Trump im Wahn
Von Knut Mellenthin
Er lebt und herrscht im Wahn, das Schicksal der ganzen Welt in seinen Händen zu halten. Und er genieß es wie einen Rausch, dessen Ende nicht abzusehen ist oder das er nicht im Blick hat. »All of Iran can be taken out in one night. (…) Might be tomorrow night.« Ganz Iran könne in einer Nacht ausgelöscht werden, vielleicht schon in der nächsten, spielte sich Donald Trump am Montag abend (Ortszeit) im Weißen Haus bei einer Pressekonferenz auf. Jede Brücke, jedes Kraftwerk im Iran werde er nach ergebnislosem Verstreichen seines Ultimatums für eine Öffnung der Straße von Hormus zerstören. Die Deadline hatte der Präsident, nach zwei Verschiebungen, zuletzt auf 20 Uhr Ostküstenzeit am Dienstag festgesetzt.
Pakistan, das aufgrund seiner guten Beziehungen zu Washington und Teheran in dieser auf das höchste angespannten Situation eine zentrale Vermittlerrolle zu spielen versucht, hatte beiden Seiten, vermutlich am Sonntag, einen neuen Vorschlag übermittelt. Sein Inhalt ist nur aus unbestätigten, nicht individuell identifizierten Insiderquellen mehr oder weniger genau bekannt. Der Vorschlag sieht angeblich den schnellen Abschluss eines Memorandums of Understanding, einer gemeinsamen Absichtserklärung, vor. Eine Einstellung der Kampfhandlungen und die vollständige Freigabe der Meerenge von Hormus sollen sofort in Kraft treten, gefolgt von einer bis zu 45 Tage währenden Waffenruhe. In dieser Zeit sollen zwischen den USA und Iran Verhandlungen über den Rahmen eines Friedensabkommens geführt werden.
Die iranische Regierung hat diesen Vorschlag umgehend abgelehnt. Während seiner wöchentlichen Pressekonferenz am Montag erläuterte der Sprecher des Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, dass Waffenstillstandsvereinbarungen für die USA oft nur ein taktisches Mittel seien, Zeit für eine militärische Neuaufstellung zu gewinnen. Das aus 15 Punkten bestehende Forderungspaket, das die Trump-Administration dem Iran am 24. März präsentiert hatte, bezeichnete Baghaei erneut als »exzessiv und unvernünftig«. Eine akzeptable Lösung des Konflikts müsse die iranischen Forderungen respektieren und den Kreislauf von Waffenruhe und Krieg vermeiden.
Teheran hat der US-Regierung seinerseits am Montag durch Vertreter Pakistans einen Gegenvorschlag zustellen lassen, der Pressemeldungen zufolge zehn Punkte enthält. Nach inoffiziellen Informationen fordert Iran eine dauerhafte Beendigung des Krieges in der gesamten Region, einschließlich Libanons. Teheran erwartet außerdem Reparationszahlungen für den Wiederaufbau, die Aufhebung aller Sanktionen und die Vereinbarung eines internationalen Protokolls über die Durchfahrt durch die Meerenge von Hormus. Während seiner Pressekonferenz am Montag kommentierte Trump: Das sei ein bemerkenswerter Vorschlag und Schritt. Aber es sei nicht gut genug.
Offensichtlich »arbeitete es« im US-Präsidenten weiter bis zur letzten Minute seines Ultimatums. Während die Angriffe auf Iran am Dienstag noch einmal verstärkt wurden, postete er am Vormittag (Ortszeit): »Eine ganze Zivilisation wird heute nacht sterben und nie zurückgebracht werden«, wenn Iran sich seinen Forderungen nicht unterwirft. »Ich will nicht, dass es geschieht, aber das wird es vermutlich. (…) Wir werden es heute nacht herausfinden, einem der wichtigsten Momente in der langen und komplexen Geschichte der Welt.«
Es wäre der dramaturgisch richtige Moment für das Erscheinen einer Schrift an der Wand.
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