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06.05.20261 Leserbrief
- → Feuilleton
das Schinden der Zeilen
in Berlin
2026
*
wenn ich
ein Gedicht
für diese Zeitung
schreiben tue, dann
*
verdiene ich mir
acht, neun Bier
*
in einer Kneipe
im gastronomischen Mittelfeld
ja, deutlich mehr
wären drin im Supermarkt
das stimmt, und noch mehr
könnte ich kriegen
ginge ich zum Discounter
*
drei der billigeren
Cocktail-Angebote
im RumTrader
Fasanenstraße, ließen sich
alternativ erstehen
*
erbärmlich ist
wie ich euch
das so Schritt
für Schritt
vorrechne
nicht, meine ich
*
sondern ein kapitalistischer
Frechdachs-Realismus
der ist weder verzweifelt
noch fleißig
*
der macht deutlich
dass ein wenig Zeit verstreicht
liest man, und damit musst du
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Joachim Seider aus Berlin 6. Mai 2026 um 10:52 UhrWerter Herr Sauer, was soll erst Istvan Hidy sagen? Der schreibt seit Jahren noch viel mehr und bekommt auch für klügste Gedanken garnichts. Das Brot der Schreibenden ist eben hart. Auch wenn man es in Bier einweichen »tut«.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.
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