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Bergbau auf den Philippinen

Kupfermine bedroht B’laan

Philippinen: Zugriff auf größte Kupfer-Gold-Reserve Südostasiens bedroht Umwelt und Indigene

Foto: Darren Whiteside/Reuters
Ein Basislager zur Erschließung der Mine in Tampakan (9.1.2008)

Das bergige Tampakan liegt im Süden von Mindanao, neben Luzon die zweite Hauptinsel der Philippinen, und beheimatet zahlreiche indigene Gruppen. Eine davon, die B’laan, ist derzeit krank vor Sorge: In ihrer Nachbarschaft nimmt demnächst eine der größten Kupferminen der Welt ihren Betrieb auf. Was dem Betreiber stolze Profite und dem Staat Wachstum verspricht, bringt für sie die Gefahr von Vertreibung und der Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen mit sich.

Aufgrund seiner Leitfähigkeit ist Kupfer ein gefragtes Metall in der modernen Industrie. Der globale Bedarf wächst rapider als die Förderkapazitäten. Daher überrascht es nicht, dass die Regierung des rechtskonservativen Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. in Manila für das Projekt einiges in Kauf nimmt. Die bislang unerschlossenen Lagerstätten in Tampakan bezeichnete Channel News Asia (CNA), ein Nachrichtenportal aus Singapur, jüngst als »größte Kupfer-Gold-Reserve Südostasiens«. Knapp drei Milliarden Tonnen Erz könnten dort gefördert und damit zwei- oder sogar dreistellige Milliardenbeträge eingestrichen werden. Die notwendige Investition sei einst auf sechs Milliarden US-Dollar geschätzt worden.

Gut 30 Jahre liegt die Entdeckung der größten Lagerstätte des Landes zurück. Den Zuschlag erhielt damals das spätere Joint Venture Sagittarius Mines Inc. (SMI). Nachdem sich daraus der frühere Schweizer Partner Glencore 2015 zurückgezogen hatte, wurde Indophil Resources NL zum bestimmenden Mehrheitseigner, den wiederum die philippinische Alsons Prime Investments Corporation übernommen hat. 2017 trat das Projekt laut SMI in die »Entwicklungsphase«, in der eine Machbarkeitsstudie und Umweltgutachten angefertigt wurden. 2020 hat schließlich auch die Nationale Kommission für Indigene Völker (NCIP) grünes Licht gegeben – allerdings gegen den Widerstand eines großen Teils der lokalen Indigenen. Vor drei Jahren hieß es, 2026 könne mit der Förderung begonnen werden. Inzwischen geht man von 2028 aus.

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Über 17 Jahre könnten in Tampakan im offenen Bergbau, also oberirdisch, jährlich 375.000 Tonnen Kupfer und 360.000 Unzen Gold gefördert werden, berichtete das Branchenportal mining.com vergangenen Oktober. SMI sei auf der Suche nach einem »strategischen Partner«, der modernste Fördertechnologie einbringe, war zur selben Zeit bei Bloomberg zu lesen. 2024, so die jüngsten verfügbaren Zahlen, exportierte der Inselstaat 1,75 Milliarden Tonnen Kupfer. Verglichen mit den 2,51 Milliarden Tonnen des Vorjahres und dem Rekordwert von 2,58 Milliarden 2021 ist das ein Rückschritt. Auf der Bergbaumesse »Mining Philippines 2025« hatte sich Marcos Jr. für einen weiteren Ausbau der Branche ausgesprochen.

Die Grundlagen dafür schuf bereits sein Vorgänger, Rodrigo Duterte. 2010 war ein weitgehendes Verbot für offenen Bergbau beschlossen worden, um Mensch und Natur zu schützen. Doch 2022 hob Duterte die Beschränkungen wieder auf und entfesselte das zerstörerische Geschäft der Branche. Auch der Provinzrat von South Cotabato, wo Tampakan liegt, hat inzwischen sein lokales Verbot revidiert. Die indigene Bevölkerung sowie nationale und internationale Umweltschutzorganisationen geben ihren Kampf gegen die absehbare Vernichtung von bis zu 10.000 Hektar Regenwald und die Vertreibung von circa 4.000 Menschen hingegen nicht auf.

Für die B’laan geht es um nicht weniger als den Verlust ihrer angestammten Ländereien. Viele Stammesangehörige sollen bereits Land an SMI verkauft haben, gab die widerständige Stammesführerin Nora Puli Sukal gegenüber CNA zu Protokoll. Sie selbst werde das Land ihrer Ahnen immer verteidigen. Bedroht ist derweil nicht nur das kulturelle Erbe der B’laan. Es ist zu befürchten, dass genau das passiert, was per Gesetz verhindert werden sollte, etwa dass toxische Schwermetalle in die umliegenden Wasserläufe ausgespült werden. Niemand hat solche Risiken bisher ausräumen können.

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Erschienen in der Ausgabe vom 26.03.2026, Seite 8, Kapital & Arbeit

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