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Vermittler Russland?

Irans Außenminister in St. Petersburg

Von Reinhard Lauterbach
Foto: Dmitri Lovetsky/Pool via REUTERS
Abbas Araghtschi und Wladimir Putin am Montag in Sankt Petersburg

Warum der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sich nach Stationen in Pakistan und Oman auf die Reise in den spätwinterlich unwirtlichen Norden Europas begeben hat, liegt einerseits auf der Hand: Er wolle, sagte er selbst bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von St. Petersburg, mit Wladimir Putin über diplomatische Lösungsmöglichkeiten für den festgefahrenen Konflikt des Iran mit Israel und den USA beraten. Als sich der iranische Minister letzte Woche in Islamabad eingefunden hatte, versetze ihn die US-Seite und erklärte, es sei keine 18 Stunden Flug wert, »über nichts zu reden«. Dabei hatte der Iraner einen Vorschlag im Gepäck gehabt, der zumindest erlaubt hätte, eine für die globale kapitalistische Wirtschaft pragmatische Kompromisslösung zu finden: Öffnung der Straße von Hormus und Verschiebung des Themas der Atomanreicherung auf später. Das war für Israel und die USA inakzeptabel. Lieber soll die Weltwirtschaft vor die Hunde gehen, als dass sie von ihrem zentralen Kriegsziel ablassen, das iranische Atomprogramm zu beenden.

So weit, so unerfreulich. Was aber andererseits könnte Russland in dieser Situation tun? Ein Land, das selbst unter Sanktionsdruck steht und mit dem US-Präsident Donald Trump glaubt, nach Gutdünken umspringen zu können? Von den EU-Staaten ganz abgesehen, die zwar einerseits niemand fragt, die aber sofort die Schnappatmung bekommen, sobald Russland irgend etwas unterhalb seiner eigenen Kapitulation vorschlägt? Auf eine direkte militärische Unterstützung des Iran wird sich Wladimir Putin nicht einlassen wollen. Informell hat Russland dem Iran zwar durchaus geholfen: etwa durch die Bereitstellung von Aufklärungsdaten über US-Stützpunkte am Persischen Golf. Aber nachdem die unmittelbaren Kampfhandlungen im Moment eingestellt worden sind, ist solche diskrete Hilfe obsolet geworden. Ob sich eine Verlagerung der iranischen Uranvorräte an einen sicheren Ort in Russland mit Erfolg und vor allem auf Dauer verheimlichen ließe, kann man bezweifeln, und es würde Russland auch in einen Konflikt mit Israel hineinmanövrieren, den Wladimir Putin bisher zu vermeiden gesucht hat. Und eine auf die bisher nicht schlechten Beziehungen zwischen Moskau und Jerusalem gestützte russische Einflussnahme auf Israel, um dessen Kriegsziele zu mäßigen, gehört wohl eher in den Bereich des Wunschdenkens. Zumal einige der übelsten Hardliner in Israel sowjetische Wurzeln haben.

Es bleiben also warme Worte von der Art, die Irans Botschafter in Moskau am Vorabend des Besuchs von Araghdschi gepostet hat: Russland und Iran stünden in einer Front gegen hegemoniale Bestrebungen und den Druck auf Staaten, die einen unabhängigen und auf Gerechtigkeit zielenden Kurs verfolgten. Zwei zu Parias gemachte Staaten versichern einander, dass sie nicht völlig isoliert sind, weil ja zumindest sie noch miteinander reden.

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Erschienen in der Ausgabe vom 28.04.2026, Seite 3, Ansichten

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