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09.05.2026
- → Ausland
Was erwarten Sie, falls Fujimori Präsidentin wird?
Der linke Kandidat Sánchez hat gute Chancen, gegen die Ultrarechte in die Stichwahlen einzuziehen, sagt Ioannys Padilla
Am 12. April fanden in Peru die allgemeinen Wahlen statt. Weiterhin gibt es kein offizielles Endergebnis. Fest steht nur, dass Keiko Fujimori – Tochter des einstigen Diktators Alberto Fujimori – in die Stichwahl um das Präsidentenamt einziehen wird. Bei dem zweiten Platz trennen den linken Kandidaten Roberto Sánchez und den rechten Rafael López Aliaga bei Auszählung von gut 98 Prozent der Stimmen nur rund 0,15 Prozent. Warum dauert das Zählen so lange?
Die Wahlen wurden vor einem Jahr geplant, es gab aber am Wahltag diverse Pannen und logistische Probleme. In der Hauptstadt öffneten manche Wahllokale erst später oder gar nicht, weshalb am Montag die Wahl in einzelnen Wahlkreisen nachgeholt wurde. Das Szenario ist komplex. Keiko Fujimori als Vertreterin der Ultrarechten und der Korruption ist sicher in der Stichwahl. Aber der linke Kandidat Sánchez, der aktuell auf dem zweiten Platz liegt, hat gute Chancen, in die Stichwahl einzuziehen. Er hat die Stimmen der ländlichen Regionen. In Lima kam er wohl nur auf zwei Prozent, aber auf dem Land hat er sehr gute Ergebnisse erzielt. Käme López Aliaga doch in die Stichwahl, stünden sich zwei ultrarechte Kandidaten gegenüber.
Wer sind Roberto Sánchez und seine Partei Juntos por el Perú (Zusammen für Peru)?
Sánchez ist ein gut vorbereiteter Kandidat, Psychologe, aktuell Kongressabgeordneter und war bis Ende 2022 Minister für Außenhandel und Tourismus in der linken Regierung von Pedro Castillo. Seine Partei Juntos por el Perú ist eine linke, manche sagen, linksradikale Partei. Zu einem seiner zentralen Wahlversprechen zählt, sich für die Freilassung des 2022 gestürzten Expräsidenten Castillo einzusetzen. Es gibt in Peru seit Jahren keine Stabilität, es gab acht Präsidenten in zehn Jahren. Das Problem ist: Sollte Sánchez wirklich die Stichwahl gewinnen, verfügt er über keine parlamentarische Mehrheit. Es könnte passieren, dass er ebenso schnell wieder gestürzt wird wie damals Castillo.
Welche Rolle spielt Castillo im Land? Er sitzt seit seinem Sturz 2022 in Haft. Es wirkt manchmal so, als würde Sánchez Castillo kopieren – ähnliche Rhetorik bis hin zu einem ähnlichen Erscheinungsbild mit dem großen Sombrero.
Castillo spielt weiter eine Rolle im Land. Er sitzt in Haft, aber es gibt keine Beweise gegen ihn. Vorgeworfen wird ihm ein »Putschversuch«, weil er damals das Parlament auflösen und Neuwahlen ausrufen wollte, um sich gegen die wiederholten Angriffe der rechten Parlamentsmehrheit zur Wehr zu setzen. Es gab davor eine große mediale, auch rassistisch geprägte Kampagne gegen ihn.
Wenn Fujimori gewinnt, was erwarten Sie von ihr?
Keiko Fujimori wird versuchen, sich eine Basis zu schaffen durch Geschenke an arme Bevölkerungsteile, die allerdings keine sozialen Veränderungen erreichen sollen. Aber das hatte ihr Vater, Alberto Fujimori (von 1990 bis 2000 Präsident von Peru, wegen Menschenrechtsverletzungen verurteilt, 2024 verstorben, jW), auch so gemacht. Sie will damit den Eindruck erwecken, für das Volk zu regieren, würde sich aber außenpolitisch an der Politik der ultrarechten Präsidenten Javier Milei in Argentinien und José Antonio Kast in Chile orientieren. Sánchez dagegen an linken und progressiven Regierungen auf dem Kontinent.
Als eines der zentralen Probleme in Peru, vor allem im Großraum Lima, gilt die gestiegene Mord- und Kriminalitätsrate. Wie sollte hier angesetzt werden?
Das ist ein großes Problem, vor allem die Morde an Beschäftigten im Transportwesen im Zusammenhang mit Erpressungen. Aber auch die Tendenz zu Morden an politischen Kandidaten oder Amtsträgern, ähnlich wie in Ecuador. Wichtig ist, eine Arbeit zu unterstützen, wie wir sie machen: Unterstützung von arbeitenden Kindern und Jugendlichen, politische Bildung, Schaffung von kritischem Bewusstsein in bezug auf die Autoritäten.
Ioannys Lesly Padilla Paico ist Sozialwissenschaftlerin und Journalistin, aktiv im Movimiento Latinoamericano y del Caribe de Niños, Niñas y Adolescentes Trabajadores (Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen in Lateinamerika und der Karibik – Molacnat) in Peru
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