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22.04.2026
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Unter Beobachtung
Einen wunderschönen guten Morgen! In Paraguay ging am Sonntag nach zweieinhalb Wochen die 21. Südamerikameisterschaft der U17-Junioren zu Ende. Der Wettbewerb qualifizierte sieben der zehn Teilnehmenden für die U17-WM in Katar (erneut 48 Teilnehmer; 104 Spiele), wo Portugal seinen Titel vom letzten Jahr (1:0 im Finale gegen Österreich) nicht verteidigen wird (in der Quali gescheitert).
In der Gruppenphase mit zwei Fünfergruppen blieben Gastgeber Paraguay (sieglos, nur ein Remis und zwei Törchen) und Peru (alle Spiele verloren) auf der Strecke. Ecuador und Brasilien gewannen ihre Gruppen ungeschlagen, die Tricolor ließ nur bei der Nullnummer gegen Kolumbien Punkte liegen, die Brasucas gewannen alles (u. a. 3:0 gegen Argentinien) bei nur einem Gegentreffer. Damit waren sie bereits bei der WM, genau wie die Gruppenzweiten Kolumbien und (der viermalige Südamerikameister) Argentinien, wobei die Cafeteros die deutlich schwerere Gruppe erwischt hatten.
Die Semifinals fanden im Estadio Defensores del Chaco in Asunción statt, wo in der Regel die Albirroja, die Nationalauswahl der Guaraníes, ihre Länderspiele bestreitet. Titelverteidiger Brasilien traf auf Kolumbien. Eine Neuauflage des Finals der Südamerikameisterschaft des vergangenen Jahres. Damals hatten die Brasucas mit einem Last-Minute-Tor noch das Elferballern erreicht und schließlich klar gewonnen. Es war der 14. Titel. Dieses Mal hielten sie nur in der ersten Halbzeit mit, die torlos endete. Nach dem Wechsel machten Adrián Mosquera (unter die Latte, der Ball war definitiv nicht drin, kein VAR) und zweimal José Escorcia den für den brasilianischen Nachwuchs demütigenden Kantersieg Kolumbiens perfekt. Die Ränge waren voll mit europäischen Scouts mit Kryptohintergrund. Uwe Seeler wurde einstmals ein Koffer mit einer Million in physischen Scheinen unter die Nase gehalten, damit er vom Hamburger SV zu Internazionale Milano wechselt. Dass er es nicht getan hat, machte ihn in Hamburg zum unsterblichen Idol. Seeler spielte niemals für einen anderen Klub (fuhr lieber unter der Woche als Vertreter übers Land), das kann nicht mal Pelé von sich sagen, Ricardo Enrique Bochini (Club Atlético Independiente), Maradonas Vorbild, schon. Es wird kaum verwundern, dass ich HSV- und Independiente-Fanatiker bin. Als wurzelbehindertem Emigranten sei es mir gegönnt, gleich zwei große Lieben zu haben. Um auf die Scouts zurückzukommen: Das britische Portal givemesport.com vermeldete, dass Abgesandte von Liverpool, Chelsea, der City Football Group, von Atlético Madrid, dem FC Bayern, Dortmund und von Benfica aus Lisboa beim Halbfinale auf der Tribüne waren, um den Zehner der Cafeteros, Samuel Martínez (Atlético Nacional, Medellín), zu sichten. Er ist ein moderner Interpret dieser Position mit großer Spielvision. In Kürze ist er vermutlich Free Agent. Ebenfalls unter Beobachtung steht offenbar der 16jährige Verteidiger Alex Gómez. Der war die große Überraschung bei der Nominierung des Kaders. Der für die Reserve der New York Red Bulls kickende rechte Außenverteidiger wurde in den USA als Kind eines Kolumbianers und einer Ecuadorianerin geboren, er hat drei Nationalitäten, niemand kannte den daheim. Er gilt als Rohdiamant, Ferngesteuerte nennen das: »good investment«.
Im zweiten Halbfinale eliminierte Argentinien mit 3:1 Ecuador, das die letzte WM verpasste. Im Finale kickte Kolumbien die Silberländer mit 4:0 in Grund und Boden, Miguel Agámez traf doppelt. Es ist der zweite Titel für Kolumbien und der erste nach 1993, der nicht nach Brasilien oder Argentinien ging. Dritter wurde Brasilien (1:0 gegen Ecuador). Ebenfalls zur WM fahren Chile, Uruguay und Venezuela, das sich als Irak verkleidete und Bolivien draußen vor der Tür ließ.
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