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28.04.2026
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Steil nach oben
Radsport: Der französische Wunderknabe Paul Seixas beeindruckt beim Flèche Wallonne und Lüttich–Bastogne–Lüttich. Tadej Pogačar und Demi Vollering siegen weiter
Das seltene Triple würde dieses Jahr niemand schaffen: Das stand schon fest, noch bevor am Sonntag der letzte der drei sogenannten Ardennenklassiker begann. Remco Evenepoel (Red Bull – Bora – Hansgrohe), der eine Woche zuvor das Amstel Gold Race souverän gewonnen hatte, ließ am Mittwoch die Flèche Wallonne aus. Dass er und Tadej Pogačar (UAE Team Emirates – XRG) abwesend waren, schmälerte indes kaum den Triumph des Debütanten Paul Seixas (Decathlon CMA CGM Team) an der Mauer von Huy. Indem er sich auf dem grotesk steilen Schlusskilometer früh absetzte, zeigte der 19jährige zugleich an: Pogačar und Evenepoel würden beim nun folgenden Lüttich–Bastogne–Lüttich den Sieg nicht unter sich ausmachen können wie von 2021 bis 2025.
Der französische Wunderknabe Seixas, dessen mittelfristigen Verbleib bei einem heimischen Rennstall angeblich Präsident Emmanuel Macron persönlich gewährleisten will, ließ seine Mannschaft früh Pogačars Helfer bei der Tempoarbeit im Peloton unterstützen. Kaum dass in Lüttich der Startschuss zur 112. Austragung abgefeuert war – die TV-Kameras waren noch aus –, hatte sich nämlich irgendwie eine 52köpfige Spitzengruppe abgesetzt. Die enthielt niemand Geringeren als Evenepoel. Der 26jährigen Belgier war freilich auf sich allein gestellt, sobald der zweite von insgesamt elf klassifizierten Anstiegen absolviert und sein Edelhelfer Nico Denz erschöpft war. Da war immer noch knapp die Hälfte der 259,5 Kilometer langen, sehr hügeligen Strecke zu bewältigen, weshalb Evenepoel seine Kräfte schonte, so dass der vorübergehend fast vierminütige Vorsprung kontinuierlich schmolz und 82 Kilometer vorm Ziel die letzten verbliebenen Ausreißer eingeholt wurden.
Auf den nächsten 46 Kilometern ließ Pogačars UAE Team nichts anbrennen, um seinem Kapitän an der Côte de la Redoute dann den allseits erwarteten Angriff vorzubereiten. Dem 27jährigen Slowenen konnte nur der acht Jahre jüngere Seixas folgen, während Evenepoel überraschenderweise schon zu Beginn des 1,6 Kilometer langen Anstieges abgehängt war. Dieser bewies in der unübersichtlichen Verfolgung aber seine gewohnte Resilienz und neutralisierte vier Kilometer vorm Ziel einen (zweiten) Fluchtversuch von Mattias Skjelmose (Lidl – Trek), um auf der Zielgeraden aus einer 22köpfigen Gruppe seine neugewonnene Sprintstärke zu demonstrieren und auf Platz drei einzufahren. Den Sieg hatte sich zum vierten Mal Pogačar gesichert, nachdem er am letzten Anstieg, der Côte de la Roche-aux-Faucons, doch noch Seixas hatte abschütteln können. Dass der Teenager bei seinem Lüttich-Debüt gleich Zweiter werden konnte, dürfte die Spekulationen über eine Teilnahme an der Tour de France anheizen. Hinsichtlich des Leistungsvermögens des unbekümmerten Shootingstars scheinen der Phantasie kaum Grenzen gesetzt.
Demi Vollering (FDJ United – SUEZ), der 2023 tatsächlich das Ardennen-Triple gelungen war, hatte am Mittwoch zum zweiten Mal die Flèche gewonnen. Dabei gab sie früh Vollgas, nachdem sie beim Amstel allzu lange auf ihre erschöpften Helferinnen vertraut hatte. »Früh« heißt an der berüchtigten Mur de Huy freilich: einen halben Kilometer vor der Ziellinie. Bei der zehnten Austragung des Frauenrennens von Lüttich–Bastogne–Lüttich erneut so wagemutig aufzutreten hieß dagegen: 36 Kilometer Solofahrt. Dieser Angriff wurde der 29jährigen Niederländerin von ihren Kolleginnen perfekt vorbereitet, die am Sonntag wieder gewohnte Stärke zeigten. Als sich nach gut zwei Dritteln der 156-Kilometer-Strecke eine prominente Spitzengruppe bildete, sicherten Elise Chabbey und Juliette Berthet dem Team FDJ unter sieben Fahrerinnen die relative Mehrheit. Nachdem das Septett wieder eingeholt worden war, waren Chabbey und Berthet auch prompt am Fuße der Redoute zur Stelle, um eine weitere Kollegin bei der forcierten Tempoarbeit für Vollering abzulösen.
Deren Attacke konnte die Vorjahressiegerin Puck Pieterse (Fenix-Premier Tech) ebensokurz mitgehen wie Kasia Niewiadoma (Canyon Sram Zondacrypto), die in Lüttich bei neun vorherigen Teilnahmen nie schlechter war als Elfte, aber auch nie besser als Dritte. Die 31jährige Polin arbeitete mit der acht Jahre jüngeren Niederländerin zusammen, ohne jedoch Vollerings Vorsprung reduzieren zu können. Die beiden Verfolgerinnen wurden lange von Isabella Holmgren (Lidl – Trek) begleitet, bevor das kanadische Nachwuchstalent neun Kilometer vorm Ziel durch eine Beschleunigung Anna van der Breggens (Team SD Worx – Protime) abgehängt wurde. Die hatte erst einen Kilometer zuvor den Anschluss gefunden und damit zum wiederholten Mal ihre Zähigkeit unter Beweis gestellt. Dennoch: Im erwartungsgemäß von Pieterse gewonnenen Sprint um die verbliebenen Podiumsplätze ging die 36jährige Niederländerin, die 2017 selbst das Amstel-Triple gewonnen hatte, erwartungsgemäß leer aus.
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