Profite schon kriegstüchtig
Von Klaus Fischer
VW schwächelt, Rheinmetall boomt. Noch vor wenigen Jahren wäre ein Vergleich zwischen dem Autokonzernriesen und dem einst eher mittelprächtig vor sich hin lobbyierenden Waffendealer aus Düsseldorf ein Lacher gewesen. Heute ist es eher andersherum. Seit deutsche Regierungspolitik sich wieder offen militaristisch gibt, muss Rheinmetall weniger Klinken in Berlin, Bonn oder anderen NATO-Regierungssitzen putzen. Die Wolfsburger bleiben indes auf dem Werk Osnabrück sitzen.
Die Auftragslage des Panzerbauers verbessert sich seit einigen Jahren stetig. Das geschah nicht zuletzt, weil der seit 2014 schwelende Ukraine-Konflikt wie von Washington erhofft 2022 zu einer militärischen Reaktion Russlands führte. Mit der Etablierung der Legende von »Putins Angriffskrieg« fühlten sich in der BRD sowohl alte Russenhasser als auch ehemalige »Schwerter zu Pflugscharen«-Anhänger ermuntert, den virtuellen Stahlhelm aufzusetzen. Ein laut Mainstream allseits beliebter SPD-Politiker formulierte sogar einen Satz, der noch Jahre zuvor als Nazijargon galt: Deutschland müsse wieder kriegstüchtig werden.
Die damals agierende SPD-Grüne-FDP-Regierung (SPD und Grüne hatten bereits bei der NATO-Aggression gegen Jugoslawien 1999 mitgebombt) setzte das schon unter Merkel mitgetragene Szenario der Demontage Russlands und der Ausweitung der NATO-Grenzen Richtung Osten fort. Die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Welt ließ sich die energetische Lebensader Nord Stream 2 wegsprengen (angeblich von Unbekannt oder ein paar Hobbyfanatikern), kappte nahezu alle Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau, verhängte Sanktionen, um Washington zu gefallen, und löste die Verschuldungsbremsen.
Während das Bruttoinlandsprodukt (Wirtschaftsleistung) 2023 und 2024 sank, 2025 praktisch stagnierte, änderte sich vieles: Sprit, Elektroenergie und im Gefolge nahezu alle anderen Industrie-, Landwirtschafts- und Handwerksprodukte wurden teurer, eine Pleitewelle nahm Fahrt auf, und im Lande feiert das Kriegsgespenst ein fröhliches Comeback. Auch zwischen dem Weltkonzern und der Waffenschmiede drehte sich etwas. VW verlor Marktanteile, Profite sprudelten spärlicher. Die Konkurrenzfähigkeit der heimischen Produktion erodierte rasant – nicht zuletzt wegen der zu hohen Preise für Energie. Rheinmetall indes legte zu.
Kostete eine Aktie des Konzerns Anfang 2021 rund 85 Euro, stieg deren Preis stetig. Kurz vor Beginn des Ukraine-Krieges testete er bereits die 100-Euro-Marke. Nach dem Beginn des Waffengangs im Februar 2022 gab es kein Halten mehr. Mit 1.988,50 Euro pro Aktie notierte das in den Dax 40 aufgestiegene Unternehmen am 29. September 2025 sein bisheriges Allzeithoch. Wer also seine Aktie fünf Jahre gehalten hatte, konnte das angelegte Geld mehr als verzwanzigfachen. Ein Extremprofit, der außer an den KI-hysterischen US-Märkten seinesgleichen sucht. Seitdem ist das Papier des Rüstungsproduzenten die mit Abstand teuerste Aktie im deutschen Leitindex und hält sich derzeit trotz diverser Turbulenzen stabil über der 1.200-Euro-Marke.
Bei Volkswagen indes löste der Aufstieg des kleinen Cousins Begehrlichkeiten aus. Wäre es nicht an der Zeit, in den inzwischen nicht mehr benötigten Produktionsstätten auf Panzerfahrzeuge umzusteigen, dachte man sich. In Wolfsburg schien eine entsprechende Anfrage an Rheinmetall eine logische Lösung – zumindest besser als Massenentlassungen. Die würden vorübergehend schmerzhaft an der Gewinnmarge kratzen.
Rheinmetall wies die Offerte ab. Ein Sprecher sagte am 12. März, eine Übernahme des Werkes in Osnabrück sei unter den gegebenen Voraussetzungen kein Thema. Konzernchef Armin Papperger hatte die Absage bereits am Tag zuvor auf einer Pressekonferenz angedeutet. Es würden »aktuell keine weiteren Kapazitäten benötigt«, hieß es aus Düsseldorf.
Auch andere deutsche Rüstungsfirmen haben längst Blut gerochen, drängen an die Börse. Zwar können nicht alle Ergebnisse wie Rheinmetall, Renk (Getriebe für Panzer) oder Hensoldt (ehemals Airbus-Sparte Sicherheitselektronik) vorweisen. Aber die Gier ist geweckt: Am Freitag ging mit Vincorion ein weiteres Unternehmen an die Börse. Die durch einen britischen Investmentfonds von Jenoptik übernommene Firma aus Wedel (900 Beschäftigte, zuletzt etwa 240 Millionen Euro Umsatz) verkauft Energielösungen, die laut dpa Teile sind, die in Panzern und Flugabwehrsystemen verbaut werden. Die britische »Heuschrecke« (wie der frühere SPD-Chef Franz Müntefering solche Fonds einst nannte) dürfte dabei einen Reibach gemacht haben. Die Aktien legten zum Start an der Börse jedenfalls kräftig zu.
Probeabo
Sie lügen wie gedruckt. wir drucken, wie Sie lügen.
Jetzt 2 Wochen gratis lesen – das Probeabo endet automatisch!
links & bündig gegen rechte Bünde
Jetzt den kostenlosen jW-Newsletter abonnieren – täglich das Beste aus der Tageszeitung junge Welt, direkt in Ihr Postfach. Ihre E-Mail-Adresse wird natürlich niemals an Dritte weitergegeben.
Ähnliche:
Anna Joerke/junge Welt12.01.2026»Wir sind die Friedensmacht. Niemand sonst«
jW27.12.2025Merkel wäre sofort im Flugzeug
Bernd von Jutrczenka/dpa18.09.2025Hunger nach Milliarden
Regio:
Mehr aus: Inland
-
Was bedeutet die Suspendierung für Ihre Partei?
vom 23.03.2026 -
Was sagt das über die Strukturen im Apparat aus?
vom 23.03.2026 -
Festhalten am Formelkompromiss
vom 23.03.2026 -
Auf deutsch-japanischer Achse
vom 23.03.2026 -
Bei Öl und Gas regiert Hilflosigkeit
vom 23.03.2026