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Würzfleisch

Foto: Matthias Koch/IMAGO
Nach dem Halbfinale ist vor dem Finale: BFC Dynamo zieht ein

Abstiegskämpfe im Ligaalltag, Fights um den Aufstieg – feine Sachen. Indes sind Landespokalduelle die Würze des Fußballs. Andere Konstellationen, Außenseitersiege, emotionale Ausbrüche der Extraklasse. Unvergessen bleibt das 2:1 (n. V.) des BFC Dynamo gegen den BAK 07 im Frühjahr 2011. Schietwetter, düstere Allgemeinlage, magere Kulisse im Jahn-Sportpark, 0:1-Rückstand – dann aber der Ausgleich in letzter Minute durch Fußballgott ­Karaduman. 800 BFC-Fans machten Lärm wie 8.000. Als Karaduman in der Verlängerung den Siegtreffer erzielte, war das Glück perfekt. Freudentränen, Bierduschen, blaue Flecken.

Verrückt war auch vergangenen Sonntag das Berliner Landespokalspiel Sparta Lichtenberg gegen BFC Dynamo. 1.050 Zuschauer an der Fischerstraße, Hunderte Fans standen draußen am Zaun. Bis zur 90. Minute führte Sparta mit 2:1, dann erlöste Fritzsche die Weinroten. Ekstase an den aufgestellten Gittern und draußen auf der Straße. Und es kam noch verrückter! In der Verlängerung ging Sparta wieder in Führung, doch konnte der BFC noch drei wunderbar herausgespielte Buden machen. 5:3 für den BFC – und es wurde hektisch. Pyro wurde außerhalb gezündet und landete auf dem Sportplatz, behelmte Polizisten taten noch pikante Dosensoße auf das Würzfleisch, und auch auf dem Platz ging es zur Sache. Am Ende zählte der Einzug ins Pokalfinale.

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Ähnlich verrückt ging es in Thüringen zu. Erfurt gegen Jena im Halbfinale. Mehr geht kaum. Vor über 15.000 Zuschauern schlug das Pendel mit 20 Minuten Verspätung aufgrund nicht ganz regelkonformer Choreos in beide Richtungen aus. Wechselnde Führungen, 4:4 nach 90 Minuten. Nach 88 Minuten rettete sich Jena mit einem sahne Freistoß in die Verlängerung. Dort legte Jena mit 5:4 vor, doch hatten die Blumenstädter die passende Antwort in Form einer abgefälschten Hereingabe. Irre. Das Elfmeterschießen konnte der FC Carl Zeiss mit 4:2 für sich entscheiden. Held des Tages war FCC-Keeper Liesegang mit zwei gehaltenen Elfern.

Tolle Bilder gab es beim Pokalspiel 1. FC Neubrandenburg 04 gegen Hansa Rostock. Im gut gefüllten Heimblock bildeten alte Zaunfahnen einen schönen Anblick, kurz nach der Pause kam in Form des 1:2-Anschlusstreffers etwas Spannung auf, doch am Ende gewann Hansa das Duell verdient mit 5:1. Eine gute Kulisse gab es auch beim Duell BSG Stahl Riesa vs. VFC Plauen. Vor 1.055 Zuschauern sicherte sich Stahl Riesa mit einem 2:1-Sieg den Einzug ins Halbfinale und darf sich jetzt auf ein Heimspiel gegen Zwickau freuen. Da lacht das Fußballherz. BSG Stahl gegen BSG Sachsenring, in der DDR-Oberliga gab es diese Aufeinandertreffen von 1968 bis 1986. Damals noch im längst verwaisten Ernst-Grube-Stadion. Feine Sache. Ich hatte eh vor, mich in Kürze auf Spurensuche nach Riesa zu begeben. Auf die alten Zeiten. Sport frei!

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Erschienen in der Ausgabe vom 31.03.2026, Seite 16, Sport

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