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23.05.2026
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Versuchslabor des Tages: Grönland
Die USA haben ein Problem. Es ist schlimmer als das Fehlen von Raketen und Bomben, das sich beim Angriffskrieg gegen Iran so bitter bemerkbar machte. Es lautet: Mit der Softpower ist es vorbei, mit dem guten Gefühl, das einst etwa Hollywood-Filme in aller Welt vermittelten. Den besten Beweis dafür lieferte die Eröffnung des neuen US-Konsulats mitten im Herzen der grönländischen Hauptstadt Nuuk am Donnerstag. Nicht nur, dass lokale Offizielle dem Event demonstrativ fernblieben. Obendrein zogen auch noch erstaunlich viele Grönländer vor das von ihnen »Trump Towers« getaufte Gebäude, um die Festlichkeiten mit »Ami go home!«- und »Nein heißt nein!«-Rufen zu stören.
Bekanntlich hatte der immer wahnsinniger agierende US-Präsident Donald Trump schon während seiner ersten Amtszeit Begehrlichkeiten geäußert, Grönland zu annektieren. Jetzt will er damit ernst machen. Kein Wunder, dass dies in Grönland auf wenig Gegenliebe stößt. Das Fass der Empörung zum Überlaufen aber brachte ein gewisser Dr. Joseph Griffin, der im Vorfeld der Konsulatseröffnung nach Nuuk gereist war und behauptete, »privat« dort zu sein, »um den medizinischen Bedarf zu bewerten«.
Griffins Erscheinen sorgte nicht nur für böses Blut, weil die USA nicht gerade als Land mit einem funktionierenden Gesundheitssystem bekannt sind und Top-US-Firmen wie McDonald’s davon leben, die Gesundheit ihrer Kunden zu ruinieren – wobei sich auf Grönland wegen der geringen Einwohnerzahl eine Filiale nicht lohnt. Auch sah sich Grönlands Gesundheitsministerin Anna Wangenheim an die dunkle Vergangenheit erinnert, in der die Kolonialmacht Dänemark medizinische Experimente an den Ureinwohnern der rohstoffreichen Rieseninsel durchführen ließ. Entsprechend hielt sie Trump und Co. Anfang der Woche wütend entgegen: »Die Grönländer sind keine Versuchskaninchen für ein geopolitisches Projekt!«
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