-
26.05.2026
- → Inland
Ein Hafen, zwei Terminalbetreiber, große Unterschiede
Hamburg: Während die HHLA deutliche Einbußen verzeichnete, freut sich Eurogate über einen satten Zuwachs
Es ist gerade gut zwei Wochen her, dass Hamburg den angeblich 837. Geburtstag – das Datum ist nicht unumstritten – seines Hafens grandios gefeiert hat, unter anderem mit einem Weltrekord: Die »größte, temporär aufgebaute schwimmende Bühne der Welt« soll den Hamburgern einen Eintrag ins »Guinness-Buch der Rekorde« beschert haben. Die Ernüchterung folgte wenige Tage später: Die Hafenbehörde Hamburg Port Authority (HPA) sah sich gezwungen, für das erste Quartal 2026 mit 27,8 Millionen Tonnen einen gegenüber dem Vorjahresquartal um zwei Prozent niedrigeren Gesamtumschlag bilanzieren zu müssen.
19,4 Millionen Tonnen davon entfallen auf den Hauptfaktor Containerumschlag – das entspricht nach Gewicht einem Rückgang um 2,7 Prozent. Nach Anzahl der Boxen wurden im ersten Quartal insgesamt knapp zwei Millionen TEU (twenty foot equity unit, Standardmaß für 20-Fuß-Container) umgeschlagen – »nur« 1,6 Prozent weniger, die unterschiedlichen Werte erklären sich aus dem jeweiligen Anteil von Leercontainern.
Auffällig ist die geographische Verteilung: Im Handel mit Hamburgs wichtigstem Partnerland China ging der Umschlag um drei Prozent auf rund 579.000 TEU zurück, der Warenaustausch mit den USA brach hingegen um 24,5 Prozent ein und verzeichnete nur noch etwas mehr als 109.000 TEU. Tröstend verweist die HPA zwar auf beträchtliche »Wachstumsimpulse aus Indien und Südostasien«, allerdings liegen die Umschlagszahlen mit Singapur, Malaysia oder Indien nur im niedrigen sechs- oder gar fünfstelligen Bereich; die sogenannten Feederverkehre in die wichtigsten nichtdeutschen Ostseeanrainerhäfen haben – auch hier bei leichtem Gewichtsrückgang – um 0,5 Prozent auf rund 326.000 TEU zugelegt.
Interessant ist die Bewertung dieser Zahlen durch die HPA: »Starker Schneefall und die einhergehende Witterung im Januar« seien »maßgeblich« verantwortlich für diese Ergebnisse. Es ist unumstritten, dass Schnee und Eis Hindernisse auftürmten – aber haben die krass unterschiedlichen Rückgänge im China- und US-Handel etwa nichts mit Trumpscher Zollpolitik zu tun? Stutzig macht zudem, dass weder die gehypte Wachstumserwartung an die teure Elbvertiefung noch das Versprechen der Schweizer Megareederei MSC, für jährlich mindestens eine Million TEU mehr Boxenumschlag sorgen zu wollen, eine Erwähnung wert sind.
Spannend wird es aber, wenn man die Zahlen der unterschiedlichen Akteure anschaut: Da ist einerseits die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), die ja seit rund zwei Jahren zu knapp weniger als 50 Prozent besagter Reederei MSC gehört. Für ihre drei lokalen Containerterminals Tollerort, Burchardkai und Altenwerder bilanziert die HHLA einen Quartalsumschlag von 1,37 Millionen TEU – ein Rückgang um 6,6 Prozent. Zwar werden auch hier »externe Faktoren« verantwortlich gemacht fürs schwächelnde Ergebnis, immerhin erwähnt der Konzern aber neben den Witterungsverhältnissen auch die »geopolitische Gesamtlage« mit Einbrüchen vor allem in den »Fahrtgebieten Nordamerika und Fernost, insbesondere China«. Insgesamt habe der börsennotierte Teilkonzern Hafenlogistik im ersten Quartal des Jahres »einen moderaten Umsatzanstieg um 3,6 Prozent auf 441,8 Millionen Euro« erzielt, das Ergebnis (Ebit) sei aber um 5,5 Prozent auf 27,2 Millionen Euro gefallen. Unterm Strich soll laut Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat auf der Hauptversammlung am 11. Juni eine Nulldividende beschlossen werden.
Andererseits: Neben den drei HHLA-Terminals liegt in Waltershof ja noch der Eurogate Container Terminal Hamburg (CTH) – das Unternehmen ist bekanntlich ein Joint Venture des Hamburger Familienkonzerns Eurokai und der Bremer BLG Logistics AG. Der Konzern korrigiert zunächst – vorsichtig wegen aktueller Krisen – seine Prognose für 2026 deutlich nach oben und bilanziert sodann im Quartalsbericht für den Standort Hamburg ein Umschlagsplus von satten 7,2 Prozent auf rund 571.000 TEU. Ein Unterschied zu den HHLA-Zahlen, der die Frage aufwirft, ob der Winter Eurogates Kaje vielleicht verschont haben könnte.
Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?
Durchschnittliche Bewertung: 3,0
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!
