junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Gegründet 1947 Mittwoch, 15. April 2026, Nr. 87
Die junge Welt wird von 3063 GenossInnen herausgegeben
junge Welt - 2 Wochen gratis testen! junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
junge Welt - 2 Wochen gratis testen!
Aus: Ausgabe vom 15.04.2026, Seite 3 / Inland
SDS-Kongress in Berlin

Warum sieht sich Die Linke nicht als etablierte Partei?

Es gibt Bestrebungen, aus der Linkspartei eine Klassenpartei zu machen, sagt Martha Teichert
Interview: Gitta Düperthal
unbenannt-28.jpg

Der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband, Die Linke.SDS, kündigt einen antikapitalistischen Jugendkongress in Berlin vom 12. bis 14. Juni an: »Take Back the Future«. Was ist daran antikapitalistisch?

Klimakrise, aufkommender Faschismus und Gefahr eines Weltkrieges basieren auf diesem Wirtschaftssystem, das auf Wachstum setzt. Deshalb wollen wir mit Kapitalismuskritik in den Austausch treten. Die italienische Ökonomin Clara Mattei wird zur Austeritätspolitik sprechen. Der Kapitalismus führt zu Krisen. Wenn dieses System daran arbeitet, die Macht der abhängig Beschäftigten zu brechen und Profite zu steigern, kann das den Weg in den Faschismus ebnen. Das Ausbeuten der Umwelt und imperiale Interessen, die zu Kriegen führen; dies dient dem Machterhalt von Unternehmerinnen und Unternehmern. Die arbeitende Bevölkerung wird unterdrückt. An gängige Aufstiegsversprechen glaubt niemand mehr. Wir arbeiten an der konkreten Vision einer Alternative zum Kapitalismus und organisieren Zusammenhalt, damit wir eine Zukunft haben.

Weshalb muss die Partei Die Linke bei Landtagswahlen um die Fünfprozenthürde kämpfen?

Nachhaltiger politischer Einfluss lässt sich nicht nur an Wahlergebnissen messen. Gemeinsam mit den vielen jungen Menschen, die nach der letzten Bundestagswahl eingetreten sind, wollen wir auch außerparlamentarisch gesellschaftlichen Wandel vorantreiben, linke Ideen in den Alltag hineintragen. Den Grundstein dafür legen wir beim Kongress.

Menschen fühlten sich mit ihren Sorgen von etablierten Parteien nicht ernst genommen, heißt es in Ihrer Mitteilung. Warum zählt sich die Linkspartei, die es seit 2007 gibt, nicht zu diesen?

Meiner Meinung nach hat Die Linke in vergangenen Jahren zu sehr wie andere Parteien auch agiert, ohne klares Anti-Establishment-Profil. Wir sind Teil der Partei, wollen aber unseren Ansatz einbringen, dass Politik auf solidarischem Handeln und Bewegung beruht. Es gibt jetzt Bestrebungen, eine organisierte Klassenpartei zu werden. Wir machen Wahlkampf an Haustüren und hören zu; wollen mit Gewerkschaften und deren Streiks soziale Alternativen anstreben. Darüber diskutieren wir beim Kongress mit dem Politikwissenschaftler Klaus Dörre.

Tatsächlich fischt die AfD Stimmen bei Arbeitern und Angestellten, nicht die Linkspartei – warum?

Leider propagiert die AfD erfolgreich rassistische Politik; behauptet, Ausländerinnen und Ausländer wären angeblich der Grund dafür, dass viele Menschen prekär leben müssen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wohin das führt, können wir in den USA beobachten: brutale Abschiebungspolitik, derweil die Lebenshaltungskosten für die arbeitende Bevölkerung insgesamt weitersteigen.

Wie lassen sich Aufrüstung und deutsche Kriegsbeteiligungen verhindern?

Wir sollen sterben für eine Regierung unter Kanzler Friedrich Merz, die nichts für junge Menschen tut, sondern nur auf ihnen herumhackt und sie ausbeuten will? Nicht mit uns. Wie umfassend wir in die Militarisierung gedrängt werden, zeigt die Festlegung per Gesetz, dass junge Männer ohne Genehmigung nicht länger als drei Monate ausreisen dürfen. Wir dagegen setzen auf die Frage: Hey, hast Du schon den Kriegsdienst verweigert? Wir wollen die Schulstreiks und die Friedensbewegung stärken. Bundeswehrwerbung ist allgegenwärtig. Anfang 2026 reichte der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems einen Drittmittelantrag zu gemeinsamer Forschung an einem ihrer Drohnenantriebe an der TU Dresden ein. Dagegen protestierte der SDS. Gegen Militarisierung von Forschung und Wirtschaft hilft gut organisierte Zivilbevölkerung.

Die Linke holt Stimmen im großstädtischen akademischen Millieu, jedoch kaum auf dem Land, wo Menschen sich aufgrund von fehlendem ÖPNV und mangelnder Infrastruktur abgehängt fühlen.

Stimmt. Gerade dort kostet linker Widerstand Mut. Menschen aus Kleinstädten werden es bestimmt cool finden, bei unserem Kongress auf Gleichgesinnte zu treffen. Uns ist es wichtig, sie zu unterstützen.

Martha Teichert ist im Bundesvorstand Die Linke.SDS und ­Mitorganisatorin des Kongresses »Take Back the Future« in Berlin

Probeabo

Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
 

links & bündig gegen rechte Bünde

Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.