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Radsport

Bis zum letzten Meter

(Fast) alles klar und trotzdem spannend: Die letzte Woche der 113. Tour de France

Foto: Maximilian Fries/Red Bull Content Pool/REUTERS
Starkes Rennen, starke Bilder: Hier von der zweiten Etappe (5.7.2026)

Das Gelbe Trikot war längst vergeben, trotzdem bot die letzte Rennwoche der 113. Tour de France noch einmal reichlich Spannung. Die verdankte sich unter anderem dem Kampf ums Bergtrikot, den Richard Carapaz (EF Education – ­EasyPost) und Valentin Paret-Peintre (Soudal Quick-Step) bis zum Sonnabend ausfochten. Der 33jährige Ecuadorianer sammelte an den ersten Anstiegen der Königsetappe schließlich die Punkte, die für den Sieg in der Sonderwertung des besten Kletterers noch fehlten. Dabei hatte er, bevor sein französischer Konkurrent entkräftet aus der Fluchtgruppe zurückfiel, seinerseits viel Kraft investiert. Deshalb war zu befürchten, dass er den Tageserfolg ebenso verpassen würde wie am Vortag, als ­Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) in Alpe d’Huez seinen fünften Etappensieg feierte. Zu den drei Ausreißern, die sich belauert hatten, bis sie allesamt geschlagen waren, hatte neben Carapaz auch Sepp Kuss (Team Visma – Lease a Bike) gehört, der tags darauf denselben legendären Zielort als solo Führender von der anderen Bergseite ansteuerte. Dabei rutschte der US-Amerikaner, bevor der im Vergleich zum Freitag wesentlich kürzere und einfachere Schlussanstieg begann, auf einer Abfahrt aus der Kurve. So konnte Carapaz vorbeiziehen und seinen zweiten Etappenerfolg einstreichen, nachdem er schon am Donnerstag auf einer vergleichsweise harmlosen Alpenetappe im Alleingang triumphiert hatte – wobei er dem 2024 erstmals gewonnenen maillot à pois zunächst sichtlich nachgeordnete Bedeutung beimaß.

Mads Pedersen (Lidl – Trek) hatte dagegen nur die Punktewertung im Sinn, als er am Sonnabend kurz hinter Carapaz über einen Alpenpass fuhr, der so schwer war, dass er hors catégorie eingestuft war. Die heroische Anstrengung ermöglichte es dem 30jährigen Dänen, sich bei dem im Tal folgenden Zwischensprint das Grüne Trikot zu sichern. Zum selben Zweck war der Allrounder, der seine Kletterfähigkeiten noch einmal verbessert hat, an beiden Vortagen bereits Ausreißern über Berge der ­Kategorie eins gefolgt, um ungestört von schnelleren Männern die jeweiligen Zwischensprints gewinnen zu können. Am Mittwoch war diese Taktik freilich nach hinten losgegangen, da Pedersen zwar den Zwischensprint gewonnen, aber mit seiner Eskapade bessere Sprinter dazu animiert hatte, ihm in einer weiteren Ausreißergruppe zu folgen. Deren Aufschließen ermöglichte es Jasper Philipsen (­Alpecin – Premier Tech), endlich einen Etappensieg zu erzielen und vorübergehend bis auf sieben Punkte an das Grüne Trikot heranzurücken, das der 28jährige Belgier 2023 selbst gewonnen hatte.

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Ironischerweise setzte sich Lidl – Trek auch in der Mannschaftswertung durch. Die in der Gesamtwertung auf Platz sechs und sieben gelandete Doppelspitze aus Mattias Skjelmose und Juan Ayuso hatte nie recht harmoniert. Am Sonnabend gefährdete die vorübergehende Flucht des Spaniers denn auch bloß den dänischen Kollegen. Ob Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – Hansgrohe), der sich mit Gesamtplatz zwei hochzufrieden gab, den ursprünglich zweiten Klassementfahrer seiner Mannschaft womöglich zum kollektiven Angriff aufs Gelbe Trikot hätte nutzen mögen, werden wir leider nie wissen. Denn beim Einzelzeitfahren, das der 26jährige Belgier am Dienstag erwartungsgemäß gewann, musste sein deutscher Kollege Florian Lipowitz sturzbedingt das Rennen aufgeben. So konnte sich der unangefochten zum fünften Tour-Sieg radelnde Pogačar am Sonnabend den Luxus erlauben, seine Kräfte in den Dienst von Isaac del Toros zu stellen, um dem Kollegen den dritten Gesamtplatz sowie das Weiße Trikot des besten Fahrers unter 25 Jahren zu sichern. Das gelang, obwohl dem 22jährigen Mexikaner, der angeblich wie andere Teammitglieder von Unpässlichkeiten geplagt wurde, sichtlich die Kräfte schwanden.

Erst recht musste während der letzten Stunde der Königsetappe Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) den erstmals erduldeten Strapazen einer dreiwöchigen Rundfahrt Tribut zollen. Der ­19jährige Franzose fand sich nolens volens mit Gesamtrang vier (vor Landsmann Lenny Martinez) ab, als er nicht mehr zu dem Angriff fähig war, den seine Mannschaft unübersehbar vorbereitet hatte. Trotzdem scheint nun denkbar, dass dieses Supertalent irgendwann die Tour gewinnen könnte, zumal Pogačar den Spaß daran verlieren mag, Etappenrennen nach Belieben zu dominieren. Dass die Angriffslust des 27jährigen Slowenen vorerst ungemindert ist, zeigte sich indes auf der wegen naher Waldbrände verkürzten Schlussetappe – deren Ergebnis wiederum wegen etwaiger regennasser Straßen nicht in der Gesamtwertung Berücksichtigung fand. So wurde das Rennen auf einem Pariser Rundkurs, der wieder über den knackigen Montmartre-Anstieg führte, wie ein Frühjahrsklassiker ausgefahren. Bei solchen Gelegenheiten findet Pogačar mitunter in Mathieu van der Poel (Alpecin – Premier Tech) seinen Meister. Im Gegensatz zum 500 Meter zuvor ausgescherten Begleiter in Gelb hielt der 31jährige Niederländer denn auch als Ausreißer bis zur Ziellinie durch, die er absolut atemlos nur Zentimeter vor den von Philipsen angeführten Sprintern erreichte.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.07.2026, Seite 16, Sport

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