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24.03.20261 Leserbrief
- → Natur & Wissenschaft
Planet verdunstet
Satellitendaten: Globale Süßwassermassen schwinden
Wer erinnert noch Peter Brabeck-Letmathe, den 2005 amtierenden CEO beim Nestlé-Konzern, der in der Alarmdoku »We Feed the World« auf die Frage antwortete, ob Wasser denn, im Angesicht der Lebensnotwendigkeit, jedem Menschen zustehe? Den Grundstoff kommerzialisieren, das höre sich vielleicht kaltherzig an, doch darin drücke sich aus, dass Wasser ein Wert sei. Angemahnt wurde ein bewussterer Umgang mit unserem Planeten und seinen Ressourcen, von einem Mann, dessen Job war, denselben Planeten nach Kräften auszubeuten.
Mittlerweile ist Wasser nicht nur ein Problem der Verteilung, die Wassermassen als solche schwinden. Die trinkbaren genauer. Einem Bericht des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung zufolge schwinden die globalen Süßwasservorräte unvermindert. Seit 2009 hat sich der Anteil der für ihre Verhältnisse zu trockenen Regionen weltweit verdreifacht. Auch in Europa sind die Wasserspeicher geschrumpft; in Deutschland gab es dank des regenreichen Jahres 2024 zwar eine temporäre Erholung, doch 2025 geriet die Süßwasserentwicklung erneut ins Defizit.
Was, wenig überraschend, am Klimawandel liegt. Durch ihn verschiebt sich auch das Gleichgewicht von Verdunstung und Niederschlag. Dürreperioden und Phasen extremer Hitze senken die Grundwasserspiegel, die Bodenfeuchte nimmt ab, folglich wird vielerorts das Wasser knapp. Basis des Berichts sind Daten der Satellitenmissionen GRACE und GRACE-FO, die seit etwa 20 Jahren das Schwerefeld der Erde vermessen und damit zugleich Menge und Verteilung der irdischen Wassermassen. Die Forschungsgruppe um Eva Boergens und Julian Haas hat diese Daten ausgewertet. Demnach liegt die Zahl der Länder und Regionen, die über für sie normale Wasserressourcen verfügen, mittlerweile bei nur noch einem Drittel. 2009 hatte der Anteil noch bei 75 Prozent gelegen. Der Anteil der Regionen, die als zu trocken gelten, hat sich im selben Zeitraum mehr als verdreifacht, von zwölf auf 43 Prozent. In Deutschland gibt es derzeit ein Wasserdefizit von rund 25 Milliarden Tonnen im Vergleich zum langjährigen »Sollwert«.
Den Daten nach ist beinahe ganz Europa innerhalb der letzten zehn Jahre in den roten Bereich geraten. Im Nahen Osten begann diese Entwicklung noch früher. Schon 2009, wie Boergens und Kollegen berichten. In großen Teilen Südamerikas und Asiens erweist die Lage sich als etwas differenzierter, grundsätzlich sind die Wassermassen aber auch dort seit 2009 geschrumpft. Lediglich in ozeanischen Regionen und Teilen Afrikas scheint die Lage aufgrund starker Regenfälle in den zurückliegenden Jahren verhältnismäßig stabil.
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Onlineabonnent*in Heinrich H. aus S. 23. März 2026 um 20:23 UhrLiegt die Austrocknung wirklich hauptsächlich am Klimawandel? Logisch, mit zunehmender Temperatur kann die Luft überproportional viel Wasser aufnehmen (es wirkt ein Exponentialgesetz). Wenn aber durch zunehmende Erdbevölkerung und damit einhergehende Industrialisierung (gewisse Kreise reden von zunehmender Produktivkraft, z. B. in Grünheide) erneuerbare und fossile Grundwässer massenhaft an die warme Erdoberfläche gebracht werden, kann das Klima nix dafür. Wie es scheint, braucht sich die Menschheit keine rationalen Gedanken um Bevölkerungszunahme machen. Das erledigen die Irrationalen.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat entschieden und die Klage des Verlags 8. Mai abgewiesen. Die Bundesregierung darf die Tageszeitung junge Welt in ihren jahrlichen Verfassungsschutzberichten erwahnen und beobachten. Nun muss eine höhere Instanz entscheiden.
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