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06.05.2026
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Bankster für Massenentlassungen
Unicredit will Commerzbank schlucken. Mit Milliardendeal droht Streichung von 7.000 Stellen
Die italienische Großbank Unicredit und ihr Chef Andrea Orcel lassen nicht locker: Am Dienstag legte das Geldhaus sein offizielles Angebot zur Übernahme weiterer Anteile an der Commerzbank vor. Ziel ist es, dort die Entscheidungsmacht zu erlangen.
Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am Montag hatten die Aktionäre der Unicredit die erforderliche Kapitalerhöhung von bis zu 6,7 Milliarden Euro bereits abgenickt. Das dürfte ihnen um so leichter gefallen sein, als zuvor ein üppiger Gewinn für das erste Quartal 2026 bekannt gegeben wurde: 3,2 Milliarden Überschuss verbuchte das Mailänder Geldhaus von Januar bis Ende März, was einem Anstieg von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach und der höchste Quartalsgewinn der Bank überhaupt ist. Die Erträge waren um fünf Prozent auf 6,9 Milliarden gestiegen. Für das gesamte Jahr rechnet die Unicredit mit einem Nettogewinn von mindestens elf Milliarden Euro.
Geld ist also reichlich vorhanden, auch für den weiteren Kauf von Commerzbank-Anteilen, deren größter Einzelaktionär die Unicredit bereits ist. Rund 35 Milliarden Euro sollen für den Tausch der übrigen Commerzbank-Aktien fließen. Seit 2024 strebt Bankchef Orcel die Kontrolle über die Frankfurter Großbank an. Davon verspricht er sich Vorteile im Privat- und Mittelstandskundengeschäft in Deutschland. Selbst wenn die Unicredit nicht gleich die 30-Prozent-Schwelle bei der Commerzbank überspringen sollte, wären die Erträge höher als die Eigenkapitalkosten, warb Orcel in einer Präsentation. Werde die Kontrolle in dem deutschen Geldhaus erreicht, schlage sich die Übernahme mit einem Wert von etwa 800 Millionen Euro vor Steuern in der Bilanz nieder. Das Zusammenfügen beider Banken könne sogar ein Plus von zwei Milliarden Euro bringen. Offen kommuniziert der Mailänder Banker auch seinen Plan, rund 7.000 der derzeit knapp 40.000 Commerzbank-Stellen zu streichen. Beschäftigungsabbau gehört stets zu Orcels Geschäftsmodell, wie er bei der bereits 2005 übernommenen Hypovereinsbank vorexerziert hatte. Die trug wiederum im ersten Quartal mit einem Nettogewinn von 586 Millionen Euro sogar zwei Millionen Euro weniger zur Unicredit-Bilanz bei als im Vorjahr.
Die Commerzbank wehrt sich seit Monaten gegen die Übernahme durch die Unicredit und weiß dabei die Bundesregierung als Großaktionärin ebenso hinter sich wie die Beschäftigten. Am Freitag wird die Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp laut Reuters eine überarbeitete Strategie präsentieren, bevor sie am 20. Mai bei der Hauptversammlung in Wiesbaden die Commerzbank-Zahlen für 2025 vorlegt. Dabei dürfte einmal mehr auch der Widerstand gegen die Unicredit-Offerte artikuliert werden. Volle Rückendeckung erhält der Vorstand auch von der Gewerkschaft Verdi, in der rund 85 Prozent der Commerzbank-Betriebsräte organisiert sind. In einem Flugblatt des für den Bankensektor zuständigen Fachbereichs kritisierte die Gewerkschaft Ende März vor allem Unicredit-Boss Orcel als unseriös. »Halten konnte er von seinen Versprechen bislang nicht viel und ist schon bei den meisten seiner anderen Übernahmeversuche gescheitert«, hieß es dort. So sei in seinem Vorgehen kein wirtschaftlich nachhaltiger Plan für die Commerzbank erkennbar.
Vor allem unterstrich Verdi, dass es eben nicht nur »um kurzfristige Gewinne für Aktionäre am Kapitalmarkt« gehen dürfe. Tausende Arbeitsplätze, Existenzen und Familien, die hinter den Arbeitsplätzen stünden, seien im Vergleich dazu als erheblich wichtiger zu bewerten. Und: »Versprochene Synergien werden bei – insbesondere feindlichen – Übernahmen nur in geringem Maße realisiert, ein überproportionaler Personalabbau hingegen ist nahezu immer festzustellen.« Deshalb sei der wachsende Zusammenhalt der Commerzbank-Belegschaft um so bedeutsamer. Mehr als 10.000 der Beschäftigten hätten sich mittlerweile an einer Unterschriftenaktion gegen die Übernahme durch die Unicredit beteiligt. Bei passender Gelegenheit, möglicherweise bereits der nächsten Hauptversammlung, sollen diese Listen überreicht werden.
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