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Aus: Ausgabe vom 08.04.2026, Seite 2 / Inland
Kürzungen im Gesundheitswesen

Welche Folgen hätte die Schließung der Klinik?

Niedersachsen: Größte Fachklinik für suchtkranke Minderjährige soll im Juni dichtgemacht werden. Vor den Folgen warnt Neele Nessen
Von Kristian Stemmler
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Die von der Leinerstift-Gruppe betriebene Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Ahlhorn ist Deutschlands größte Fachklinik für die medizinische Rehabilitation suchtkranker Kinder und Jugendlicher. Warum soll sie zum 30. Juni geschlossen werden?

Grund für die Schließung der Klinik ist eine dramatische Unterfinanzierung der Leistungen. Trotz intensiver Verhandlungen sowie der Unterstützung zahlreicher Vertreter aus Verbänden und Politik konnte keine Einigung mit dem federführenden Kostenträger – der Deutschen Rentenversicherung – erzielt werden, die eine qualitätsorientierte, für die Patientengruppe zielführende und wirtschaftlich tragbare Fortführung des Klinikbetriebs gewährleistet. Um die vielen Angebote, die die Leinerstift-Gruppe tagtäglich überregional erbringt, nicht ebenfalls zu gefährden, mussten wir diese schwere Entscheidung treffen.

Welche Rolle spielt die Strukturreform des Vergütungssystems der Deutschen Rentenversicherung, was die Finanzierungsprobleme angeht?

Die Strukturreform hat zur Folge, dass uns im kommenden Jahr weitere Kürzungen des Tagessatzes bevorstehen würden. Für 2026 gilt der im Vorjahr verhandelte Tagessatz noch als Übergangswert weiter, ab 2027 gelten die durch die Strukturreform auf den Weg gebrachten Änderungen. Da unser Antrag auf Anerkennung als Spezialeinrichtung zweimal abgelehnt wurde, würden wir den erhöhten Basissatz sowie die einrichtungsspezifische Komponente erhalten. Voraussichtlich wäre der Tagessatz nach dem neuen Vergütungssystem circa 100 Euro niedriger als der derzeit gültige, der 2025 zu einem Defizit von über einer Million Euro geführt hat.

Welche Folgen hätte eine Schließung der Klinik?

Dadurch fallen 60 der deutschlandweit 85 vorhandenen Betten für Sucht-Reha für Kinder und Jugendliche weg. Angesichts einer Zahl von etwa 200.000 von Suchterkrankung betroffenen Kindern und Jugendlichen in Deutschland wird deutlich, wie groß die Unterversorgung an dieser Stelle bereits ist und zukünftig dann sein wird.

Würden durch die Schließung auch laufende Behandlungen abgebrochen?

Bis zum 30. Juni können alle bei uns untergebrachten Kinder und Jugendlichen ihre Reha fortführen. Wir nehmen jedoch keine neuen Patienten mehr auf, da diese ihre Reha nicht bei uns beenden könnten.

Warum gibt es so wenige Plätze für suchtkranke Jugendliche in Deutschland? Wo findet dieses Klientel überhaupt noch Hilfe?

Das fehlende Angebot solcher Therapiemöglichkeiten ist unter anderem auf die fehlende Refinanzierung zurückzuführen. Vor einigen Jahren gab es durchaus mehr Plätze für Suchtreha, zum Beispiel in einer Fachklinik im schleswig-holsteinischen Bockholt, diese sind jedoch aufgrund von fehlender Refinanzierung geschlossen worden.

Darüber hinaus unterscheidet sich die Behandlung von Jugendlichen mit einer Suchterkrankung deutlich von der Behandlung Erwachsener. Ein »Mitmachen« der Reha für Jugendliche bei einem Angebot für Erwachsene ist nicht einfach möglich, da die Bedarfe der jungen Menschen deutlich andere sind als die von erwachsenen Betroffenen. Es fehlt eine sektorenübergreifende Komplexversorgung, die eine kontinuierliche Behandlungskette von Entgiftung über Reha bis Nachsorge gewährleistet.

Gibt es noch die Aussicht, dass die Finanzierung doch noch gesichert wird?

Wir freuen uns über die viele Aufmerksamkeit, die derzeit auf dem Thema liegt, und selbstverständlich auch darüber, dass der Bundesdrogenbeauftragte sich so aktiv für uns einbringt. Wir sind hoffnungsvoll, dass diese breite Unterstützung am Ende zu einer Lösung führt, die langfristig tragfähig ist und den jungen Menschen die Unterstützung und Perspektive ermöglicht, die sie so dringend benötigen. Allerdings sind wir auch realistisch. Die Gespräche, die nun stattfinden sollen, haben in sehr ähnlichen Konstellationen auch vor unserer Entscheidung zur Schließung schon ohne Ergebnis stattgefunden. Ob und welche Lösungen es nun gibt, die es vor einigen Monaten noch nicht gab, bleibt abzuwarten.

Neele Nessen ist Bereichsleiterin für Verwaltung in der diakonischen Leinerstift-Gruppe

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