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11.05.2026
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Vogel des Tages: Nachrichtenagenturen
Vor ein paar Tagen schaute ich absichtslos aus dem Fenster. Über den Häusern hinterm Sternplatz segelte ein Rotmilan. Das war Birding at its best, unwillentliches Vogelbeobachten.
Rechts neben der Wohnzimmertür hängt die Originalzeichnung, die F. W. Bernstein für das Buch »Kritik der Vögel«, das mein Bruder Thomas und ich verantworten, hingezaubert und uns hernach übereignet hat. Der Rotmilan war unserem Vater der liebste Gefiederte. Thomas und ich haben ihm das Bild geschenkt.
Ein nicht geringes Rätsel unserer Zeit ist, warum sogenannte Nachrichtenagenturen was auch immer als Trend ausschreien. Vielleicht langweilen sich die Angestellten dieser Narrenanstalten in der trüben Brühe des Weltgeschehens einfach zu arg.
Ein aktueller Artikel der dpa beginnt mit dem Satz: »Ist das ein Rotmilan?« – »Zehn junge Leute« aus der Generation Z (ein Hirngespinst minderbemittelter Soziologen) treffen sich einmal pro Woche auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel, um »mit Ferngläsern in die Luft zu gucken« – und nicht auf ihre Schuhe.
Sie birden. Entdecken sie eine Weihe, führt das zu »begeisterten Ausrufen«, was kein ernstlich Naturinteressierter je tut, weil das die Tiere gewaltig stört.
Da man in Deutschland lebt, gibt’s einen »Gruppenleiter« und eine »Koleiterin«. Die findet die Exkursionen ihres »Young Birders Clubs« »total wohltuend«, so als Antidot – Stichwörter Digitalität, Konsum, Stress usw.
Fünf solcher Vereine soll es in Deutschland geben, macht fünfzig Leute. Das ist dem Desinformationsportal Alemannia zufolge eine »Bewegung«.
Thomas und ich sind schon als Buben vorsichtig durch die Landschaft gestreift, um Vögel zu sehen. Gruppen fanden wir zum Vomieren. In der Stille und allein der phantastischen Kreatur zu begegnen, das war unser Begehr. Altmodischer Stuss, klar.
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