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Waldbrände

Noch nie so trocken

Niederschlagswerte liegen bei der Hälfte des Üblichen. Die Folge: mehr und größere Waldbrände

Foto: Manuel Genolet/dpa
Aufgrund der Munitionsbelastung lassen sich Feuer auf dem Gebiet ehemaliger Truppenübungsplätze besonders schwer löschen (Jüterbog, 3.5.2026)

Die nächsten Tage dürften endlich wieder ein bisschen Regen bringen, der mancherorts bereits bitter nötig ist. Nachdem schon der Winter und ebenfalls der März im Landesdurchschnitt viel zu trocken ausgefallen waren, regnete es auch im April deutlich zu wenig. Im deutschlandweiten Durchschnitt wurde nicht einmal die Hälfte des langjährigen Mittelwertes erreicht, schreibt der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seiner monatlichen Mitteilung für den April.

Im Ergebnis herrscht fast im ganzen Land in den oberen 1,8 Metern des Bodens zumindest leichte und vielfach auch schon schwerere Dürre, wie der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt. Nach den Daten des DWD sieht es in den für die Landwirtschaft besonders wichtigen oberen 30 Bodenzentimetern vor allem in weiten Teilen Bayerns, in Teilen des nördlichen Baden-Württembergs und im Rhein-Main-Gebiet kritisch aus.

Auch für die Wälder sind das keine guten Nachrichten. Für den vergangenen Sonnabend zeigten die DWD-Karten der Waldbrandgefahren- und Graslandfeuerindexe Warnungen für das ganze Land. In weiten Teilen war bereits die zweithöchste Warnstufe ausgerufen worden. Es gab schon erste Wald- und Buschbrände. Letzte Woche kam es zum Beispiel im südlichen Brandenburg wegen eines Feuers an einem Bahndamm zu Zugverspätungen, und am vergangenen Wochenende brannte es unter anderem in Wäldern bei Romrod in Osthessen, bei Attendorn in Westfalen und auf einem alten Truppenübungsplatz bei Jüterbog südlich von Berlin. Auch in einem Wald im Landkreis Altenkirchen in Rheinland-Pfalz kämpften mehrere Hundert Feuerwehrleute gegen die Flammen, ebenso an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen, im Saarland und in Hamburg.

Und das, nachdem 2025 das schlimmste Waldbrandjahr seit mindestens 2010 war, also seitdem das European Forest Fire Information System (EFFIS) entsprechende Daten sammelt. Mehr als ein Drittel der Feuer traten im vergangenen Jahr bereits im März auf. Im Juli sorgte dann ein besonders großer Waldbrand in Sachsen, der größte hiesige seit Menschengedenken, alleine für rund 25 Prozent der 2025 in Deutschland verbrannten Fläche. Wenn man letztere als Maßstab nimmt, waren die Brände in den Jahren 2018 und 2022 ähnlich, aber nicht ganz so schlimm wie im vergangenen Jahr. Der Trend ist stark ansteigend, allerdings bei einer Datengrundlage über einen Zeitraum von lediglich 15 Jahren nur bedingt aussagekräftig.

Insgesamt wurden mit den EFFIS-Satellitendaten 2025 in Deutschland 302 Brände und eine durch diese zerstörte Fläche von 6.873 Hektar festgestellt, heißt es in einem kürzlich vom Joint Research Center (JRC) veröffentlichten Bericht. Das JRC ist der wissenschaftliche Beratungsdienst der EU-Kommission. Ein Hektar ist ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 100 Metern, entspricht also 10.000 Quadratmetern. 100 Hektar sind ein Quadratkilometer.

Angesichts der extremen Trockenheit, die im Frühjahr 2025 in Mitteleuropa herrschte, war die hohe Zahl und das Ausmaß der hiesigen Wald- und Buschbrände wenig überraschend. Eine Auswertung des Deutschen Wetterdienstes ergab, dass es zwischen Anfang Februar und Ende Mai 2025 seit dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnung im Jahr 1881 im Landesdurchschnitt noch nie so trocken gewesen war. Besonders betroffen war Norddeutschland. In den dortigen Bundesländern fiel durchweg weniger als die Hälfte der sonst in diesen Monaten üblichen Niederschläge.

Bei den Ursachen der Waldbrände muss zwischen Auslösern und förderlichen Bedingungen unterschieden werden. Was erstere angeht, so können die konkreten Auslöser eines Waldbrandes vielfältig sein. Bei großer Trockenheit kann schon ein Funke ausreichen, den die Egge oder ein anderes landwirtschaftliches Gerät schlägt. Eine Statistik des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft zeigt für 2024, dass 4,5 Prozent der Feuer auf Brandstiftung zurückzuführen waren, weitere 8,4 Prozent auf Fahrlässigkeit. 55 Prozent der Brände wurden auf nicht näher benannte andere menschliche Aktivitäten zurückgeführt. Die Anteile variieren allerdings von Jahr zu Jahr stark, und oft lässt sich der Auslöser nicht eindeutig ermitteln.

Das Problem ist aber vor allem, dass Unachtsamkeit, Funkenschlag und ähnliches heutzutage oft auf Bedingungen treffen, die einen Waldbrand wahrscheinlicher machen. In den Wäldern wird es zunehmend trockener. Seit 2010 gehen hierzulande die jährlichen Niederschlagsmengen zurück, während die vorhergehenden Jahrzehnte 1980 bis 2009 eher überdurchschnittlich feucht waren. Besonders ausgeprägt ist der Rückgang im Frühjahr. Seit 2010 sind die Monate Februar bis Mai gemessen am langjährigen Mittelwert im Bundesdurchschnitt mit wenigen Ausnahmen immer zu trocken ausgefallen, wie die Daten des DWD zeigen. Schon vor fünf Jahren hatte zudem eine sehr umfangreiche, seinerzeit in der Fachzeitschrift Nature Geoscience veröffentlichte Analyse der jährlichen Wachstumsringe in altem Bauholz und anderen konservierten Bäumen aus ganz Europa gezeigt, dass die in weiten Teilen West- und Mitteleuropas extrem trockenen Jahre 2003, 2015 und 2018 schlimmer waren als alles, was der Kontinent zuvor in den letzten 2.100 Jahren erlebt hatte.

Entsprechend ist die zunehmende Waldbrandgefahr kein rein deutsches Problem. In den südeuropäischen Ländern sind die Feuer oft noch viel verheerender. Der oben erwähnte JRC-Bericht zeigt, dass im Jahr 2025 auf dem Gebiet der Europäischen Union mehr als eine Million Hektar Wald und Buschland verbrannt sind. Das war annähernd das Doppelte des Durchschnitts der letzten 15 Jahre und so viel wie nie zuvor in diesem Zeitraum.

Eventuell ist das erst der Anfang: Alle Klimamodelle sagen für den Mittelmeerraum zunehmende Wasserknappheit im Zuge der globalen Erwärmung voraus. Höchste Zeit also, Feuerwehren aufzurüsten und Früherkennung zu verbessern. Doch in Zeiten der allgemeinen Hochrüstung und entsprechenden Umverteilung der Haushaltsmittel wird vermutlich das Gegenteil geschehen.

junge Welt

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Erschienen in der Ausgabe vom 05.05.2026, Seite 15, Natur & Wissenschaft

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