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Aus: Ausgabe vom 04.02.2026, Seite 16 / Sport
Nolympia

Berlin verliert

Der Berliner Senat rührt die Werbetrommel für seine Olympiabewerbung
Von David Fischer
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Kann man sich sparen: Olympia in Berlin

Eine beeindruckende Kulisse: Im Velodrom, kurz vor Beginn des Sechstagerennens, präsentierte die Landesregierung vergangenen Freitag unter dem Slogan »Berlin gewinnt mit Olympia« ihre Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele. Ausgerechnet das Velodrom, Beton gewordenes Mahnmal des Größenwahns der 90er Jahre, einer weiteren gescheiterten Berliner Olympiabewerbung. Nie fertiggestellt, befindet sich etwa die Hälfte des Komplexes noch im Rohbau. Da wirkt es wie Hohn, dass Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) für etwaige Spiele in der Stadt erneut Nachhaltigkeit versprach und einen »Mehrwert für alle«. Bis zu 90 Prozent der nötigen Sportstätten seien bereits vorhanden, wiederholte sie – eine »stark geschönte« Rechnung, wie Kristian Ronneburg, sportpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke im Berliner Abgeordnetenhaus, bereits vergangenen Juni mittels einer Anfrage herausfand. Denn inkludiert sind auch »zu ertüchtigende« und »temporär zu errichtende« Sportstätten, etwa Hangars in Tempelhof, in denen geboxt werden könnte.

Olympia als sozialverträglicher Modernisierungsschub. Die Erzählung, die seit Jahrzehnten fester Bestandteil olympischer Werbeprosa ist, wurde dieses Mal um den Faktor Kinder ergänzt. »Für euch tun wir das«, richtete der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) das Wort an über hundert eigentlich schulpflichtige Kinder, die seine Bühne garnieren mussten. Wegner versprach bessere Sportinfrastruktur, Investitionen und mehr Zusammenhalt in der Stadt. Wer sich gegen Olympia stellt, so die unausgesprochene Botschaft, stellt sich gegen die Jugend. Auch einige Olympioniken, die die Kampagne unterstützen, waren vor Ort. Ronald Rauhe, Kanu, sah man da, und Robert Förstemann, Bahnradsport. »Gebt die Spiele den Kindern« war aus allen Mündern zu hören, auch dem der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), die zudem flächendeckenden Schwimmunterricht ab der ersten Klasse versprach – »weil wir dann die Infrastruktur haben werden«. Olympia als Hebel für Selbstverständlichkeiten; die vor der Bühne sitzenden Kinder jedoch könnten bis dahin alle ertrunken sein.

Mit dem neuen Slogan und den vorgestellten Kampagnenmotiven wird nun in Berlin und den sozialen Netzwerken geworben. Das scheint bitter nötig. Die Gefälligkeits-Volksinitiative des Landessportbundes erreichte mit 28.000 Unterschriften zwar das Quorum, jedoch nur sehr mühsam angesichts der 80.0000 organisierten Sportlerinnen und Sportler. Im November hatte eine Umfrage im Auftrag des Tagesspiegels die große Ablehnung einer Bewerbung durch die Berliner gezeigt: gut zwei Drittel der Befragten sprachen sich dagegen aus. Der Berliner Bewerbung droht, was die Senatsverwaltung jetzt zu simulieren versucht: Bürgerbeteiligung. Das Berliner NOlympia-Bündnis hat erste Schritte für ein Volksbegehren eingeleitet.

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