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Maroder Campus der TU Berlin

Wie konnte das Gebäude so herunterkommen?

Die TU Berlin musste ihren Zentralbau schließen, weil die Gebäude nicht instand gehalten worden waren, sagt Friedrich Lauenstein

Foto: Fabian Sommer/dpa
Im Hort des Wissens tropft es. Statt rechtzeitiger Reparaturen muss jetzt das Gebäude geschlossen bleiben (Berlin, 13.5.2026)

An der Technischen Universität Berlin ist das Hauptgebäude seit dem 9. Mai vollständig geschlossen. Es dürfe nicht mehr betreten werden, teilte die Universität dazu mit. Als Grund werden »erhebliche bauliche Mängel« angeführt, die am Tag zuvor durch eine amtliche Begehung festgestellt worden seien. Die Rede war in dem Zusammenhang auch von »unzureichender Instandhaltung«. Was steckt dahinter?

Die Gebäude der TU sind schon seit vielen Jahren für ihre Baufälligkeit bekannt. Es regnet regelmäßig herein und es sind Sicherheitssysteme ausgefallen. Seit etwa einem halben Jahr hat nun die Bauaufsicht die TU mehr und mehr auf dem Kieker, weil Brandschutzsysteme – also Feuermelder, Löschwasserverteilung und ähnliches – bei vielen Gebäuden nicht mehr in Schuss sind. Deswegen finden immer häufiger Begehungen statt. Die Bauabteilung der TU ist aber total am Limit und kriegt es nicht hin, sich auf diese Begehungen vorzubereiten. Oder die Systeme sind einfach nicht rechtssicher betreibbar. Aktuell war es so, dass kleine Bauarbeiten im Keller einen Feueralarm ausgelöst haben. Daraufhin ist die Feuerwehr gekommen und hat den Keller inspiziert. Dabei wurden Wasser- und diverse andere Schäden an den essentiellen Systemen festgestellt. Da hat die Bauaufsicht gesagt: Dieses Gebäude kann nicht mehr sicher betrieben werden.

Die Uni spricht von einem Sanierungsstau in Höhe von rund 2,4 Milliarden Euro. Das betrifft aber nicht nur dieses Gebäude, oder?

Nein. Der Campus ist von den 60ern bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wegen der aus Prestigegründen erfolgten Zahlungen aus Westdeutschland extrem gut ausgestattet gewesen. Und als diese Finanzierung dann weggebrochen war, wurden die Gebäude einfach nicht mehr instand gehalten.

Die Rede ist vor allem von Wasserschäden und Problemen mit der Stromversorgung. Welche Mängel liegen konkret vor?

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Es sind diverse Dächer undicht, viele Aufzüge funktionieren nicht, in manchen Gebäuden sind Steckdosen nicht mehr nutzbar. Ich habe letztens im Fakultätsrat gehört, dass von den drei Trafos, die den gesamten Campus mit Strom versorgen, nur eineinhalb in Betrieb sind – und dass, wenn einer von den letzten funktionierenden auch noch ausfällt, der gesamte Campus ohne Strom dasteht. Diverse technische Grundausstattungen funktionieren nicht.

Ist in dem Fall jahrzehntelang ganz bewusst auf Verschleiß gefahren worden?

Es ist einfach so, dass seit den 90er Jahren eine dramatische Unterfinanzierung zu verzeichnen ist. Es gab immer neue Sparrunden, und deshalb war eben kein Geld für grundlegende Sanierungen vorhanden.

Was hat die Schließung des Hauptgebäudes für Konsequenzen für die Studierenden? Welche Räume können nicht genutzt werden?

Da ist einmal das Audimax. Das ist der größte Vorlesungssaal der TU mit 1.200 Plätzen. Er ist essentiell für alle Grundlagenvorlesungen, zum Beispiel Analysis 1 und lineare Algebra, also die Grundlagen in Mathematik. Die müssen fast alle Studierenden der TU hören. Das sind 2.000 bis 3.000 Leute jedes Semester. Und das kann jetzt nicht mehr in Präsenz angeboten werden. Der drittgrößte Vorlesungssaal befindet sich auch in dem Gebäude, dazu diverse mittelgroße Vorlesungssäle. Außerdem ein Großteil der Verwaltung der TU, die Finanzverwaltung, die Personalabteilung, das Präsidiumsbüro. Auch mein Büro als Studienfachberater befindet sich in dem Gebäude. Die Verwaltung muss jetzt umziehen oder erst mal im Homeoffice arbeiten. Meine Sprechstunden halte ich jetzt in studentisch verwalteten Räumen.

Die Fraktion Die Linke im Abgeordnetenhaus fordert, Notfonds auf den Weg zu bringen, um weitere Schließungen an der TU zu vermeiden. Halten Sie das für einen gangbaren Weg?

Das ist die Mindestforderung. Es wurden jetzt auch 20 Millionen Euro vom Senat zugesagt, aber das ist für die essentiellen Brandschutzsysteme gedacht. Und im Moment sind, soweit ich weiß, noch zwei andere Gebäude ebenfalls akut von Schließung bedroht. Ich hoffe, dass die 20 Millionen ausreichen, um das zu verhindern. Aber es braucht auf jeden Fall eine großangelegte Investitionsinitiative des Senats zur Sanierung des gesamten Campus. Und das geht nicht ohne eine grundsätzliche Änderung der Haushaltspolitik. Das müsste eine Aufhebung der Schuldenbremse beinhalten und es müsste eine große Offensive gestartet werden, die diese Hochschulen wieder irgendwie betreibbar macht. Denn das muss über Jahre gehen: Fassaden, Dächer, Aufzüge und weiteres müssen grundlegend saniert werden. Selbstverständlich wollen wir auch die Rückkehr zu den Hochschulverträgen. Die waren rechtsverbindlich verhandelt und haben 20 Millionen Aufwachs pro Jahr zugesagt. Das ist alles nicht eingehalten worden. Die Verträge wurden gebrochen und 40 Millionen gekürzt. So lässt sich keine prestigeträchtige Wissenschaftslandschaft in der Hauptstadt aufrechterhalten.

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Erschienen in der Ausgabe vom 29.05.2026, Seite 2, Inland

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