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27.05.2026, 14:56:10
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Showdown in Jekaterinburg
Nach langer Wartezeit: Der Deutsche Michael Eifert boxt am Samstag gegen den russischen Dominator Dmitry Bivol um die IBF- und WBA-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht
Die Kontrahenten stehen sich gegenüber: Dmitry Bivol und Michael Eifert. Der Topfavorit und der Außenseiter. Auge in Auge, fester Blick. Pressekonferenz, Dienstag vormittag. In Jekaterinburg, der »Hauptstadt des Urals«. Genauer: Im Atrium-Saal der »RCC Academy« mit seinen vertikalen kupferfarbenen Metallpaneelen. Dem Medien- und Eventbereich des Hauptgebäudes der Russian Copper Company (RCC). Einem der größten Metall- und Bergbaukonzerne Russlands mit firmeneigener Boxsportabteilung, der RCC Boxing.
Das Duo wird um zwei Weltmeistertitel im Halbschwergewicht fighten. Um den Gürtel nach Version der IBF und den der WBA – obendrauf gibt es noch den Gürtel des legendären Magazins The Ring. Am Samstag, den 30. Mai, in der zum Boxtempel umgebaute topmoderne UMMC Arena im Südwesten Jekaterinburgs. Ein Doppel-Titelkampf passend zum Jubiläum, zum zehnjährigen Bestehen von Veranstalter RCC Boxing. Bemerkenswert: Es ist einer der bedeutendsten Kämpfe eines deutschen Boxers im Ausland. Oder wie Eifert gegenüber dem Autor betont: »Das ist mein sportlicher Höhepunkt.« Mit Abstand. Bisher jedenfalls.
Aber: Der Kampf wenige Tage vor dem Showdown ist ein Politikum, ein Boxsport-Politikum. Wegen des Ukraine-Krieges, wegen des Austragungsortes Russland. Viele Medien in der BRD ignorieren den Fight geflissentlich. Wenn überhaupt berichtet wird, dann in Randspalten. Fachportale füllen die Informationslücke – so gut es geht.
In der Warteschleife
Wohlgemerkt: Der Russe Bivol (24-1, 12 KOs), in Kirgistan geboren, ist das Nonplusultra seines Limits. Mehr noch: Ein Pound-for-Pound-Athlet, einer der weltbesten Boxer, unabhängig von Gewichtsklassen. Nicht zuletzt sicherte sich der 35jährige im vergangenen Februar in einem Rückkampf gegen seinen russischen Dauerrivalen Artur Beterbiev den Status als unumstrittener Weltmeister im Halbschwergewicht, als Undisputed Champion. Bivol holte sich alle vier großen WM-Titel (WBA, WBC, IBF und WBO).
Ein Rang für anderthalb Monate. Bivol legte den WBC-Gürtel nieder. Der Grund: Er wollte keinen Kampf gegen den Pflichtherausforderer und Interims-Champion David Benavidez. Die Aussicht auf ein drittes, finales Bivol-Beterbiev-Duell war lukrativer. Daraus wurde bislang nichts. Auch, weil Bivol nach einer Rücken-OP monatelang pausieren musste. Nicht nur das.
Hickhack um die Pflichtherausforderung, Hickhack der Weltverbände – und mittendrin auch Eifert (13-1, 5 KOs). Denn der 28jährige Sachse aus Bautzen kennt es, in der Warteschleife zu hängen. Und das bereits kurz nach seinem sensationellen, einstimmigen Punktsieg im IBF-Final-Eliminator gegen Exweltmeister und Lokalmatador Jean Pascal im Place Bell, Laval bei Montreal, Kanada. Das war im März 2023. Richtig gelesen: vor mehr als drei Jahren. Seitdem wurde der Deutsche mit russischen Vorfahren immer wieder vertröstet. Dabei schien alles klar geregelt: Die IBF hatte offiziell angeordnet, dass Bivol nach seinem Rematch-Sieg gegen Beterbiev eine Pflichtverteidigung gegen Eifert absolvieren müsse. Eifert – ehemaliger Dreifach-Junioren-WM-Titelträger (IBF, WBC, WBO) – hatte sich dieses Duell mit dem Triumph gegen Pascal erkämpft. Sprichwörtlich. Eigentlich.
Schwung in die Sache
Denn ein neuerliches Geduldsspiel folgte. Für Eifert. Für seinen Stall SES Boxing aus Magdeburg. Für seinen Manager Benedikt B. Poelchau. Nun, im vergangenen Dezember kam wieder Schwung in die Sache. »Für unseren Michael Eifert kann ich endlich optimistisch sein, dass er sein erkämpftes Herausforderungsrecht nun gegen den IBF-Weltmeister angehen kann«, wurde SES-Boxing-Boss Ulf Steinforth in einer Mitteilung zitiert. Beste Vorzeichen also für den Jahresbeginn 2026. Und der Weltverband IBF machte gegenüber dem Team von Bivol Druck, zeigte »klare Kante« (Steinforth), eröffnete das Purse Bid, das Bieterverfahren um die Austragungsrechte. Oder doch nicht?
Es schien so. Aber – Poelchau: »Wir haben mit Hochdruck 24/7 an einer finalen Lösung mit dem Bivol-Team gearbeitet, daher wurde das Purse Bid mehrmals verschoben.« Mitte März war es soweit – der Vertrag für den WM-Fight war fix. Eifert: »Es war wirklich eine lange Wartezeit – eine echte Achterbahnfahrt.« Er habe gelernt, geduldig zu sein und sich auf seine Arbeit im Gym zu konzentrieren. Zwei Dinge seien entscheidend gewesen: Ein starkes Management- und Anwaltsteam, das jeden Schritt professionell mit ihm abgestimmt und hinter den Kulissen für ihn gekämpft habe. Zudem die Gewissheit, »dass am Ende dieser Phase mein großer Traum auf mich wartet.«
Einen kleinen Dämpfer gab es noch: Der WBO-Titel steht für diesen Kampf nicht auf dem Spiel. Der Verband hat aufgrund der weltpolitischen Gemengelage entschieden, das Duell nicht als Titelkampf zu werten.
Duell nach Wettkampfpausen
Zählt Wettkampfpraxis nichts, Ringrost legen Kämpfer doch irgendwann an, oder? Sicher, aber um seinen Mandatory-Status nicht zu verlieren, betont Poelchau, »war Michael – bis auf einen ›Stay-busy-Kampf‹ im Jahr 2024 – gezwungen, inaktiv zu bleiben.« Und weiter: Eiferts Umfeld habe versucht, die Zeit bestmöglich zu nutzen – den deutschen Musterathleten etwa mit internationalen Trainingscamps Schritt für Schritt an die WM heranzuführen. Sparring mit der Weltelite, erklärt Poelchau, der auch unter dem Nickname »Benny Blanko« bekannt ist. »Er war viel in London, hat intensiv mit Ben Davison gearbeitet und in New York mit Teddy Atlas trainiert.« Monatelang habe er sich diszipliniert in Riga mit seinem Trainer Dmitrijs »Dima« Siholajs vorbereitet. Ein Topcoach, der schon Mairis Briedis zur WBC-, IBF- und WBO-Weltmeisterschaft geführt hat. Kurz: »Michael fühlt sich im besten Zustand seiner Karriere.«
In dem muss er auch sein, wenn er gegen Bivol eine Chance haben will. Sicher, dem fehlt nach seiner verletzungsbedingten Auszeit gleichfalls die Wettkampfpraxis. Fakt ist aber auch: Wäre der Lokalmatador nicht topfit, würde er das Wagnis vor heimischem Publikum nicht eingehen. Schließlich soll der deutsche Contender nur eine Etappe ein. Eine auf dem Weg zum dritten Gefecht gegen Beterbiev.
Das weiß auch Eifert – wenn er dem Dominator im Seilquadrat gegenüberstehen wird. »Ich bin auf alles eingestellt und werde an diesem Abend mein Herz im Ring lassen.«
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