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WM-Kolumne

Erörterung

Gras

Foto: Sven Simon/imago
Das Grinsen ist festgetackert: Katrin Müller-Hohenstein

Dass sich die Koalitionspartner »eine [sic!] Stück weit bereit hätten«, rekommandierte ­Markus Söder neulich in einem wie immer erschütternd überflüssigen Fernsehinterview, und ich rätselte fortan, was dem bayerischen Ministerregenten da kurz vorher, vor dem Sprechakt, durch den Denkapparat gekugelt war, also gewissermaßen durch den Kopf.

»Der Kopf«, klärte mich dann am 2. Juni der Eurosport-Experte Patrik Kühnen während der French Open zwischenzeitlich auf, ist ja »das letzte Ressort, wo du hingehen kannst«. Aber auch mit diesem Satz kam ich bei näherer Betrachtung irgendwie nicht klar.

Meine Verwirrung wuchs, bis am Montag, am 8., Philipp Köster, der Chefredakteur von 11 Freunde, völlig überraschend im ZDF-»Morgenmagazin« auftauchte und Transparenz in die oder in meine Welt brachte. Er werde observieren, sagte der Magier der nichtigen Assertion, »wie dieses Fußballturnier instrumentalisiert wird« und wie man die Fans an der Nase herumführe, doch »am Ende ist es immer ein bisschen wichtig, sich auf den Fußball selber auch zu besinnen«, und »vielleicht klappt’s ja dieses Jahr« für die Niederländer.

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»Time is a flat circle« (»Zeit ist ein flacher Kreis«), schoss mir durch den nebligen Schädel. Das grummelt der geniale Matthew McConaughey als kettenrauchender und dauersaufender Ermittler Rust Cohle in der ersten Staffel von »True Detective«, der eventuell besten TV-Anthologieserie aller Äonen.

Die ewige Wiederkehr der in gackernder Einfalt dargebotenen Erörterung von Sachverhalten, die keine sind und daher der Erörterung verschlossen bleiben – nichts Genaues weiß man nicht, hieß es mal –, lässt der zweite deutsche Staatskanal in einem neuen, mit gähnenden Rentnern und angeödeten Schülern vollgestopften »wm studio« inszenieren (das Divis scheint mittlerweile nationalsozialistisch zu sein, die Großschreibung gleichfalls). Der Moderator Mitri Sirin, dieses öffentlich-rechtliche Brechmittel auf zwei Turnschuhfüßen, kündigt am Dienstag »eine der besten, der sympathischsten und, äh, coolsten Kolleginnen, die man sich vorstellen kann«, an, und die Katrin, die Müller-Hohenstein, platzt vor Grinseerregung und dissoluter Selbstbegeisterung, inhaliert einen Einspieler über »­Highlights der Karriere von Katrin« (Mitri; die Highlights haben sie unterwegs verloren) und faselt ins Halbrund, »dass das Gefühl für ›jetzt geht die WM los‹ in dem Moment beginnt, in dem ich das erste Mal in unserem Set bin«, das mit »dieser phantastischen Leinwand« »sehr cool« sei.

Dave Flett ist ein exquisiter Gitarrist.

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Erschienen in der Ausgabe vom 11.06.2026, Seite 16, Sport

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