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27.04.2026
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Strukturwandel der Druckerbranche
Umbrüche in der deutschen Druckindustrie: Vielerorts Werkschließungen und großangelegter Stellenabbau. Branchenriese Heidelberger Druck macht nun in Drohnen
Die deutsche Druckindustrie befindet sich in einer Phase des strukturellen Wandels. Um das festzustellen, reicht es, sich allein mit den Branchenmeldungen der vergangenen Wochen zu beschäftigen. Erst letzten Dienstag wurde bekannt, dass der renommierte Maschinenhersteller Manroland Sheetfed in Offenbach seinen Betrieb einstellt. Bereits zum 31. Mai soll dort die Fertigung neuer Druckmaschinen enden, der reguläre Geschäftsbetrieb erlischt. Die Mehrheit der fast 800 Beschäftigten wird ihre Jobs verlieren. Der Konzern kann auf eine bis ins 19. Jahrhundert reichende Geschichte zurückschauen.
Manuel Schmidt von der Gewerkschaft IG Metall kritisierte, es habe »seit Jahren keinerlei Investitionen« gegeben. Das Unternehmen sei »ausgeblutet«. Schmidt forderte »eine gut ausgestattete Transfergesellschaft, um den Beschäftigten eine echte Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen«. Es sei ein »schwarzer Tag für die Beschäftigten, ihre Familien und die gesamte Region«.
Kaum weniger dramatisch ist die Lage bei der Firma Polar, ehemals Weltmarktführer bei der Herstellung industrieller Papierschneidemaschinen. Bei dem Konzern mit Sitz in Hofheim läuft seit Mitte April ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll Zeit verschaffen, um einen Investor zu finden und das Unternehmen umzustrukturieren.
Auch in Franken sieht es nicht gut aus: Beim Verlag Nürnberger Presse, Herausgeber der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, sollen bis Ende 2027 etwa 200 Stellen abgebaut werden – bei einer Gesamtbelegschaft von knapp 800 Personen keine Kleinigkeit. Das wurde schon Ende 2025 bekannt. Die Görres-Druckerei im rheinland-pfälzischen Neuwied wiederum schließt nach 132 Jahren zum Ende dieses Monats die Werktore. 42 Beschäftigte erhielten laut Verdi-Zeitschrift Druck und Papier bereits im Januar die Kündigung.
Im Südwesten der Bundesrepublik zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Dort hatte erst voriges Jahr die Neue Pressegesellschaft Ulm (Südwest-Presse) die konkurrierende Medienholding Süd (unter anderem Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten und Schwarzwälder Bote) übernommen. Von etwa 150 Arbeitsplätzen sollen bis Ende 2028 etwa die Hälfte abgebaut werden. Und auch im Norden: Wie das Branchenportal Print.de im Februar berichtete, schließen der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag und die Bruns Druckwelt GmbH noch in diesem Jahr zwei Werke. Die Druckerei in Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) soll spätestens Ende des Jahres den Betrieb einstellen, am Standort im ostwestfälischen Minden ist bereits Ende September Schluss.
Gut läuft es hingegen für den Druckdienstleister Cewe, dessen Angebot sich auf individualisierte Fotobücher und Kalender konzentriert. Der Umsatz der Konzerngruppe kletterte im vergangenen Geschäftsjahr auf 864,5 Millionen Euro, das operative Geschäft auf 88,2 Millionen Euro.
Einen ganz eigenen Weg geht indes die Heidelberger Druckmaschinen AG, in der Regel einfach Heidelberger Druck genannt: Der seit 175 Jahren weltweit führende Hersteller von Druckmaschinen steigt ins Geschäft mit militärischen Drohnen ein. Im März dieses Jahres gründete der Konzern gemeinsam mit dem israelisch-US-amerikanischen Drohnenspezialisten Ondas ein Joint Venture mit dem Namen Onberg. Unter diesem soll am Standort Brandenburg an der Havel ein System produziert werden, das eindringende Drohnen durch Radar, Infrarot und GPS-Störsender »neutralisiert«. »Das Joint Venture mit Ondas ist erst der Anfang. Es werden noch weitere Projekte und Kooperationen folgen«, erläuterte der Vorstandsvorsitzende Jürgen Otto gegenüber dem Handelsblatt seine Ambitionen.
Dem zeitweise kriselnden Maschinenbauer könnte der Einstieg ins Rüstungsgeschäft zum rettenden Anker werden. Dies sieht offenbar auch der Aufsichtsrat so: Am 13.April verlängerte er den Vertrag für CEO Otto vorzeitig bis zum Juli 2029. Der Vertriebsvorstand David Schmedding kann sich sogar auf eine Vertragsverlängerung bis Juni 2031 freuen. Begründung laut Handelsblatt: die »strategische Klarheit und das leidenschaftliche Engagement« der beiden.
Der Konzern will bereits im kommenden Jahr den Umsatz in der Sparte, in die das Drohnengeschäft fällt, auf 100 Millionen Euro verdoppeln. Mittelfristig soll die Verteidigungstechnik einen signifikanten Umsatzanteil am gesamten Konzern ausmachen. Bereits im Juli 2025 gab das Unternehmen laut Handelsblatt eine Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft mit dem Energieregelungsspezialisten Vincorion ab. Vincorion produziert unter anderem Generatoren für den Kampfjet »Eurofighter«, Komponenten für den Panzer »Leopard 2«, NATO-Hubschrauber sowie für das »Patriot«-Raketensystem.
Das Ausweichen auf andere Güter ist derweil für Heidelberger Druck nicht ganz neu. Seit einigen Jahren produziert der Konzern Ladesäulen für Elektroautos. Über ihre Tochtergesellschaft Amperfied werden private Wallboxen gefertigt und auch Anlagen, die für öffentliche Standorte wie Parkplätze, Supermärkte oder Parkhäuser konzipiert sind. Der Einstieg in Militärtechnik ist nichtsdestoweniger ein gewichtiger Umbruch in der Nachkriegsgeschichte der Firma.
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