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27.04.2026
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Verbrenner des Tages: Deutsche Regierung
Raum und Zeit. Kompliziertes Zeug. Erlebt jeder anders, hängt eng zusammen. Autofahren, gutes Beispiel: Das räumliche Volumen des Tanks enthält die Substanz, die es erlaubt, Raum schneller und bequemer zu durchqueren und so mehr von der übrigen Lebenszeit zu haben. Der Spritgrundstoff Erdöl wiederum ist Produkt von Jahrmillionen der kombinierten Wirkung thermischer und chemischer Energien auf organisches Material; sein Verbrennen setzt viele Kubikmeter von Schadstoffen frei, die die Lebensbedingungen der Zukunft verschlechtern. Der Verbrennungsmotor erkauft die Raumdurchquerung im Hier und Jetzt mittels der Kadaver von Vergangenheit und Zukunft.
Geschickten Umgang mit dem Lauf der Zeit pflegen auch Friedrich Merz und seine Entourage. Zumindest muss man die Idee, den Leuten wäre in Zeiten der in die Höhe schnellenden Spritpreise irgendwie geholfen, wenn die Erhöhung nur einmal am Tag kommt, schon als höhere Chronomagie ansehen. Auch das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung fand nun heraus, was eh klar war: Die Konzerne haben die Preise einfach prophylaktisch so weit erhöht, wie sie es für angemessen halten. »Übergewinne« wurden eingeheimst, als ob es kein Morgen gäbe, eben weil in den Chefetagen niemand so doof ist, zu denken, es gäbe kein Morgen. Sechs Cent lagen die Gewinnmargen in den zwei Wochen nach Einführung der Regel über denen zuvor.
Gar nicht so ungeschickt von Merz und Co.: Ein Systemkollaps steht nicht gleich zu befürchten; der BRD ging es lange sehr gut, die meisten können die Mehrkosten schon irgendwie stemmen, ohne dass die Regierung ernstlich in den freien Markt eingreifen muss. Die Zukunft ist eh egal, weil sich dann schon wer anders drum kümmert. In diesem Sinn gleicht die BRD dem Verbrennungsmotor: Per Opferung von Vergangenheit und Zukunft wird auf Biegen und Brechen der Status quo finanziert.
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