Zum Inhalt der Seite

Vogel des Tages: Nachrichtenagenturen

Foto: Carolina Pulice/REUTERS

Vor ein paar Tagen schaute ich absichtslos aus dem Fenster. Über den Häusern hinterm Sternplatz segelte ein Rotmilan. Das war Birding at its best, unwillentliches Vogelbeobachten.

Rechts neben der Wohnzimmertür hängt die Originalzeichnung, die F. W. Bernstein für das Buch »Kritik der Vögel«, das mein Bruder Thomas und ich verantworten, hingezaubert und uns hernach übereignet hat. Der Rotmilan war unserem Vater der liebste Gefiederte. Thomas und ich haben ihm das Bild geschenkt.

Ein nicht geringes Rätsel unserer Zeit ist, warum sogenannte Nachrichtenagenturen was auch immer als Trend ausschreien. Vielleicht langweilen sich die Angestellten dieser Narrenanstalten in der trüben Brühe des Weltgeschehens einfach zu arg.

Ein aktueller Artikel der dpa beginnt mit dem Satz: »Ist das ein Rotmilan?« – »Zehn junge Leute« aus der Generation Z (ein Hirngespinst minderbemittelter Soziologen) treffen sich einmal pro Woche auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel, um »mit Ferngläsern in die Luft zu gucken« – und nicht auf ihre Schuhe.

Anzeige

Sie birden. Entdecken sie eine Weihe, führt das zu »begeisterten Ausrufen«, was kein ernstlich Naturinteressierter je tut, weil das die Tiere gewaltig stört.

Da man in Deutschland lebt, gibt’s einen »Gruppenleiter« und eine »Koleiterin«. Die findet die Exkursionen ihres »Young Birders Clubs« »total wohltuend«, so als Antidot – Stichwörter Digitalität, Konsum, Stress usw.

Fünf solcher Vereine soll es in Deutschland geben, macht fünfzig Leute. Das ist dem Desinformationsportal Alemannia zufolge eine »Bewegung«.

Thomas und ich sind schon als Buben vorsichtig durch die Landschaft gestreift, um Vögel zu sehen. Gruppen fanden wir zum Vomieren. In der Stille und allein der phantastischen Kreatur zu begegnen, das war unser Begehr. Altmodischer Stuss, klar.

→ Sie können uns auch mit einer Spende unterstützen
Erschienen in der Ausgabe vom 11.05.2026, Seite 3, Ansichten

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
→ Leserbriefe
  • Istvan Hidy aus Stuttgart 11. Mai 2026 um 10:34 Uhr
    »Wer hat hier eigentlich den Vogel?« Antwort: alle.
Pressefreiheit schützen, Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat im Juli 2024 in der ersten Instanz entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden. Seit vielen Monaten warten Verlag und Redaktion inzwischen auf eine Entscheidung des Gerichtes, ob eine Revision möglich oder gleich ein Gang vor das oberste Gericht nötig ist.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!

Heute liegt der jungen Welt das achtseitige Extra »wein« kostenlos bei. Die Ausgabe erhalten Sie im gut sortierten Pressehandel für 2,50 Euro.