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Kino

Außer Spesen nichts gewesen

Guy Ritchie hat mit »In the Grey« mal wieder einen Heist-Film gedreht

Foto: Leonine Studios
Es kommt immer anders, als man denkt

»Wenn Milliarden gestohlen werden, sind sie die Profis, die sie zurückholen«, wirbt der Trailer von Guy Ritchies neuestem Heist-Film »In the Grey« vielversprechend. Nach 98 Minuten Film möchte man ergänzen: »Außer Spesen, ein paar Knallereien und markigen Sprüchen nichts gewesen.« Drei Jahre nach seiner Ankündigung hat der Actionthriller des Exmannes von Madonna am Startwochenende in den USA gerade mal drei Millionen US-Dollar eingespielt. Kein Wunder, denn das anfängliche Versprechen auf spannende Unterhaltung wird kaum bis gar nicht eingehalten.

Sage und schreibe eine Milliarde US-Dollar hat sich dagegen Manny Salazar (Carlos Bardem), ein Despot, wie er im Buche steht, beziehungsweise wie es ihn nur im Kino geben kann, von einer Investmentbank geliehen. Doch an eine Rückzahlung denkt er nicht. Deshalb wird die mit allen Wassern gewaschene Anwältin Rachel Wild (Eiza González) eingeschaltet. Sie arbeitet – siehe Filmtitel – in der Grauzone zwischen legalen und illegalen Methoden, um den Banken das Geld zurückzubringen, das ihnen dank der kriminellen Aktivitäten ihrer Klienten abhanden gekommen ist. Salazar wird die härteste juristische Nuss, die Rachel zu knacken hat: Der selbstgefällige Tyrann lässt sich nämlich auf seiner exotischen Privatinsel von einer Privatarmee beschützen.

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Rachel Wild wagt es dennoch, in die Höhle des Löwen zu gehen. Unterstützt wird sie von einem auf Sabotage, Sprengstoff und Schießeisen spezialisierten Team, das prominent von Sid (Henry Cavill) und Bronco (Jake Gyllenhaal) angeführt wird. Die beiden geraten aber leider auch immer wieder selbst aneinander. Um einen Fluchtweg von der paradiesischen Insel auszuarbeiten, müssen sie erst mal checken, was so machbar ist. Doch natürlich muss es anders kommen, als sie akribisch geplant haben.

Vorbereitung ist alles, möchte uns Regisseur und Drehbuchschreiber Guy Ritchie mit »In the Grey« weismachen. Per Voiceover, Texteinblendung und schnell geschnittener Bildsequenz soll das Publikum erfahren, was sich das Team für seine kommende Operation so ausgedacht hat. Genau das Richtige für Menschen mit einer Aufmerksamkeitsspanne von weniger als einer Sekunde. Alle anderen verdrehen nach gut einer halben Stunde nur noch genervt die Augen und sehnen sich nach Klassikern des Genres wie Jules Dassins »Rififi« (1955), Stanley Kubricks »The Killing« (1956) oder Antonio Isasi-Isasmendis »An einem Freitag in Las Vegas« (1968) zurück. Amüsanter war auch »Topkapi« (1964), eine weitere cineastische Gaunerei von Jules Dassin. Der elegante Wortwitz, den Melina Mercouri, Peter Ustinov und Maximilian Schell seinerzeit beim Diebstahl eines mit Smaragden besetzten Dolches aus dem berühmten Topkapi-Palast in Istanbul an den Tag legten, geht Eiza González, Henry Cavill und Jake Gyllenhaal komplett ab. Die beiden letztgenannten versuchen immerhin, sich an Coolness gegenseitig zu überbieten. Und González, die mit Gyllenhaal bereits in Michael Bays »Ambulance« (2022) zusammen vor der Kamera stand, war auch schon überzeugender. Genauso hat Guy Ritchie als Regisseur schon bessere Tage gesehen, denkt man an seine frühen Gangsterkomödien »Bube, Dame, König, grAS« (1998), »Snatch – Schweine und Diamanten« (2000) oder seine deliranten »Sherlock Holmes«-Filme (2009 und 2011). Für ein wenig Grandezza sorgt diesmal lediglich ein Bardem, diesmal nicht Javier, sondern sein älterer Bruder Carlos als Oligarch, ansonsten herrscht Langeweile vor.

→ »In the Grey«, Regie: Guy Ritchie, UK/USA 2026, 98 Min., Kinostart: heute

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Erschienen in der Ausgabe vom 21.05.2026, Seite 11, Feuilleton

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