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15.04.2026
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Der amerikanische (Alp-)Traum
Rücküberweisungen sind für viele lateinamerikanische Familien lebenswichtig. Doch die Auswanderung junger Menschen schafft auch Probleme
Der Landkreis San Cristóbal Cucho im Departamento San Marcos im Hochland Guatemalas steht stellvertretend für eine wirtschaftliche Entwicklung, die untrennbar mit den Remesas, den Rücküberweisungen von meist in den USA lebenden Migranten, verbunden ist. Noch vor drei Jahrzehnten gab es in weiten Teilen des Landkreises weder Strom noch fließend Wasser, erzählt eine ältere Einwohnerin gegenüber jW. Heute verfügt der Ort über eine Vielzahl an Hotels und Restaurants, einen gepflegten Sportplatz und ein kleines Stadion. Mit den wachsenden ökonomischen Möglichkeiten der Einwohner haben sich zwei private Allgemeinärzte im Ort niedergelassen, im staatlichen, kostenlosen Gesundheitszentrum gibt es nur Krankenpflegepersonal und manchmal einen Medizinstudenten. Als zentraler Grund für die wirtschaftliche Entwicklung gilt die hohe Migrationsrate. Mitte der 1980er Jahre wanderten die ersten Einwohner aus, heute hat fast jede Familie Verwandte in den USA. Gerüchten im Ort zufolge war auch der örtliche Bürgermeister mit den Coyotes, wie die Schlepperbanden in Mittelamerika genannt werden, verbunden. Über mehrere Jahre konnte man im Rathaus unter der Hand seinen Transport ohne Papiere in die USA organisieren, hieß es von mehreren Einwohnern.
Die Remesas sind für die Ökonomie in Mittelamerika mittlerweile zentral und helfen vielen Familien, das tägliche Überleben zu sichern. 2025 stiegen die Remesas auf ein neues Rekordhoch. 47,73 Milliarden US-Dollar flossen von Migranten allein nach Guatemala, Honduras und El Salvador, mit 25,5 Milliarden US-Dollar ging der Großteil nach Guatemala. Etwa sechs Milliarden US-Dollar schickten Migranten aus Nicaragua nach Hause, wobei in dem Land mit jeweils über 300 Millionen US-Dollar auch ein bedeutender Anteil aus Costa Rica und Spanien kam, der übergroße Anteil der Remesas kommt aus den USA. Gegenüber 2024 stiegen die Remesas um fast 20 Prozent an. Experten sehen die Gründe für die gestiegenen Überweisungen auch in der Verunsicherung vieler Migranten durch die restriktive Politik von US-Präsident Donald Trump. Angst vor Verhaftung und Abschiebung sowie die angekündigte Steuer für die Remesas hätte viele Migranten motiviert, mehr als zuvor zu überweisen.
Der Anteil der Rücküberweisungen am Bruttoinlandsprodukt ist hoch. In Honduras waren es 2025 30,4 Prozent, in Nicaragua 30 Prozent, in El Salvador 27,3 Prozent und in Guatemala, der stärksten Volkswirtschaft Mittelamerikas, 21,4 Prozent. Genutzt werden die Remesas für die täglichen Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Wohnen, Kommunikation und Transport. Ferner werden Schulbildung der Kinder, Investitionen in kleine Familienbetriebe, Gesundheitsversorgung und Wiederaufbau nach Naturkatastrophen mit den Remesas finanziert.
In Guatemala kommt der größte Anteil der Auswanderer aus den Departamentos des westlichen Hochlandes, neben San Marcos aus Huehuetenango, Quetzaltenango, Quiché, Sololá und Totonicapán. Huehuetenango und San Marcos verzeichnen aktuell die höchste Zahl an abgeschobenen Migranten. Insgesamt sind die Zahlen der Abschiebungen nach Mittelamerika hoch, verzeichnen aber noch keinen massiven Anstieg der von Trump angekündigten Massenabschiebungen. Nach Guatemala wurden 2025 55.000 Menschen abgeschoben, gegenüber 2024 sogar ein Rückgang von 23 Prozent. Nicaragua verzeichnete seinen bisherigen Höchststand mit 8.000 Abschiebungen, was damit zusammenhängen könnte, dass der vorübergehende Schutzstatus TPS für Migranten aus Nicaragua im September 2025 aufgehoben wurde. Honduras verzeichnete nach Presseberichten »Tausende Rückkehrer«, dies schließt aber auch jene Bürger ein, die durch das Programm der damaligen Regierung »zurück nach Hause« zurückkehrten und finanzielle Unterstützung erhielten.
Der größte Anteil der Migranten aus Guatemala kommt aus armen, häufig indigenen Familien, aber nicht unbedingt aus Familien, die in extremer Armut leben, erklärt Hector de Leon, der in Quetzaltenango bei der Organisation Ceipa (Centro Ecuménico de Integración Pastoral) arbeitet. Die Organisation, aus befreiungstheologischer Tradition kommend, betreibt seit 1989 in mehreren Departamentos im Westen Guatemalas Schulen für arbeitende Kinder. »Der Anteil unserer Schüler, die Verwandte in den USA haben, ist eher gering«, erklärt er gegenüber jW. Auswirkungen der restriktiven Politik von Trump sind gestiegene Schlepperpreise. »Die Coyotes verlangen jetzt bis zu 150.000 Quetzales (knapp 17.000 Euro), davor waren es etwa 90.000 Quetzales (gut 10.000 Euro).« Auch verschärfen sich die Bedingungen: »Früher machten die Schlepper bis zu drei Versuche, über die Grenze der USA zu kommen, und einen Teil des Geldes musste man erst nach dem Überschreiten der Grenze zahlen, das gibt es heute nicht mehr«, sagte de Leon. »Viele machen Schulden, um den Transport zu bezahlen. Da gleichzeitig die Bedingungen für Arbeit und Bildung in den USA durch die Politik von Trump immer schwerer werden, überlegen es sich viele zweimal oder spekulieren auf die neue Regierung in den USA nach Trump. Wobei natürlich keiner weiß, was dann kommt«, so de Leon abschließend.
Manche kommen daher freiwillig zurück. Diese Erfahrung hat auch Gerardo (Name geändert) gemacht, der in Quetzaltenango als Gemüseverkäufer und nebenbei noch in einer Schusterei arbeitet. Vor knapp zehn Jahren ging er ohne Papiere nach San Francisco, »eine feste Arbeit habe ich aber nie bekommen«, erzählte er. Nur als Tagelöhner, »mal Gartenarbeit, mal als Hilfskraft auf dem Bau«. Gleichzeitig stiegen die Lebenshaltungskosten in den USA, und »Monat für Monat standen mehr Leute da und warteten auf Arbeit«. Nach knapp drei Jahren ging er zurück.
Trotzdem ist die Migration weiter hoch. 500.000 Menschen sollen sich aus Mittelamerika jährlich auf den Weg machen, in den vier Ländern Guatemala, Honduras, El Salvador und Nicaragua, aus denen die meisten Auswanderer kommen, leben zusammen rund 42 Millionen Menschen. Die Migration macht sich bemerkbar: Im guatemaltekischen Hochland – eine Region mit junger Bevölkerung und hoher Geburtenrate – gibt es schon jetzt Dörfer, in denen kaum noch junge Menschen leben. Aus Honduras und Guatemala häufen sich Berichte, dass auf den großen Fincas zur Erntezeit die Arbeitskräfte fehlen, auf einigen Fincas vertrocknen die Kaffeefrüchte am Strauch.
Das Verhältnis linker und sozialer Bewegungen zur Migration ist der Lage angepasst und daher etwas widersprüchlich. Migration wird als Notwendigkeit angesehen, und politisch wird das Menschenrecht auf Migration verteidigt, glücklich ist man mit der Massenauswanderung aber nicht. Ricardo García, Gründer von Ceipa, erklärte gegenüber jW: »Wir sind gegen die Migration, wegen des Risikos, aber auch, weil es darum geht, die Bedingungen im Land zu ändern. Unseren Schülern wollen wir vermitteln, den guatemaltekischen Traum zu leben, nicht den US-amerikanischen.«
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Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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