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Inhaftiert im KZ Buchenwald

Wie bewahrte er 159 Kinder vor dem Tod?

Sein Buch über Wilhelm Hammann soll an den hessischen Kommunisten und Antifaschisten erinnern, sagt Bernd Heyl

Interview: Fabian Lehmann
Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand/Wikipedia (fair use)
Wilhelm Hammann

Was macht das Leben des 1897 geborenen und 1955 gestorbenen hessischen Lehrers, Antifaschisten und KPD-Landtagsabgeordneten heute noch für eine größere Öffentlichkeit erzählenswert?

Antifaschismus hat heute wieder eine viel größere Bedeutung als in den letzten Jahren. Daher ist es wichtig, an Personen zu erinnern, die regional eine große Rolle gespielt haben. Die Biographie Wilhelm Hammanns ist in vielen Punkten exemplarisch für einen Widerstandskämpfer. Insofern ist er auch über Hessen hinaus interessant.

Hammann wurde als Kommunist im KZ Buchenwald inhaftiert und war dort Ältester des Blocks 8, in dem Hunderte Kinder und Jugendliche untergebracht waren. Im April 1945 bewahrte er 159 jüdische Kinder vor dem Todesmarsch. Wie genau?

Seine Tat war sein persönlicher Verdienst, aber er alleine hätte es nie bewerkstelligen können. Eine illegale antifaschistische Widerstandsorganisation im Lager hatte es geschafft, die Insassen im Block 8 zu organisieren. Die Jugendlichen und Kinder waren dort vor der SS durch das klandestine Netzwerk der Widerstandsorganisation geschützt. Der Kinderblock wurde mit Zustimmung der SS eingerichtet. Die Lagerältesten hatten es geschafft, sie zu überzeugen, dass es für die Disziplin im Lager besser sei, die jungen Leute gesammelt unterzubringen. Das hat sie im Lageralltag geschützt. Kurz vor der Befreiung des Lagers durch die US-Armee sollte es evakuiert werden, um die Insassen auf den Todesmarsch zu schicken. Als die SS kam, um die jüdischen Kinder aus Block 8 zu holen, hat Hammann bestritten, dass es dort jüdische Kinder gäbe. Das war alles von langer Hand geplant. Alle Kinder trugen den roten Winkel, galten also als politische Gefangene.

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Wie hat Hammann sein politisches Engagement nach dem Zweiten Weltkrieg fortgesetzt?

Hammann war von Juli bis Oktober 1945 kommissarischer Landrat im Landkreis Groß-Gerau. In der Zeit war er in mehrere Konflikte mit amerikanischen Besatzungsoffizieren involviert. Mit einem Offizier des US-Geheimdienstes CIC mit Namen Wanner hat er sich regelrecht befehdet. Hammann hatte sich dagegen gewehrt, Lebensmittel, die mühsam für ein Krankenhaus gesammelt worden waren, an Wanner abzugeben. Weil er die Befehle der Militärregierung nicht befolgte, wurde er am 19. Oktober 1945 beurlaubt. Es kam zu Verhandlungen vor einem Militärgericht, das ihn aber freisprach.

In einer Art Rachefeldzug hat Wanner Hammann daraufhin im Kontext des Buchenwald-Prozesses beschuldigt, er habe im Konzentrationslager Verbrechen gegen die Menschheit begangen. Zu diesem Zweck hat er fragwürdige Zeugenaussagen zusammengetragen. Hammann ist in der Folge in Dachau mit ebendiesen SS-Leuten inhaftiert worden, die ihn zuvor in Buchenwald gefoltert hatten. Insgesamt war er 14 Monate in US-Haft und ist erst aufgrund einer internationalen Solidaritätskampagne freigelassen worden. In den 50er Jahren war er in Groß-Gerau für die KPD im Kreistag aktiv.

1955 kam Hammann ums Leben, als er mit seinem Wagen gegen einen Panzer der US-Armee prallte. Der Unfalltod wirft bei Ihnen Fragen auf. Weshalb?

Infolge der Präsenz der US-Armee gab es eine Reihe von Unfällen dieser Art. Hammann war aber zusätzlich in das Blickfeld des BDJ, Bund Deutscher Jugend, geraten – ein Sammelbecken von Altnazis, SS-Leuten und Wehrmachtsoffizieren. Der BDJ unterhielt Anfang der 50er Jahre eine Art Privatarmee, den sogenannten Technischen Dienst. Diese Truppe sollte im Fall einer sowjetischen Besetzung Guerillaaktionen durchführen und wurde auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr von US-amerikanischen Offizieren militärisch ausgebildet. Der Technische Dienst hatte auch eine Liste mit Menschen angelegt, die im Fall einer sowjetischen Besetzung ausgeschaltet werden sollten. Viele Kommunisten und Sozialdemokraten standen darauf, auch Hammann. Der Dienst hatte also Verbindungen zu rechten Kreisen des US-Militärs und durchaus die Möglichkeit, so einen Unfall zu inszenieren. Ich kann darüber aber nur Vermutungen anstellen, weil ich entsprechende Unterlagen nicht finden konnte.

Bernd Heyl ist Autor und forschte zum Kommunisten Wilhelm Hammann

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Erschienen in der Ausgabe vom 27.05.2026, Seite 3, Antifaschismus

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