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06.05.2026
- → Feuilleton
Warum zeigen Sie Brutalität unter Frauen?
Frauenfilmfest Köln: »One Woman One Bra« stellt die Realität landloser Frauen in Kenia dar, sagt Vincho Nchogu
Beim 43. Internationalen Frauenfilmfest, kurz IFFF, in Köln, das am Sonntag endete, feierte das Publikum Ihren Spielfilm »One Woman One Bra«, auf deutsch: »Eine Frau, ein BH«. Warum dieser Titel?
Im Film geht es um den Kampf für Unabhängigkeit und Rechte landloser Frauen in Kenia, also um ihr Eigentum am fruchtbaren Land, das sie unter harten Bedingungen bewirtschaften. Obwohl die Regierung beschlossen hatte, Eigentumsurkunden für den Landbesitz zu vergeben, gingen diese nur an Familien. Star, gespielt von Sarah Karei, ist ledig und kennt ihre Eltern nicht. Ihr droht also die Zwangsräumung aus ihrem eigenen Zuhause. Was in diesem Kontext zur Frage führt: Wer ist eine Frau, wenn sie nicht Tochter, Ehefrau oder Mutter ist? Welcher Wert wird ihr gesellschaftlich beigemessen? Der Titel »Eine Frau, ein BH« zeigt in absurder Weise auf, wie Kolonialisierung heute teilweise funktioniert. Star hofft auf die Unterstützung einer fragwürdigen NGO, die aber nur symbolisch wohltätig sein will. Statt der erhofften Geldscheine flattern den Protagonistinnen nun BHs per Brief entgegen – für jede Frau in der Ortschaft einer. Dafür interessiert sich aber niemand.
Der Film zeigt zudem Brutalität unter Frauen. Als Star, die ihre Mutter finden will, sich mit der Bitte um Hilfe an die Frauengemeinschaft des Ortes wendet, wenden sich alle von ihr ab, stehlen gar ihr Mobiliar. Warum haben Sie sich für solche Szenen entschieden?
Ich habe den Film gemeinsam mit den Bewohnerinnen des Massai-Dorfes Nkosesia und Frauen einer Wandertheatergruppe gedreht. Sie fanden es unrealistisch, eine Insel der Glückseligkeit abzubilden, wo Frauen füreinander da sind. Frauen sind Teil des kapitalistischen Systems, unterstehen Familienzwängen, leben unter Konkurrenz- und Hierarchiebedingungen. Sie hätten es Star missgönnt, würde sie unabhängig von patriarchalischen Bedingungen in ihrem Haus leben können. Und: Alles dreht sich ums Geld, das können wir nicht ausblenden. Zu sagen: »Wir kämpfen gegen die Frauenunterdrückung der Männer, dann wird alles gut«, ist falsch. Wir müssen uns entwickeln und verändern.
Die Community der Frauen in Nkosesia hat die Handlung mitbestimmt. Warum haben Sie das Dorf als Drehort ausgewählt?
Der Ort kam quasi zu mir: Er ist landschaftlich grün, für ein Massai-Dorf geradezu fortschrittlich, die Frauen sind Teil einer Theatergruppe. Dennoch gab es Probleme. Eine junge Darstellerin sollte nicht mitspielen dürfen, da sie ihren Ehemann zuvor nicht informiert hatte. Der Dorfälteste schaltete sich ein: Das bringe nur Unruhe in die Familie. Im Film sollte sie eine Frau verkörpern, die dringend Geld für ihre Schulbildung braucht. Ich hatte mich schon nach Ersatz umgesehen, doch die junge Frau wollte dabei bleiben.
Kam es beim Dreh zu weiteren Auseinandersetzungen mit Männern?
Zunächst war es nicht einfach, durchzusetzen, dass die Frauen ihre Gage überwiesen bekommen – nicht die Männer. Sie sind gewohnt, über das Geld der Familie zu verfügen. Auch fragten sie ständig nach, wann denn ihre Rollen drankommen. Sie konnten nicht glauben, dass nur Frauen im Film spielen sollten.
Welche Botschaft verbinden Sie mit Ihrem Filmschaffen?
Frauen sollten sich ihre Träume nicht von der Gesellschaft nehmen lassen. Dafür müssen wir kämpfen. Ich finde das IFFF in Köln so großartig, weil sich hier Frauen aus der internationalen Filmbranche treffen und gegenseitig unterstützen. Wir können gemeinsam für bessere Bedingungen kämpfen.
Welche konkreten Anliegen sind Ihnen wichtig?
Es geht um Produktionsbedingungen: Das Geld für einen Film kommt oft spät, die Zeit für den Dreh wird knapp. Für den Film bestand die Community zu Recht darauf, dass die grüne Landschaft zur Geltung kommen sollte. Also mussten wir auf Regen warten. Oder aber es regnete zuviel, was Zerstörung im Ort bedeutete. Die Klimakrise wirkt so auch in die Filmkultur hinein. Außerdem: Regisseurinnen sollten »Female film directors« oder »Woman filmmakers« genannt werden. Sonst könnten Frauen eines Tages aus der Filmgeschichte gelöscht werden.
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