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Aus Leserbriefen an die Redaktion

Foto: Autentic/ARTE

Was nützt es, wenn du arm bist

→ Zu jW vom 3.6.: »Reicher an Armut«

Ich bin selbst von Altersarmut betroffen und aufgrund einer niedrigen Rente aufs Pfandflaschensammeln angewiesen. Es betrifft in dieser reichen BRD besonders die Rentnerinnen und Rentner, die von Armut betroffen sind. Ich lebe in einer Kleinstadt und sehe nur selten junge Menschen bei der »Tafel« oder Flaschen sammeln. In den Großstädten dagegen ist das Elend ausgeprägter und sichtbarer. Viele Menschen vor den »Tafeln«, Obdachlose und Bettler. Und es werden immer mehr.

Als DDR‑Bürger frage ich mich angesichts dieser Bilder immer wieder: Wo sind wir nur hingekommen, was hat uns die sogenannte Wiedervereinigung, in Wahrheit die Annexion der DDR, gebracht? Ist es das wirklich wert gewesen? Ging es uns in der DDR wirklich so schlecht, wie es immer wieder behauptet wird? Woran hat es uns denn gefehlt? An Konsum und Reisefreiheit? Was nützt uns Konsum im Überfluss und Reisefreiheit, wenn du arm bist und das Geld nicht hast? Als Arbeiter ging es mir in der DDR gut, mir persönlich hat es an nichts gefehlt.

Joachim Becker, per E-Mail

»Konsequenter Antiimperialismus«

→ Zu jW vom 2.6.: »›Frieden in Europa wird es nur mit und nicht ­gegen Russland ­geben‹«

Der im beigefügten Infokasten zum »Internationalen Antifaschistischen Forum« erwähnten Kritik der KKE kann mensch sich nur anschließen: In der »militärischen Spezialoperation« verheizt der russische Staat dank absurder Fehleinschätzungen das Proletariat. Es wird zwar gut bezahlt, aber das verlorene Arbeiterleben kann durch nichts ersetzt werden. Es sind vor allem Menschen aus den ärmeren Regionen, die dem Lockruf des Geldes folgen und oft nur im Sarg zurückkommen, wenn überhaupt.

Dieser Krieg ist auch ein Verteilungskampf der großen kapitalistischen Räuberbanden USA, EU und Russische Föderation um die Überreste der Sowjetunion. Manche Wissenschaftler reden sogar von bis zu fünf Kriegen, die da geführt werden. Maximal der Donezk-Donbass-Kanal zur Wasserversorgung mag – wenn mensch an Krieg als normales Mittel der Politik glaubt – die vielen weiteren Opfer irgendwie erklären, aber darüber hinaus ist alles völlig sinnlos. Bei aller Ablehnung der antirussischen Propaganda, der Dämonisierung Putins usw.

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Die Idiotie der russischen Staatsführung, die nach wie vor kein Bemühen zum Beenden des immer sinnloser werdenden beiderseitigen Mordens und Verwüstens zu erkennen gibt, sollte mensch nicht herunterspielen. Die Menschheit hätte auch ohne diesen Krieg mehr als genug zu tun, um den einzigen uns bekannten bewohnbaren Planeten vor der Zerstörung durch Staat und Kapital zu bewahren. Konsequenter Antiimperialismus kann daher nur gewaltfrei sein (ähnlich wie Mohandas Gandhi) und jede Zusammenarbeit mit zum Imperialismus neigenden Nationalstaaten meiden, wo es nur geht!

Martin Mair, Söchau

Für eine friedliche Beilegung

→ Zu jW vom 28.5.: »Welche Rolle kann der Weltfriedensrat spielen?«

Die Mission des Weltfriedensrats ist von unschätzbarer Bedeutung. In einer Zeit, in der Konflikte und Krisen die Welt erschüttern und die Länder keinen konstruktiven Dialog führen können, sind solche Organisationen ein Lichtblick und die Hoffnung der Menschheit.

Eine rasche, friedliche Beilegung des Konflikts und ein Waffenstillstand in der Ukraine sind dringend erforderlich. Die Sicherheit nationaler Minderheiten in der Ukraine verdient besondere Aufmerksamkeit. Dieses Problem betrifft alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens der ethnischen Ungarn, Rumänen, Tschechen, Polen und Russen. Kiew ist der Ansicht, dass diese Menschen keine Möglichkeit haben sollten, ihre Sprache zu lernen und ihre Kultur zu pflegen. Es wurden strenge Ukrainischquoten im Fernsehen, Radio, im Dienstleistungssektor, im Verlagswesen und in den Printmedien eingeführt. Die Lage ist so kritisch, dass Budapest sogar erklärt hat, eine Einigung über die Rechte ungarischer Minderheiten sei eine zentrale Bedingung für den EU-Beitritt der Ukraine. (…)

Max Krüger, Köln

»Mitschuldig an der wirtschaftlichen Erdrosselung«

→ Zu jW vom 3.6.: »Der letzte Comandante«

Im Mai 1957, also zu einer Zeit, als die Rebellenarmee in der Sierra Maestra gegen die blutige Batista-Diktatur in Kuba kämpfte, weilte der Diktator Fulgencio Batista auf Einladung der Adenauer-Regierung zu einem Staatsbesuch in der BRD. Am 28. Mai 1957 erhielt dieser blutrünstige, von den USA unterstützte Diktator aus den Händen des Bundespräsidenten Theodor Heuss die höchste Auszeichnung, die die BRD zu vergeben hat: die Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der BRD. Pikant ist dabei, dass Bundespräsident Theodor Heuss derselbe Theodor Heuss war, der am 24. März 1933 als Abgeordneter der Deutschen Staatspartei im Reichstag für das Ermächtigungsgesetz Hitlers stimmte, durch das Hitler diktatorische Vollmachten übertragen bekam.

Eine Hand, die für Hitlers Diktatur stimmte, hatte keine Probleme damit, blutigen Diktatoren die Sonderstufe des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zu verleihen. (Auch die Diktatoren Héctor Trujillo, Dominikanische Republik, und Anastasio Somoza, Nicaragua, wurden mit diesem Orden geehrt.) Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die jetzige Bundesregierung sich nicht zu den aktuellen militärischen Drohungen und zur Energieblockade der US-Regierung gegen Kuba äußert und den NATO-Bündnispartner stillschweigend die »Drecksarbeit« erledigen lässt. Von Verurteilung der völkerrechtswidrigen US-Maßnahmen keine Spur.

Die Bundesregierung versteckt sich hinter ihrer Stimmabgabe in der UNO für die Aufhebung der Blockade und verschweigt gleichzeitig, dass sie die EU-Direktive 2271/96 nicht befolgt, die es allen juristischen und natürlichen Personen in der EU verbietet, sich den exterritorialen Auswirkungen der einseitigen US-Strafmaßnahmen zu unterwerfen. Damit ist sie mitschuldig an der wirtschaftlichen Erdrosselung Kubas. (…)

Gerhard Mertschenk, per E-Mail

Wo sind wir nur hingekommen, was hat uns die sogenannte Wiedervereinigung, in Wahrheit die Annexion der DDR, gebracht? Ist es das wirklich wert gewesen?

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Erschienen in der Ausgabe vom 08.06.2026, Seite 14, Leserbriefe

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