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22.05.2026
- → Kapital & Arbeit
Schall und Rauch und Marskolonien
Börsengang von Space X: Unterlagen geben Einblick in Konzernsituation und -strategie
Noch in diesem Sommer will das vom Multimilliardär Elon Musk gegründete und geführte Raumfahrtunternehmen Space X an die Börse gehen. Der Konzern und Investoren erhoffen sich den lukrativsten Börsengang in der Geschichte mit einer Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar. Am Mittwoch nachmittag (Ortszeit) veröffentlichte die US-Börsenaufsicht die Unterlagen für das am 12. Juni geplante IPO (Initial Public Offering), wodurch Einblicke in die geschäftliche Situation und die Businessstrategie des Unternehmens ermöglicht werden.
Zunächst bestätigen die Unterlagen, was schon vorab bekannt war: Musk wird auch nach dem Börsengang die Kontrolle über das Unternehmen behalten. Möglich macht das die Zwei-Klassen-Struktur, nach der die Aktien veräußert werden sollen. Musk und seinem engsten Kreis wird ein deutlich größeres Abstimmungsgewicht gewährt. Musk wird demnach 85,1 Prozent der Stimmrechte halten, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.
Die Geschäftszahlen für das erste Quartal dieses Jahres sehen indes keineswegs rosig aus: Laut Reuters ist allein die Telekommunikationssparte, besser bekannt als »Starlink«, profitabel und generierte einen Profit von rund 1,2 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtkonzern machte jedoch 1,94 Milliarden US-Dollar Verlust, bei einem Umsatz von etwa 4,7 Milliarden. Insbesondere der KI-Sektor – Space X hat das ebenfalls Musk gehörende Unternehmen X AI geschluckt – schrieb rote Zahlen und büßte bei gerade 818 Millionen US-Dollar Umsatz 2,47 Milliarden US-Dollar ein.
Was Anlegern wohl zu denken geben dürfte, denn das Geschäft mit KI ist ein zentraler Pfeiler der Konzernstrategie. Das Unternehmen hält große Stücke auf zukünftige Gewinne aus dem Betrieb von Rechenzentren im Weltraum. Vorwiegend die Kapazitäten zur Produktion von Satelliten seitens Space X sollen hier den entscheidenden Vorteil zur Konkurrenz bringen. Orbitale Rechenzentren werden angestrebt, weil sie dort die praktisch unbegrenzt zur Verfügung stehende Sonnenenergie nutzen könnten, was die Betriebskosten von KI-Modellen erheblich verringern würde. Andererseits funktioniert im Weltall die passive Kühlung durch Wärmeabgabe an die Umgebungsluft nicht, technische Lösungen für dieses Problem in der Größenordnung eines ganzen Rechenzentrums sind unerprobt. Ebenso stellt sich die Frage nach der unweigerlich auszutauschenden Hardware. Eine Weltraummission zu starten, um eine neue Generation von Prozessoren zu verbauen, während die alten nur aufwendig zur Erde zurückgebracht werden können, ist ökonomisch bestenfalls fragwürdig.
Dessen ungeachtet ist man bei Space X optimistisch: »Wir glauben, den größten TAM (total adressable market, gesamt adressierbarer Markt, jW) der Geschichte gefunden zu haben«, heißt es in den Unterlagen. Vom Konzern geschätzte Summe: 28,5 Billionen US-Dollar. Davon soll KI mit 26,5 Billionen den Löwenanteil ausmachen, darunter 760 Milliarden US-Dollar – etwa 100 pro Mensch auf der Welt – allein aus Privatabonnements für die KI-Dienste des Unternehmens.
Auch sonst spart das Papier nicht mit ambitionierten Verlautbarungen: »Wir glauben, der neue Paradigmenwechsel für die Menschheit ist der Aufbau einer resilienten, stetig wachsenden und den Weltraum bereisenden Zivilisation«, werden die Pläne für eine Mond- und schließlich Marsbasis dargelegt. Dies ist verbunden mit einer Bonuszahlung an Musk, die erst dann fällig wird, wenn der Konzern eine Marskolonie mit einer Million Bewohnern geschaffen hat. Solche Zeilen müssen in erster Linie als Aktienmarketing verstanden werden. Das Ziel ist vor allem, das Image vom visionären Unternehmensgründer zu verkaufen.
In der Realität läuft es für Space X und die KI-Sparte eher schlecht: Erst am Donnerstag berichtete Reuters, dass die KI »Grok« des Unternehmens bei den US-Behörden höchst unbeliebt ist. Nur in weniger als einem Prozent der Fälle würde Grok der Vorzug vor der Konkurrenz gegeben.
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