Was macht diese Atombomben für die Region so gefährlich?
Interview: Gitta Düperthal
An Ostern gab es Proteste auch am Militärflughafen Büchel in Rheinland-Pfalz. Dieser gilt als der Ort, an dem in der BRD Kernwaffen der US-Streitkräfte lagern. Sie waren nicht zum ersten Mal dort. Was war das Ziel?
Wir waren als Teil der bundesweiten Ostermärsche in Büchel, um gegen die Stationierung der US-Atomwaffen dort zu demonstrieren. Wir müssen sie abschaffen, sonst zerstören sie uns. Aus diesem Grund haben wir dafür gekämpft, dass der Atomwaffenverbotsvertrag zustande kommt. Etwa hundert Staaten haben ihn unterzeichnet – darunter kein NATO-Staat. Wir fordern, dass die deutsche Bundesregierung ihn ratifiziert.
Wie ordnen Sie das historisch ein?
Der erste Einsatz von US-amerikanischen Atombomben fand auf die japanischen Großstädte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 statt. Mehr als 100.000 Menschen starben sofort bei den Explosionen. Als Spätfolgen kam es zu Krebserkrankungen und Missbildungen bei Kindern. Später, zur Hochphase des sogenannten Kalten Kriegs zwischen den USA und Russland in den 1980er Jahren, gab es allein in Westdeutschland etwa 5.000 Atombomben an mehr als 120 Standorten. Damals hieß es: »Wer als erster schießt, stirbt als zweiter.« Nach der Wende 1990 wurden die meisten abgezogen. Schätzungsweise noch 20 US-Atombomben des Typs B61 lagern noch in Büchel. Sie sollen durch modernere Atomwaffen ersetzt werden. Details dazu werden unter Verschluss gehalten.
Was macht diese Atombomben so gefährlich, auch für die Bevölkerung in der Region?
Wirft man so eine Bombe ab, tötet sie alles innerhalb von drei Kilometern; bei bis zu fünf Kilometern gibt es hohe Sterblichkeit. Die Zerstörung durch Druckwelle und Feuer reicht bis zu zehn Kilometer. Durch nuklearen Fallout würden über Jahrzehnte schwere Erkrankungen und frühe Todesfälle verursacht. Ginge in Büchel eine Bombe hoch, wäre es noch in Köln spürbar. Möglichkeiten zu helfen gäbe es nicht, da Krankenhäuser und zivile Infrastruktur zerstört wären. Die neuen B61-12-Bomben können bis zu maximal 50 Kilotonnen Sprengkraft haben; zum Vergleich: Die Hiroshima-Bombe hatte 13. Die Sprengkraft ist jeweils einstellbar.
Geplant ist, ab 2027 Kampfjets des US-Typs F-35A zu beschaffen, die als Nuklearträger dienen. Was hat es damit auf sich?
Die Kampfflugzeuge F-35A werden für die nukleare Teilhabe den veralteten »Tornado«-Kampfjet ablösen. Sie wurden in den Etat für die Bundeswehr mit bis zu zehn Milliarden Euro eingestellt. Der Flugplatz wurde dafür für mehr als zwei Milliarden Euro umgebaut.
Die allgemeine Krisenlage in der Welt und die erratischen Entscheidungen des US-Präsidenten Donald Trump machen die Situation gefährlicher. Hinzu kommt, dass die neuen Flieger technisch schneller sind. Selbst bei der Münchner Sicherheitskonferenz wurde angemerkt: Unter diesen Umständen hätte man die F-35A-Flieger besser nicht bestellen sollen. Die Schweiz hatte wegen steigender Kosten F-35-Kampfjets wieder abbestellt.
In Büchel demonstrierten zu Ostern etwa 300 Aktivistinnen und Aktivisten der Friedensbewegung. Warum fällt es so schwer, gerade in diesen Zeiten – Krieg im Nahen Osten, Aufrüstung auf Rekordniveau – noch viel mehr Menschen für Proteste gegen Kriegstreiberei und Militarismus zu mobilisieren?
Es ist nicht leicht, die Jugendlichen zu bewegen, aktiv zu werden. Denn die Kenntnis über all diese Gefahren wird in der Bevölkerung gering gehalten. Die Mainstreampresse berichtet kaum darüber. Wir Älteren sind mit der atomaren Aufrüstungsgefahr aufgewachsen. Damals, 1981, beteiligten sich Hunderttausende an der größten Demonstration der Friedensbewegung gegen die atomare Bedrohung im Bonner Hofgarten.
Wie wollen Sie angesichts der gegenwärtigen Medienlandschaft gegen diese Antiaufklärung angehen?
Wir schmieden breitere Bündnisse, haben uns zum Beispiel mit Greenpeace Köln zusammengetan, wo viele junge Menschen organisiert sind. Und: Wir müssen immer wieder klarmachen, es ist falsch, von einem (nuklearen, jW) »Schutzschirm« zu sprechen. Eine Atomwaffe ist niemals ein Schutz. Wer damit droht, könnte sie auch einsetzen.
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