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Düngemittelproduktion

Indigene trotzen Ammoniakfabrik

Mexiko: Proteste stoppen vorübergehend den Bau der GPO-Produktionsanlage Topolobampo in Sinaloa

Foto: Christian Heeb/imago
Die Anfänge des Projektes gehen noch auf die neoliberale Regierungszeit von Expräsident Enrique Peña Nieto zurück

Indigene Gemeinden im Bundesstaat Sinaloa im Nordwesten Mexikos protestieren seit einer Woche mit Straßenblockaden gegen den Bau einer Chemiefabrik der deutsch-schweizerischen Proman AG. Zwischenzeitlich wurden die Arbeiten eingestellt. So hatte die mexikanische Tochterfirma Gas y Petroquímica de Occidente (GPO) mitgeteilt, dass die Arbeiten »vorübergehend und präventiv« eingestellt wurden, weil »eine Gruppe von Personen den Hauptzugang blockierte und unbefugt in das Düngemittelwerk eindrang«. Das war am Sonntag. Mittlerweile wurde die Arbeit wieder aufgenommen. Weiterhin aber blockieren zahlreiche Menschen das Depot am Hafen Topolobampo, so dass weitere Stahlreaktoren nicht auf das Gelände geliefert werden können.

Nach juristischer Auseinandersetzung wird seit 2025 der Bau der viel kritisierten Fabrik fortgesetzt. Die indigenen Gemeinden der Region und die Umweltbewegung »¡Aquí no!« (Hier nicht!) befürchten eine Verschmutzung der Bucht von Ohuira durch die geplante Kunstdüngerproduktion des Werkes, das das größte dieser Art in Lateinamerika werden soll mit einer angestrebten Tagesproduktion von 2.200 Tonnen Ammoniak. Die Bucht dient den Fischern der umliegenden Gemeinden als Lebensgrundlage und ist ein durch die internationale Ramsar-Konvention geschütztes Feuchtgebiet. Diese 1971 im Iran unterzeichnete Konvention regelt global den Schutz von nachhaltigen Feuchtgebieten.

Die Anfänge des Projektes gehen noch auf die neoliberale Regierungszeit von Expräsident Enrique Peña Nieto (2012–2018) zurück. Mexikos aktuelle Präsidentin Claudia Sheinbaum von der sozialdemokratischen Morena-Partei unterstützt das Bauprojekt und argumentiert, dass rechtlich alles in Ordnung sei. Die gesetzlich vorgeschriebene Befragung indigener Gemeinden habe 2022 stattgefunden und eine Zustimmung zum Projekt zur Folge gehabt. Die Befragten argumentieren dagegen, dass die unmittelbar betroffenen Dörfer mehrheitlich gegen das Projekt gestimmt haben. Die Zustimmung sei durch das Votum weiter entfernt lebender Gemeinschaften erfolgt.

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Auch Sheinbaums Amtsvorgänger und Parteifreund Andrés Manuel López Obrador gehört zu den Befürwortern. Das Werk sei »keine Zumutung« und »notwendig für die Lebensmittelproduktion in Mexiko«, äußerte er 2022. Kritiker halten dem entgegen, dass das Chemiewerk mit Frackinggas aus Texas arbeiten soll und das Düngemittel »für den externen Markt bestimmt ist, hauptsächlich für die USA und in geringem Maße für Chile«. Dies habe die Unternehmensleitung in Sinaloa bestätigt, erklärte die Organisation Educa am Montag.

Über eine 100prozentige Tochter der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die KfW Ipex-Bank, finanziert die BRD das Projekt mit 860 Millionen US-Dollar. Daher richtet sich der Protest auch ausdrücklich gegen deutsche Beteiligung. Am vergangenen Donnerstag demonstrierte »¡Aquí no!« vor der deutschen Botschaft in Mexiko-Stadt. Bereits im März besuchte eine Delegation von Aktivisten aus Mexiko Deutschland und brachte bei der KfW eine formelle Beschwerde gegen die Finanzierung des Projektes mit deutschen Steuergeldern vor. Die Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko, ein Netzwerk verschiedener Organisationen, hatte die Einladung der Aktivisten unterstützt.

Die Proman AG wurde 1984 als Proman GmbH in Düsseldorf gegründet. Firmensitz ist Wollerau in der Schweiz, die als Steuerparadies gilt. Den Bauauftrag übergab Proman 2023 an Thyssen-Krupp Uhde, das Unternehmen soll auch direkt an der Ammoniakproduktion beteiligt werden. »Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Proman, um innovative Verfahren für die Ammoniakproduktion zur Anwendung zu bringen«, hatte Dr. Cord Landsmann, CEO von Thyssen-Krupp Uhde, 2023 in einer Pressemitteilung erklärt. David Cassidy, Chief Executive von Proman, hatte damals ergänzt, man sei bereits ein »bedeutender Ammoniakhersteller« und strebe an, mit der Produktion in Mexiko die jährliche Produktionskapazität auf 2,8 Millionen Tonnen zu erhöhen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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