Bilanz mit Plus in Hamburgs Hafen
Von Burkhard Ilschner
Das Fachblatt Täglicher Hafenbericht (THB) konstatierte am Freitag vergangener Woche zuversichtlich: »Es geht bergauf.« Gemeint waren die tags zuvor vorgelegten Umschlags- und Ergebniszahlen des Seehafens Hamburg für das Jahr 2025. Der Optimismus galt vor allem dem Containerumschlag, denn der habe im vergangenen Jahr um 7,3 Prozent auf einen Stand von 8,3 Millionen TEU (Abkürzung für Twenty-foot equivalent unit, das Standardmaß für 20-Fuß-Container) zugelegt. Gemeinsam hatten die Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) und der Lobbyverein Hafen Hamburg Marketing (HHM) die entsprechenden Daten präsentiert und sich ihrerseits über die Zuwächse erfreut gezeigt.
Der THB legt zwar mit seinem Bericht deutlich einen Finger in die Wunde: Er verweist nämlich darauf, dass HPA und HMM bei lahmendem Containerumschlag vergangener Jahre gerne mal auf Hamburgs Status als »Universalhafen« verwiesen hätten, der nicht nur nach umgeschlagenen Boxen beurteilt werden dürfe. Aber das Blatt geht da nicht tief genug: Richtig ist, dass die aktuellen TEU-Werte im Vergleich zum Vorjahr eine markante Steigerung bedeuten. Richtig ist auch der dämpfende THB-Hinweis, sie lägen immer noch niedriger als etwa 2015 (8,8 Millionen TEU) oder 2021 (8,7 Millionen TEU).
Was aber nicht unerwähnt bleiben sollte, ist die Tatsache, dass Hamburgs Hafenplaner sich schon mehrfach kräftig verschätzt haben: So hatten sie im November 2012 einen »Hafenentwicklungsplan« (HEP) präsentiert, der für 2025 einen Containerumschlag von jährlich 25 Millionen TEU prognostizierte. Früh zeigte sich, dass diese Marke nicht annähernd erreicht werden könne. Also reduzierte eine 2023 vorgelegte Neufassung – HEP 2040 – diese Schätzung drastisch auf immer noch unrealistische 13,1 Millionen TEU Jahresumschlag im Jahr 2035. »Niemandem fällt es leicht anzuerkennen, dass er auf dem absteigenden Ast ist. Das gilt offensichtlich auch für Hamburg«, ätzte daraufhin im Juni 2023 das Fachmagazin Schifffahrt und Technik (SUT) in einem Newsletter.
Nun also klammern sich HPA und HHM an die jüngsten Wachstumszahlen: So schön das Plus von 7,3 Prozent im Segment Container klingt – der Gesamtumschlag 2025 lag mit 114,6 Millionen Tonnen nur 2,6 Prozent über dem Vorjahreswert, was vor allem niedrigeren Ergebnissen beim Massengut geschuldet ist. Aber auch bei den Containern lohnt ein Blick auf die Details: Den markantesten Zuwachs verzeichnete das Boxengeschäft im Handel mit China. Dort legte der Umschlag zwar »nur« um 6,5 Prozent zu – dies aber auf hohem Niveau oberhalb der Marke von zwei Millionen TEU. Im mittleren Bereich (unterhalb einer Million TEU) rangiert der Umschlag mit den USA – und hier bewirkten Donald Trumps Eskapaden mit Zöllen und Hafengebühren einen Einbruch um 25,6 Prozent; nach dessen jüngsten Entgleisungen dürfte es dabei nicht bleiben. Im unteren Bereich (unterhalb 500.000 TEU) sticht Indien mit einem Zuwachs um 49,2 Prozent hervor. Skurrilerweise vereinbarten just am Tage der Präsentation dieser Zahlen Vertreter Hamburgs bei einem Besuch im indischen Mumbai eine Vertiefung der Zusammenarbeit.
Beachtenswert ist allerdings auch, dass der Hamburger Hafen 2025 bei so genannten Transshipmentverkehren mit dem Ostseeraum ein Plus von 21,2 Prozent erzielte – während zeitgleich der Nord-Ostsee-Kanal einen deutlichen Rückgang der Kanalnutzung bilanzierte: Mehr als zehn Prozent weniger Schiffe mit mehr als acht Prozent weniger Ladungstonnen haben vergangenes Jahr die künstliche Wasserstraße zwischen Brunsbüttel und Kiel befahren. Neben den Transportverlusten durch Russland-Sanktionen sollen dafür vor allem zunehmende Schiffsgrößen – also mehr Verkehr um Skagen statt via Kanal – verantwortlich sein.
Zur Hamburger Hafenbilanz gehört aber auch dieses: Der Terminalbetreiber HHLA, neuerdings fast im Alleinbesitz der Stadt Hamburg und der Genfer Megareederei MSC, will laut Vorstandsbeschluss seinen Anteilseignern fürs vergangene Jahr keine Dividende zahlen. Ende März will die HHLA ihren Geschäftsbericht für 2025 veröffentlichen.
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