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28.03.20262 Leserbriefe
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Neue Angriffe auf Ölanlagen
Ukraine schießt zweitgrößte Raffinerie Russlands in Brand. Balten bestreiten Mitwirkung an den ukrainischen Drohnenangriffen
Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe auf Anlagen der russischen Ölindustrie an der Ostsee fortgesetzt. In der Nacht zum Freitag geriet die Raffinerie in der nahe St. Petersburg gelegenen Stadt Kirischi nach Treffern in Brand. Ukrainische Militärs erklärten, Ziel der seit Anfang der Woche anhaltenden Angriffe auf Ziele im Raum St. Petersburg sei es, Russlands Exportmöglichkeiten über die Ostsee in einer Phase zu untergraben, in der die Ölpreise wegen des Iran-Kriegs stark gestiegen sind. Ukrainische Drohnen hatten zunächst die Flüssiggasterminals in Primorsk angegriffen, am nächsten Tag den Ölverladehafen Ust-Luga und jetzt die landesweit zweitgrößte Raffinerie in Kirischi.
Die baltischen Staaten bestritten unterdessen, an den ukrainischen Angriffen beteiligt gewesen zu sein. Das lettische Verteidigungsministerium warf Russland eine »Desinformationskampagne« vor: Die baltischen Staaten seien »weder an der Planung noch an der Durchführung« der ukrainischen Angriffe beteiligt gewesen. Wer hier desinformiert, ist freilich eine offene Frage: Denn einen solchen Vorwurf hatte in Russland niemand erhoben. Es ging der russischen Kritik darum, dass ukrainische Drohnen, gestartet vermutlich im Westen des Landes, im Bogen über Polen und dann entlang den Ostgrenzen von Litauen, Lettland und Estland bis in die Nähe der Angriffsziele geflogen seien. Dass es »fehlgeleitete ukrainische Drohnen« gewesen seien, die in den letzten Tagen im Baltikum eingeschlagen sind, hatten auch westliche Leitmedien eingeräumt. Alle drei Absturzorte liegen im Osten der baltischen Staaten entlang ihrer Grenzen zu Russland bzw. Belarus.
Der Vizevorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, hat derweil Gerüchte über eine angeblich bevorstehende Mobilisierungswelle in Russland zurückgewiesen. Russland habe im Moment »für alle Kampfaufgaben« genug Freiwillige, erklärte Medwedew auf eine Anfrage der russischen Agentur RIA-Nowosti. Ukrainische Militärs verbreiten seit Wochen die These, dass Russland in der Ukraine mehr Soldaten durch ukrainischen Widerstand verliere, als es ersetzen könne. Auch andere Meldungen aus dem Inneren Russlands sind einstweilen spekulativ. So schrieb die Financial Times unter Berufung auf »mit den Vorgängen vertraute Personen«, Wladimir Putin habe führende Oligarchen des Landes zusammengerufen, um sie zu Spenden für den Staatshaushalt aufzufordern. Die britische Finanzzeitung zitierte allerdings nur einen Fall einer angeblichen Reaktion: Der Geschäftsmann Suleiman Kerimow habe bei der Besprechung eine Spende von 100 Milliarden Rubel (etwa 1,1 Milliarden Euro) zugesagt. Unabhängig bestätigt wurden diese Behauptungen bisher nicht, 1,1 Milliarden Euro wären auch entschieden zuwenig, um den Staatshaushalt zu sanieren.
In der Ukraine griff Russland wieder Ziele in Kriwij Rig, um Charkiw und Tschernigiw im Norden des Landes an. Es gab Zerstörungen an der Infrastruktur. Die Kampfhandlungen am Boden sind dagegen nach Angaben von Quellen beider Seiten in letzter Zeit zurückgegangen. Das wird sowohl auf die gegenwärtige Schlammperiode zurückgeführt, als auch darauf, dass größere Angriffsoperationen angesichts der Drohnengefahr für beide Seiten zu riskant geworden sind. Gleichzeitig warnten ukrainische Militärs davor, die Gefahr einer russischen Frühjahrsoffensive zu unterschätzen. Einem Reporter der »Tagesschau« erklärten sie, die Stimmung bei den Soldaten sei »schlecht«, weil sie nicht abgelöst würden.
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Istvan Hidy aus Stuttgart 29. März 2026 um 10:06 UhrMan kann Russland – das größte Land der Erde – punktuell treffen und ihm sogar spürbaren Schaden zufügen. Doch solche Nadelstiche entscheiden keinen Krieg. Entscheidend ist die Front im Donbass. Und dort ist die Lage eindeutig: Russland rückt seit über einem Jahr vor – langsam, aber kontinuierlich. Die westliche Strategie wirkt im Rückblick wie eine Fehlkalkulation. Sie beruhte auf der Illusion, Russland werde militärisch scheitern und man könne anschließend mit russischen Geldern den Wiederaufbau der Ukraine finanzieren. Diese Erwartung zerbricht zunehmend an der Realität des Schlachtfelds. Stattdessen setzt die ukrainische Führung auf spektakuläre Angriffe mit begrenztem strategischem Nutzen. Das mag Schlagzeilen produzieren, ändert aber nichts am Kräfteverhältnis dort, wo der Krieg tatsächlich entschieden wird. Einen militärisch stärkeren Gegner immer wieder zu provozieren, ohne die eigene Lage entscheidend zu verbessern, ist keine Strategie – es ist ein riskantes Spiel mit ungewissem Ausgang. Umso auffälliger ist die Rolle vieler Leitmedien: Statt die Entwicklungen nüchtern einzuordnen, dominieren selektive Darstellungen, verkürzte Analysen und ein auffällig einseitiger Fokus auf symbolische Erfolge. Widersprüchliche oder unbequeme Fakten werden relativiert, eingeordnet oder ganz ausgeblendet. So entsteht weniger ein realistisches Lagebild als vielmehr ein Deutungsrahmen, der den Leser gezielt in eine bestimmte Richtung lenkt. Kritische Distanz wird dabei allzu oft durch Haltung ersetzt – mit dem Ergebnis, dass Berichterstattung und Narrative zunehmend verschwimmen.
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Onlineabonnent*in Martin M. aus D. 27. März 2026 um 21:08 UhrDie Regierungen der UdSSR hatten noch ein Feingefühl für Diplomatie, selbst unter dem »Verräter Gorbi«. Die heutigen rus. und ukr. Deppen haben diese Fähigkeit offensichtlich verloren und orientieren sich an Reagan, Bush, bzw. Trump, wo nur noch »shock and awe« existiert. Denn zerstörend sind diese Attacken allweil. Vom Clown Selenskyj und seinem Faschoumfeld war nichts anderes zu erwarten. Von Putin hätte man doch mehr Diplomatie erwartet. Zeichnet sich hier eine neue Dynamik des Krieges ab? Offensichtlich haben die westlichen Unterstützer der Ukraine, welche an diesen Angriffen, direkt oder indirekt teilnehmen, einen empfindlichen Nerv getroffen.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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