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Vermittler Russland?
Irans Außenminister in St. Petersburg
Warum der iranische Außenminister Abbas Araghtschi sich nach Stationen in Pakistan und Oman auf die Reise in den spätwinterlich unwirtlichen Norden Europas begeben hat, liegt einerseits auf der Hand: Er wolle, sagte er selbst bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von St. Petersburg, mit Wladimir Putin über diplomatische Lösungsmöglichkeiten für den festgefahrenen Konflikt des Iran mit Israel und den USA beraten. Als sich der iranische Minister letzte Woche in Islamabad eingefunden hatte, versetze ihn die US-Seite und erklärte, es sei keine 18 Stunden Flug wert, »über nichts zu reden«. Dabei hatte der Iraner einen Vorschlag im Gepäck gehabt, der zumindest erlaubt hätte, eine für die globale kapitalistische Wirtschaft pragmatische Kompromisslösung zu finden: Öffnung der Straße von Hormus und Verschiebung des Themas der Atomanreicherung auf später. Das war für Israel und die USA inakzeptabel. Lieber soll die Weltwirtschaft vor die Hunde gehen, als dass sie von ihrem zentralen Kriegsziel ablassen, das iranische Atomprogramm zu beenden.
So weit, so unerfreulich. Was aber andererseits könnte Russland in dieser Situation tun? Ein Land, das selbst unter Sanktionsdruck steht und mit dem US-Präsident Donald Trump glaubt, nach Gutdünken umspringen zu können? Von den EU-Staaten ganz abgesehen, die zwar einerseits niemand fragt, die aber sofort die Schnappatmung bekommen, sobald Russland irgend etwas unterhalb seiner eigenen Kapitulation vorschlägt? Auf eine direkte militärische Unterstützung des Iran wird sich Wladimir Putin nicht einlassen wollen. Informell hat Russland dem Iran zwar durchaus geholfen: etwa durch die Bereitstellung von Aufklärungsdaten über US-Stützpunkte am Persischen Golf. Aber nachdem die unmittelbaren Kampfhandlungen im Moment eingestellt worden sind, ist solche diskrete Hilfe obsolet geworden. Ob sich eine Verlagerung der iranischen Uranvorräte an einen sicheren Ort in Russland mit Erfolg und vor allem auf Dauer verheimlichen ließe, kann man bezweifeln, und es würde Russland auch in einen Konflikt mit Israel hineinmanövrieren, den Wladimir Putin bisher zu vermeiden gesucht hat. Und eine auf die bisher nicht schlechten Beziehungen zwischen Moskau und Jerusalem gestützte russische Einflussnahme auf Israel, um dessen Kriegsziele zu mäßigen, gehört wohl eher in den Bereich des Wunschdenkens. Zumal einige der übelsten Hardliner in Israel sowjetische Wurzeln haben.
Es bleiben also warme Worte von der Art, die Irans Botschafter in Moskau am Vorabend des Besuchs von Araghdschi gepostet hat: Russland und Iran stünden in einer Front gegen hegemoniale Bestrebungen und den Druck auf Staaten, die einen unabhängigen und auf Gerechtigkeit zielenden Kurs verfolgten. Zwei zu Parias gemachte Staaten versichern einander, dass sie nicht völlig isoliert sind, weil ja zumindest sie noch miteinander reden.
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Onlineabonnent*in Stephan K. aus B. 28. Apr. 2026 um 10:50 Uhr»Zwei zu Parias gemachte Staaten versichern einander, dass sie nicht völlig isoliert sind, weil ja zumindest sie noch miteinander reden.« Die Sache mit den »Parias« klappte nur in einem ziemlich kleinen, wenn auch mächtigen Teil der Welt. Beim größeren »Rest der Welt« schaut die Sache anders aus. Es scheint global eher ein Bonus statt ein Malus zu sein, vom kollektiven Westen als Paria und nicht als Vasall gesehen zu werden.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 28. Apr. 2026 um 09:47 UhrVermittler Russland? Warum eigentlich nicht? So wie die USA es geschafft haben, gleichzeitig als Beteiligte und als vermeintliche Vermittler im Ukraine-Krieg aufzutreten, ließe sich eine ähnliche Rolle auch für Russland denken – wenn auch mit einer gewissen Ironie. Der Konflikt mit dem Iran deutet auf eine neue, instabile Weltordnung hin, in der sich oft der Skrupelloseste durchsetzt. Das Eingreifen der USA und Israels erfolgte nicht allein aus zwingender strategischer Notwendigkeit, sondern auch deshalb, weil ihnen faktisch niemand Einhalt gebieten konnte – weder Russland noch China oder Indien, und schon gar nicht Europa. In einem solchen fragilen Gleichgewicht nehmen die Risiken für Konflikte zu. Gleichzeitig bleiben diese meist regional begrenzt, da keine Großmacht bereit ist, eine direkte Konfrontation mit einer anderen zu riskieren. Ein globaler Krieg erscheint weiterhin unwahrscheinlich. Doch insgesamt wird die Welt konfliktanfälliger. Die aktuelle Waffenruhe im Nahen Osten dürfte kaum von Dauer sein. Ohne belastbare Sicherheitsmechanismen ist vielmehr mit einer Fortsetzung und Häufung solcher Konflikte zu rechnen.
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