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Rechter Aufmarsch in Washington

Front der Faschisten

Sie wollen sich »Amerika zurückholen«: Weiße Nationalisten ziehen am 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung durch die US-Hauptstadt

Foto: REUTERS/Cheney Orr
Faschisten der Organisation »Patriot Front« am Sonnabend in New Carrollton

Am 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der späteren USA vom britischen Mutterland marschierten Hunderte maskierte Mitglieder der faschistischen Organisation »Patriot Front« mit Transparenten und Flaggen der Konföderierten durch Washington, D. C. Der Marsch fand am Sonnabend morgen statt, nachdem Präsident Donald Trump in einer Rede zum Auftakt der Feierlichkeiten vor einer erstarkten »kommunistischen Bedrohung« für die amerikanische Identität durch Einwanderer gewarnt hatte.

Von Reuters veröffentlichte Bilder zeigen Mitglieder der »Patriot Front« in Khakihosen, Baseballkappen, dunkelblauen Hemden, Sonnenbrillen und weißen Sturmmasken während einer Metrofahrt in der Bundeshauptstadt, wo sie eine schwarze Frau umringten. Die Gruppe wurde offenbar von ihrem Gründer Thomas Rousseau angeführt. Zunächst versammelten sich die Teilnehmer vor der Union Station und marschierten anschließend in Richtung Capitol Hill. In einem online verbreiteten Video sind Sprechchöre wie »Leben, Freiheit, Sieg!« und »Holt euch Amerika zurück!« zu hören. Auf Nachfrage erklärte US-Innenminister Doug Burgum am Sonntag gegenüber dem Sender CNN zu den reaktionären Schlägertrupps in Washington, er stimme »dem, wofür sie stehen, nicht im Entferntesten zu«, betonte jedoch die Meinungsfreiheit als ein zentrales, auch chaotisches, Grundprinzip der US-Demokratie. Ob Trump diese Sicht teilt, ist unklar, da er sich wiederholt ideologisch in der Nähe solcher Gruppen bewegt und sich in der Vergangenheit auch mit Vertretern der Bewegung getroffen hatet, etwa mit dem Holocaustleugner Nick Fuentes.

»Patriot Front« selbst ist eine weiß-nationalistische und faschistische Organisation, die einer entsprechend ultranationalistischen Ideologie anhängt, deren zentrales Ziel die Errichtung eines weißen Ethnostaates in den Vereinigten Staaten ist. Dabei versuchen diese Faschisten, für den gesellschaftlichen Mainstream anschlussfähiger zu wirken, indem sie ihre Ikonographie mit einer »traditionell amerikanischen« Ästhetik verbinden. So zeigt ihr Logo das antike »Fascio«, das Rutenbündel mit Axt, vor einem rot-weiß-blauen Hintergrund. Zum propagandistischen Repertoir der »Front« gehört die aus Frankreich stammende Mär des »Großen Austauschs«, wonach organisierte Bestrebungen existieren, die weiße Bevölkerung durch nicht-weiße Einwanderer zu ersetzen.

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Strategisch orientiert sich die »Patriot Front« an der breiteren konservativen Bewegung, auf die sie Einfluss nehmen und aus der sie neue Anhänger gewinnen will. Nach der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizeibeamten in Minneapolis 2020 schloss sich die Gruppe der reaktionären Mobilisierung gegen die »Black Lives Matter«-Proteste für Rassengerechtigkeit an und führte in den USA eine Kampagne gegen entsprechende Erinnerungsorte durch. Laut der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center beschädigten »Patriot Front«-Anhänger zwischen dem 1. Mai 2020 und dem 31. Dezember 2021 landesweit 35 Wandgemälde und Gedenkstätten, die George Floyd und anderen schwarzen Opfern von Polizeigewalt gewidmet waren.

Gegründet worden war die »Front« 2017 von Thomas Rousseau als Abspaltung der Gruppe »Vanguard America« infolge der tödlichen »Unite the Right«-Kundgebung am 12. August 2017 in Charlottesville, Virginia. Rousseau hatte dort die Mitglieder der »Vanguard« angeführt. Darunter war auch James Alex Fields Jr., der anschließend mit seinem Auto vorsätzlich in eine Gruppe von Gegendemonstranten gefahren war und die Antifaschistin Heather Heyer ermordet hatte. Trump, der zu diesem Zeitpunkt die erste Hälfte seiner ersten Amtszeit absolviert hatte, reagierte auf den Vorfall mit der Relativierung der faschistischen Gewalt: »In dieser Gruppe gab es einige sehr schlechte Menschen, aber es gab auch sehr gute Menschen auf beiden Seiten.« Nach monatelangen Auseinandersetzungen mit dem Vorsitzenden von »Vanguard America«, trennten sich Rousseau und seine Anhänger von der Organisation.

Unter der zweiten Trump-Administration überrascht das offene Auftreten solcher Gruppen angesichts der ideologischen Überschneidungen – insbesondere in der nativistischen Immigrationspolitik und den Deportationsoperationen der Regierung, die unter anderem von Vize-Stabschef Stephen Miller vorangetrieben werden – kaum. Miller wird ideologisch ebenfalls der weiß-nationalistischen Bewegung zugeordnet. Diese Ideologie hat längst in den höchsten Rängen Fuß gefasst, die auf der Straße marschierenden Faschisten sind dabei nur ein Teil des Gesamtbildes. Während 2017 extrem rechte Fackelaufmärsche noch breite Empörung auslösten, treten faschistische Gruppen heute in der Hauptstadt deutlich sichtbarer und weitgehend unbehelligt auf.

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.07.2026, Seite 15, Antifaschismus

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