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Dick und Fred

Foto: VI Images/imago sportfotodienst/imago
Dick Advocaat (l.) und Fred Rutten im Februar 2013

Einen wunderschönen guten Morgen! Der Niederländer Dick Advocaat, der den Karibikinselstaat Curaçao sensationell erstmals für eine Fußballweltmeisterschaft qualifizierte, ist aus privaten Gründen (seine Tochter ist schwer erkrankt) von seinem Trainerposten zurückgetreten. Er wurde von seinem Landsmann Fred Rutten beerbt, bekannt und berüchtigt als »Feuerwehrmann«. Am Freitag debütierte Rutten an der Kalklinie. Für den 78jährigen Advocaat wäre es die dritte WM (nach zwei Dekaden Abstinenz) als Übungsleiter gewesen, auch der Altersrekord als Trainer wäre ihm sicher gewesen. 1994 nahm er mit den Niederlanden am Mundial in den Staaten teil, 2006 coachte er Südkorea bei der WM in Alemannien. Advocaat selbst bezeichnete die Qualifikation Curaçaos als »einen der herausragendsten Momente« seiner Trainerlaufbahn.

Curaçao ist mit seinen 185.500 Einwohnern (immerhin dreimal soviel wie Wolfenbüttel) das jüngste FIFA-Mitglied. Die meisten für das Land spielenden Kicker wurden in den Niederlanden geboren. Die Fußballföderation Curaçaos (FFK) wähnt sich im siebten Himmel: sieben Siege und drei Remis, die Quali in den Eliminatorias der CONCACAF verlief ebenso unerwartet wie perfekt.

Die Wege von Advocaat und Rutten kreuzten sich bisweilen. Etwa beim PSV Eindhoven, dem heutigen niederländischen Aushängeschild auf Vereinsebene. Rutten war dort zwischen 2009 und 2012 Trainer, Advocaat beerbte ihn für eine Saison. Selbst abstrakt begegneten sich die beiden. Der Klassiker der Niederländer ist PSV gegen Feyenoord Rotterdam. Rotterdam, Sie wissen schon: Von dort verschickt ihr eure Designerdrogen nach Rosario, um die südamerikanische Jugend plemplem zu machen, und bekommt dafür von dort pures Kokain zurück. Im Oktober 2010, Rutten war der Trainer von PSV, gewannen die Eindhovener sage und schreibe mit 10:0 gegen Feyenoord. Bis dahin war die feurigste Niederlage des Teams aus Rotterdam ein 2:7 gewesen, 1996, nur dass der PSV-Trainer damals Advocaat hieß.

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Rutten war sich als Spieler fürs Malochen nicht zu schade. Er war Verteidiger und hat Zeit seines Lebens nur für den FC Twente gekickt. Im August 1991, in einem Match gegen Feyenoord, flog der robuste Tormann seines Teams, Hans De Koning, sechs Minuten vor Schluss beim Stand von 0:1 vom Platz. Wechseln konnte Twente nicht mehr. Der damals 28jährige Rutten riss die Handschuhe an sich und hütete nun ein gigantisches Rechteck, Plattenbau ohne Platten. Er wehrte einen Freistoß von Metgod ab und klaubte diverse Eckbälle aus der Luft, als spiele er Basketball. Es blieb beim 0:1. Ein Jahr darauf beendete Rutten seine Spielerkarriere wegen einer chronischen Hüftverletzung, nach seiner 13. Saison beim FC Twente.

Am Freitag war sein offizielles Debüt als Chefkalke bei den Insulanern. China zwo, Curaçao null. Dumm gelaufen.

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Erschienen in der Ausgabe vom 01.04.2026, Seite 16, Sport

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