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Der erste macht das Licht aus

Foto: IMAGO/EPA
Carlos Lampe, Fußballprofi

Einen wunderschönen guten Morgen! Dem amtierenden argentinischen Pokalsieger ­Independiente Rivadavia aus der Andenregion Mendoza, wo der beste Wein Südamerikas angebaut wird, scheint gerade die Sonne aus dem Allerwertesten. Die kontinentalen Copas haben begonnen, und zum Auftakt der Libertadores, der Königsklasse, gewannen die Mendocinos ihr erstes Copa-Spiel überhaupt daheim gegen Bolívar aus La Paz mit 1:0. Für den einzigen Treffer sorgte der 39jährige Gästekeeper Carlos Lampe mit einem Eigentor in der ersten Spielminute. Manchmal macht auch der erste das Licht aus.

Independiente-Präsident Daniel Vila wird es gar freudig gestimmt haben, auch wenn er es sicher erwartet hatte. Er ist einer der mächtigsten Männer – nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Lateinamerika: Ihm gehören meinungsbildende Medien aller Art im Silberland. Diese beförderten 2015 den Republikaner Mauricio Macri (heute Boss der FIFA Foundation) auf den Präsidentensessel in der Casa Rosada, 2023 dann den selbsternannten Anarchokapitalisten Javier Milei (Ansichten eines Kettensägenclowns). Auch im Torneo Apertura der Liga Profesional läuft es wie geritzt: Am Weekend schossen sie die Argentinos Juniors, die nach 16 Minuten in Unterzahl spielten, mit 3:1 ab, kurz nach den Pausensteaks war bereits alles in Butter. Damit qualifizierten sie sich als erstes Team für die Achtelfinals (Heimrecht) der Meisterschaft, drei Spieltage vor dem Ende der Gruppenphase (zwei Zonen à 15 Teams). Im argentinischen Pokal sind sie ebenfalls noch dabei, treffen voraussichtlich im Achtelfinale auf Rekordmeister River Plate.

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Auch bei den Riverplatenses haben sie es gerade mit der Sonne. Besser mal eincremen. Der Millonario spielt dieses Jahr nur Copa Sudamericana und kam beim Debüt in Santa Cruz de la Sierra gegen Club Blooming über ein 1:1 nicht hinaus. Die Argentinier waren seit Minute fünf in Unterzahl, weil Innenverteidiger und Nationalspieler Lucas Martínez Quarta übermotiviert agiert hatte. Im nationalen Campeonato zogen sie jetzt den fünften Dreier in Folge. Wie Büchsenwerfen, nur ohne Büchsen. Zwonull im Cilindro des Racing Club in Avellaneda, tief im Süden der Hauptstadt. Der 36jährige Marcos Rojo, Vizeweltmeister von 2014, war die tragische Figur des Abends. Beim ersten Treffer ließ ihn Facundo Colidio wie einen zugekifften Pennäler ausschauen. In Minute 80 wurde er vom VAR überführt, nachdem er Rivers Martínez Quarta mit voller Wucht den Ellenbogen in die Fresse gedonnert hatte. Direkte rote Fleppe. Und was tat Rojo? ­Meckerte wie eine Bergziege, so uneinsichtig wie Christoph Daum! Was sich mir nicht erschloss, war, warum es keinen Strafstoß gab. (Nun, jeder Depp weiß, dass das ganze VAR-Klimbim von und für Wettanbieter installiert wurde.) Schließlich machte Sebastián Driussi in der Nachspielzeit mit einem schönen Innenristflachschuss den Sack so was von rattendicht zu.

In der Bombonera (Pralinenschachtel) der Boca Juniors schiffte es im Klassiker gegen die roten Teufel von CA Independiente (1:1) wie aus Kübeln. Rodrigo Rey, sprachbehinderter Tormann der Gäste, sah das anders und proklamierte ungeniert aus seinem Sanktionsraum Gedichte aus dem Band »Rote Sonne über Echo Park« von La Loca (Maro-Verlag). What a guy!

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Erschienen in der Ausgabe vom 15.04.2026, Seite 16, Sport

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