leben. Aber die Bundesbürger leben in einer bürgerlich-liberalen, einer kapitalistischen Demokratie, in der sie nicht entscheiden können, ob im Jahr 2026 neue, modernisierte US-amerikanische Atomraketen in Deutschland stationiert werden und ob sie kriegsbereit gegen ein angeblich immer aggressiveres Russland werden wollen.

Diese kapitalistische Demokratie wird auch von der altgewordenen Antikommunistin Maria Nooke verteidigt. Sie kann nicht erfassen, dass in der Diktatur des Proletariats der DDR bereits grundlegende Elemente einer echten, einer direkten Demokratie funktionierten, in der die Volksvertreter in der Volkskammer Gesetze verabschiedeten, die nicht den Interessen einer besitzenden Minderheit, sondern denen der Mehrheit des Volkes dienten. Es war noch eine unvollendete sozialistische Demokratie, in der es im Gegensatz zur bundesdeutschen keine Reichen gab, die immer reicher, und keine Armen, die immer ärmer wurden.

In der DDR wurde nach 1945 der Kapitalismus abgeschafft. Man kannte seine Verbrechen in Ost und West. Für eine sozialistische deutsche Zukunftsgesellschaft gab es keine Blaupause. Bei ihrem Aufbau wurden nicht nur Fehler gemacht. Es gab auch Unrecht. Niemand wird das ernsthaft bezweifeln. Das größte Unrecht nach 1945 in Deutschland begann mit der Spaltung Deutschlands, mit der Gründung des Separatstaates BRD (1949), mit ihrer Wiederbewaffnung und ihrem NATO-Beitritt. Ihren Höhepunkt erreicht das BRD-Unrecht mit ihrer Teilnahme am völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien und mit der Unterstützung des Völkermords an den Palästinensern. Auch im Unrecht gibt es qualitative Unterschiede. Von Brecht stammt die Aussage: »Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« (…)

Gerhard Ferchland, Ahrensfelde

Das größte Unrecht nach 1945 in Deutschland begann mit der Spaltung Deutschlands, mit der Gründung des Separatstaates BRD, mit ihrer Wiederbewaffnung und ihrem NATO-Beitritt.

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Erschienen in der Ausgabe vom 18.06.2026, Seite 14, Leserbriefe

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