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12.05.20261 Leserbrief
- → Kapital & Arbeit
Ein U-Boot namens Lars
SPD-Vizekanzler auf Mission in Übersee, um Deal für deutschen Rüstungsriesen TKMS einzufädeln
Lars Klingbeil wirbt im Ausland für Waffen aus Deutschland. Als Rüstungsunternehmer kann man sich kaum bessere Publicity vorstellen als die durch den Bundesfinanzminister und Vizekanzler, der am Wochenende zu Besuch in Kanada weilte. Am Rande des Global Progress Action Summit, einer Polit- und Wirtschaftskonferenz in Toronto, besprach er mit Premierminister Mark Carney die weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zweier Staaten, die US-Präsident Donald Trump gerade mit Liebesentzug und, im Fall der BRD, damit straft, dort nun doch keine »Tomahawk«-Raketen stationieren zu wollen. Also gilt es, alternative Allianzen zu schmieden – solche der Sorte »Stärke durch Kooperation«, wie SPD-Chef Klingbeil im Vorfeld erklärte. Man erhöhe die »eigene Resilienz, damit wir nicht erpresst werden können«.
Hier kommt Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) ins Spiel, eine Rüstungstochter von Thyssen-Krupp, die im Geschäft mit Marinetechnologien zur europäischen Spitze gehört. Wie es heißt, hat Klingbeil gegenüber Carney ausdrücklich die Qualität deutscher U-Boote angepriesen und sich dabei speziell für den Konzern mit Sitz in Kiel ins Zeug gelegt. Hintergrund sind laufende Bemühungen, Kanada zum Beitritt zu einer deutsch-norwegischen Partnerschaft zu bewegen. Bei dem Projekt geht es um den Bau von bis zu zwölf U-Booten im Wert von 37 Milliarden Euro. TKMS macht sich Hoffnungen auf den Auftrag der Nordamerikaner, steht allerdings in Konkurrenz zum südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean. Jedenfalls betonte der Finanzminister, dass es für Deutschland große Bedeutung habe, zu einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zu kommen.
TKMS zählt im Windschatten von Rheinmetall zu den großen deutschen Profiteuren des im Zuge der »Zeitenwende« entfesselten Militarisierungsschubs. Am Montag veröffentlichte das selbsternannte »Maritime Powerhouse« seine Bilanzzahlen für den Sechsmonatszeitraum von Oktober 2025 bis Ende März 2026. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) legte demnach um rund 14 Prozent auf 60 Millionen Euro zu, und der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Das Ergebnis liegt knapp über den Erwartungen der Analysten. Treiber des Wachstums waren vor allem die Sparten für U-Boote und Sonartechnologie. Eindruck macht neben dem Auftragseingang von 3,4 Milliarden Euro insbesondere der Auftragsbestand, der sich auf einem Rekordhoch von 20,6 Milliarden Euro liegt. Mit dem möglichen Zuschlag aus Ottawa könnten die Kieler sogar den Anschluss an Rheinmetall mit einem sogenannten Backlog von zuletzt 73 Milliarden Euro herstellen.
Beide Konzerne wetteifern aktuell um die Übernahme der Werft »German Naval Yards Kiel« (GNYK). TKMS hatte bereits zu Jahresbeginn eine unverbindlich Offerte abgegeben, Deutschlands führende Rüstungsschmiede warf in der Vorwoche seinen Hut in den Ring. Rheinmetall hatte sich unlängst die Militärsparte der Lürssen-Gruppe (NVL) einverleibt, um so neben den Bereichen Land und Luft auch im Marineschiffbau durchzustarten und die gesamte Produktpalette an schwerem Kriegsgerät zu bedienen. TKMS-Chef Oliver Burkhard übte sich am Montag in Mäßigung. »Wir sind nicht bereit, jeden Preis der Welt zu bezahlen«, bekräftigte er. Aber fraglos könne man mit der GNYK »operativ sehr viel anfangen«, schon weil sich die Werft inmitten des TKMS-Werksgeländes befinde. In Richtung Rheinmetall-Boss Armin Papperger stichelte Burkhard: »Geld allein baut keine Schiffe«, und »wir kommen ziemlich gut auch allein klar«.
Mit politischem Flankenschutz läuft es freilich noch besser. Was den Großauftrag aus Kanada betrifft, rechnet der Chef mit einer zeitnahen Entscheidung zu seinen Gunsten. Die Kampagne befinde sich in der »Crunchtime«, also der Schlussphase, bemerkte er. Eine zweistellige Zahl an Mitarbeitern halte sich derzeit in Übersee auf, um für das Angebot zu werben. Zudem hätten deutsche Regierungsvertreter das Engagement unterstützt. Ein Dank an Lars in doppelter Mission: Auswärts »Rüstungslobbyist«, daheim Sozialkahlschläger.
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Onlineabonnent*in Torsten Andreas S. aus B. 12. Mai 2026 um 14:11 UhrUnd wieder: In der BR Deutschland existiert kein Vizekanzler – nachzulesen in Artikel 69 des Grundgesetzes. Beim Vizepräsidenten und der First Lady gibt es auch noch Nachholbedarf.
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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