Zum Inhalt der Seite
Eishockey

Rückenwind und Turbulenzen

Stanley-Cup-Playoffs: Avalanche und Hurricanes sind im Halbfinale, die Oilers raus. Toronto Maple Leafs gewinnen die Draft Lottery

Foto: Matt Krohn/Imagn Images/Reuters
Liebe Leser, finden Sie den Ball: Colorado Avalanche gegen Minnesota Wild (Saint Paul, 11.5.2026)

Ein Sturm zieht durch die NHL: die Carolina Hurricanes. Zwei Gegner hat das Team aus ­Raleigh in den Stanley-Cup-Playoffs schon weggefegt. Nachdem sie in Runde eins Brady ­Tkachuks Ottawa Senators ohne viel Gegenwehr in den Urlaub geschickt hatten, setzten sie am Sonntag auch die ­Philadelphia Flyers in den Flieger. Damit sind sie die erste Mannschaft im Eastern Conference Final, einem der Halbfinals, in dem sie entweder auf Buffalo oder Montreal treffen werden. Dass ihnen der Wind aus den Segeln geht, ist nicht zu erwarten. Mit dem ungeschlagenen 8:0-Start in die Playoffs ist ihnen gelungen, was zuletzt die Eishockeylegende Wayne Gretzky mit den Edmonton Oilers im Jahr 1985 geschafft hatte.

Mit Nico Sturm ist auf der anderen Seite der Playoffs Bracket inzwischen der letzte deutsche NHL-Spieler ausgeschieden. Seine Minnesota Wild unterlagen gegen die Naturgewalt der Colorado Avalanche in der Nacht zum Donnerstag mit 3:4 in Overtime – eine 1:4-Niederlage in der Serie. Zwei Assists von Sturm im ersten Drittel und eine frühe Führung von drei Toren waren nicht genug. Match eins dieser beiden, die sich genauso gut im ­Finale hätten treffen können, war bereits eine Wucht: 9:6 für das Team aus Colorado, die meisten Tore in einem einzelnen Spiel in der bisherigen Postseason. In Spiel vier traf dann der aus Augsburg stammende Sturm für Minnesota: Topverteidiger Quinn Hughes rief »Marco« von der blauen Linie im Angriffsdrittel, Sturm antwortete »Polo«, Pass, One-Timer, it’s a beauty! Aber es reichte nicht. Die Avalanche wartet im Western Conference Final entweder auf die Vegas Golden Knights oder die Anaheim Ducks, die in der Nacht zum Freitag gegeneinander antreten sollten.

Die Ducks hatten in der ersten Runde die ­Oilers rausgekegelt. Die Mannschaft des wohl besten Deutschen in der NHL, Leon Draisaitl, und des weltbesten Eishockeyspielers Connor McDavid hatte in den vergangenen zwei Jahren jeweils das Finale erreicht, ist jetzt also weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wie schlecht das Team aufgestellt war, zeigte sich allein daran, dass ­McDavid trotz eines nicht näher definierten Bruchs am Fuß weiterspielte, um dem Team überhaupt eine Chance zu geben, wie Trainer Kris Knoblauch nach der Serie erklärte. Unvorstellbar für Fußballspieler, die selbst nach einer Schwalbe vom Platz humpeln, doch für die Oilers war es trotzdem nicht genug. In der Offseason stehen jetzt stürmische Zeiten an. Der Verein dürfte alles daran setzen, ihre beiden Ausnahmetalente zu halten. Und die sind nicht glücklich. »Ich bin beunruhigt, denn wir bewegen uns nicht in die richtige Richtung«, sagte Draisaitl nach dem Playoff-Aus vor Journalisten. »Wir haben große Schritte nach hinten gemacht.« McDavid verkündete zwar, er wolle »in Edmonton Erfolg haben«, aber der Geduldsfaden werde langsam dünn.

Anzeige

Außerhalb der Playoffs fanden die Toronto Maple Leafs das vierblättrige Kleeblatt. Ihre Saison war ein Alptraum und endete ohne Ticket in die Postseason auf Platz 28 von 32. Kapitän und Leistungsträger Auston Matthews steht zwar noch zwei Jahre lang unter Vertrag, lässt seine Zukunft im Verein aber bisher offen. Beobachter spekulieren, ob der 28jährige auf einen Trade aus ist. Dann die Bombe: Aus heiterem Himmel kam vergangene Woche die Nachricht, dass die Leafs mit einer nur 8,5prozentigen Wahrscheinlichkeit den ersten Pick im NHL-Draft für die kommende Saison gewonnen haben. Damit könnten sie sich den übereinstimmend als führenden Prospect gehandelten Gavin McKenna sichern. Der 2007er Jahrgang aus Kanada bereitet sich derzeit bei den Penn State Icers auf die Profiliga vor.

Die wohl größten Gewinner unter den Verlierern sind die San Jose Sharks. Das zweite Mal in Folge bekamen sie den zweiten Pick und könnten sich vermutlich den Schweden Ivar Stenberg (­Frölunda HC) holen. Was nur ein einziger guter Draft ausmachen kann, haben die Sharks in den vergangenen Jahren bewiesen. Im 2024er Draft hatte das kalifornische Team bereits das Nachwuchstalent Macklin Celebrini verpflichtet. In der vergangenen regulären Saison setzte der 19jährige mit 115 Punkten einen Vereinsrekord, war an fast jedem zweiten Treffer der Mannschaft beteiligt. Kein Wunder, dass Celebrini zum Sharks-Spieler des Jahres ernannt wurde. Die Playoffs hat die Truppe zwar knapp verpasst, aber Celebrini-Fans dürfen sich freuen: Der aus North Vancouver stammende Center soll die kanadische Mannschaft bei der am Freitag beginnenden Eis­hockeyweltmeisterschaft in der Schweiz anführen.

junge Welt

Unabhängiger Journalismus braucht deine Unterstützung.

Bezahlmethoden:

Mit Absenden erklärst du dich mit der DSGVO-konformen Datenverarbeitung einverstanden

Erschienen in der Ausgabe vom 15.05.2026, Seite 16, Sport

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

→ Teilen und weiterempfehlen
Solidarität jetzt!

Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.

In unseren Augen ist das Urteil eine Einschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit in der Bundesrepublik. Aber auch umgekehrt wird Bürgerinnen und Bürgern erschwert, sich aus verschiedenen Quellen frei zu informieren.

Genau das aber ist unser Ziel: Aufklärung mit gut gemachtem Journalismus. Sie können das unterstützen. Darum: junge Welt abonnieren für die Pressefreiheit!